Der deutsche Wortschatz von 1600 bis heute.

verstreichen

Grammatik Verb · verstreicht, verstrich, hat/ist verstrichen
Aussprache 
Worttrennung ver-strei-chen
Wortzerlegung ver- streichen
eWDG

Bedeutungen

1.
etw. verstreichen
Grammatik: mit Hilfsverb ‘hat’
a)
etw. ausfüllen, verschmieren, verputzen
Beispiel:
Fugen mit Mörtel, Risse an den Bäumen mit Wachs verstreichen
b)
etw. verreiben, einreiben
Beispiel:
man soll den Puder, diese Creme auf der Haut gut verstreichen
c)
etw. gut verteilt auf etw. streichen
Beispiele:
Ölfarbe muss gut verstrichen werden
du hast zu viel Butter verstrichen (= verbraucht)
2.
die Zeit verstreichtdie Zeit vergeht
Grammatik: mit Hilfsverb ‘ist’
Beispiele:
das Jahr, der Urlaub, die Frist ist schnell verstrichen
ich wollte keinen Augenblick ungenutzt verstreichen lassen
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

streichen · Streicher · Streichholz · abstreichen · Abstrich · anstreichen · Anstreicher · Anstrich · verstreichen
streichen Vb. ‘sich fortbewegen, gehen, (mit der Hand) etw. streifend berühren, über etw. hinstreifen, (be)schmieren, durch streichende Bewegung entfernen, einen Strich ziehen’, ahd. strīhhan (8. Jh.), mhd. strīchen ‘Striche machen, streichend bewegen, glätten, bestreichen, schärfen, streichend berühren, schlagen, sich rasch bewegen, herumstreifen’, mnd. mnl. strīken, nl. strijken, afries. strīka, aengl. strīcan, engl. to strike (germ. *strīkan), daneben anord. strӯkja, strӯkva (germ. *streukan) sowie (ablautend) schwach flektierendes ahd. streihhōn ‘streicheln’ (um 1000), mhd. streichen (s. streicheln) führen mit dem zugehörigen, unter Strich (s. d.) behandelten Abstraktum und lat. (mit n-Infix) stringere ‘schnüren, zusammenbinden, (ab)streifen’, striga ‘Strich, Schwaden, Zeltreihe, Längsfurche’, strigilis ‘Schabeisen’, aslaw. strišti, russ. strič’ (стричь) ‘scheren’ auf ie. *streig-, eine durch Guttural erweiterte Form der Wurzel ie. *ster- ‘Streifen, Strich, Strähne, Strahl’, in Erweiterungen auch ‘über etw. hinwegstreifen, -streichen’, wohl eine semantische Variante der unter streuen (s. d.) angegebenen Wurzel ie. *ster(ə)- ‘ausbreiten, (aus)streuen’. Streicher m. ‘Landstreicher, Vagabund’ (16. Jh.; s. Landstreicher), ‘Maler’ (17. Jh.; s. unten Anstreicher), ‘Spieler eines Streichinstruments’ (1. Hälfte 20. Jh.), mhd. strīcher als Bezeichnung für unterschiedliche Handwerker. Streichholz n. ‘Zündholz’ (19. Jh.), älter Bezeichnung für unterschiedliche Geräte, z. B. zum Abstreichen gefüllter Gefäße (15. Jh.). abstreichen Vb. ‘durch streichende Bewegung entfernen, sich entfernen, herumstreifen, beschmieren, streichend berühren, durch einen Strich tilgen’, mhd. abestrīchen ‘beseitigen, abwischen, forteilen’; Abstrich m. ‘Abzug’ (17. Jh.), ‘abwärtsgehender Schriftstrich’ (19. Jh.), in der Medizin ‘Entnahme von Haut, Schleimhaut’ zu Untersuchungen (19. Jh.), mhd. abestrich ‘Tilgung’. anstreichen Vb. ‘mit Farbe bedecken, mit einem Strich versehen, bezeichnen’, mhd. anestrīchen ‘bedecken, beschmieren (mit Salbe), sich putzen’; Anstreicher m. ‘Maler, Tüncher’ (18. Jh.), bei Kepler für Tangente im Sinne von ‘Berührer, berührende Linie’ (17. Jh.); Anstrich m. ‘aufgemalte Farbe, Tünche, Salbe’ (16. Jh.), mhd. anstrich ‘auf den Geigenbogen gestrichenes Harz, Kolophonium’. verstreichen Vb. ‘verschmieren, breitstreichen, durch Streichen aufbrauchen, vergehen (von der Zeit)’, ahd. firstrīhhan ‘tilgen’ (8. Jh.), mhd. verstrīchen ‘ver-, überstreichen, verschmieren, ausstreichen, sich bewegen, sich schnell oder heimlich davonmachen, vergehen’.

Thesaurus

Synonymgruppe
abdichten · ausfugen · fugen · verstreichen
Synonymgruppe
(Zeit) ins Land gehen · (Zeit) ins Land ziehen · (Zeit) verfließen · ablaufen · vergehen · verstreichen · vorbeigehen  ●  verrinnen (lit.)  geh.
Assoziationen

Typische Verbindungen zu ›verstreichen‹ (berechnet)

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›verstreichen‹.

Verwendungsbeispiele für ›verstreichen‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Nach unbemerkt verstrichenen 45 Minuten gingen wir zur zweiten Phase der Meditation über. [Süddeutsche Zeitung, 18.05.1996]
Nachdem sie schon acht Tage hier war, wollte er nicht mehr Zeit verstreichen lassen. [Feuchtwanger, Lion: Erfolg. In: ders., Gesammelte Werke in Einzelbänden, Bd. 6, Berlin: Aufbau-Verl. 1993 [1930], S. 171]
Und nun sind die 13 Jahre daher bei ihnen ungenützt verstrichen. [o. A.: Kundgebung der NSDAP im Berliner Sportpalast, 01.09.1932]
Bis diese abgeschlossen ist, wird wohl auch noch einige Zeit verstreichen. [C't, 2000, Nr. 11]
Auf alle Fälle werde etliche Zeit verstreichen, bis das Material herbeigeschafft sei, um den Antrag juristisch genügend zu fundieren. [Feuchtwanger, Lion: Erfolg. In: ders., Gesammelte Werke in Einzelbänden, Bd. 6, Berlin: Aufbau-Verl. 1993 [1930], S. 249]
Zitationshilfe
„verstreichen“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/verstreichen>.

Weitere Informationen …

alphabetisch vorangehend alphabetisch nachfolgend
verstreben
verstrahlen
verstoßen
verstorben
verstopfen
verstreiten
verstreuen
verstricken
verstromen
verstrubbeln