verstummen

GrammatikVerb · verstummte, ist verstummt
Aussprache
Worttrennungver-stum-men (computergeneriert)
Grundformstumm
eWDG, 1977

Bedeutung

aufhören zu sprechen, zu tönen, stumm werden
Beispiele:
die Menge verstummte, als er zu reden anfing
die Kinder verstummten vor Schreck, blieben verstummt stehen
das Gespräch, Geräusch, der Lärm verstummte allmählich, mit einem Schlag
im Saal verstummte die Musik, der Gesang
er wartete, bis die Schritte vor der Tür verstummten
gehoben sein Mund verstummte (für immer)
jmdn. zum Verstummen (= Schweigen) bringen
übertragen
Beispiele:
das Gerücht verstummte bald wieder
Spekulationen über die Existenz von Leben auf anderen Planeten sind seit Generationen nicht verstummt (= hat seit Generationen nicht aufgehört, die Menschen zu bewegen)
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

stumm · Stummheit · verstummen
stumm Adj. ‘(physisch oder psychisch) unfähig zu sprechen, sprachlos’. Das nur im Dt. und Nl. bezeugte Adjektiv ahd. (um 800), mhd. mnd. stum (Genitiv stummes), asächs. stumm, mnl. nl. stom, daneben, in Anlehnung an die unter ↗dumm (s. d.) genannten Formen mit labialem Verschlußlaut, mhd. stump, mnl. stomp steht im Ablaut zu den unter ↗stammeln und ↗stemmen (s. d.) angeführten Verben und kann wie diese auf die Wurzel ie. *stem- ‘stoßen, anstoßen, stottern, stammeln, hemmen’ zurückgeführt werden. Als Ausgangsbedeutung ist ‘im Sprechen gehemmt’ anzunehmen. stumm verdrängt dumm in dessen älterer Bedeutung ‘stumm’. Stummheit f. ‘Zustand des Stummseins’ (15. Jh.); vgl. mhd. stumme, stumbe m. (noch im 18. Jh. auch f.) und stummede f. verstummen Vb. ‘stumm, still werden’, mhd. verstummen, verstumben.

Thesaurus

Synonymgruppe
aufhören zu reden · in Schweigen verfallen · nicht mehr sprechen · nichts mehr sagen · nichts weiter sagen · ruhig werden · still werden  ●  verstummen  Hauptform
Assoziationen
  • (den) Mund nicht aufbekommen · (jemandem) versagt die Stimme · (jemandes) Kehle ist wie zugeschnürt · (jemandes) Lippen sind versiegelt · kein Wort (zu etwas) verlieren · kein Wort herausbekommen · keine Antwort geben · keinen Ton herausbekommen · nichts sagen · stumm bleiben  ●  ↗schweigen  Hauptform · (das) Maul nicht aufkriegen  ugs. · (das) Sprechen verlernt haben  ugs., ironisch · (den) Mund halten  ugs. · (die) Zähne nicht auseinanderbekommen  ugs. · (sich) in Schweigen hüllen  geh. · den Rand halten  ugs. · kein Sterbenswörtchen sagen  ugs. · keinen Mucks von sich geben  ugs. · keinen Piep sagen  ugs. · keinen Ton sagen  ugs. · schweigen wie ein Grab  ugs. · sein Herz nicht auf der Zunge tragen  ugs. · still schweigen (veraltet lit.)  geh. · stumm wie ein Fisch sein (bildl.)  ugs.
  • (etwas) nicht aussprechen · (etwas) nicht auszusprechen wagen  ●  (etwas) nicht über die Lippen bringen  ugs.
Synonymgruppe
(jemand) weiß nichts mehr zu sagen · (jemandem hat es) die Sprache verschlagen · (jemandem) fehlen die Worte · (jemandem) verschlägt es die Sprache · jemand sagt nichts mehr (zu) · nichts mehr einfallen (zu) · sprachlos sein · verstummen  ●  (jemandem) bleibt (da) die Spucke weg  ugs., fig.
Assoziationen
  • außer Fassung · ↗entgeistert · ↗fassungslos · geschockt · ↗ratlos · schockiert · ↗verständnislos · wie vom Schlag getroffen  ●  ↗(ganz) durcheinander  ugs., fig. · (ganz) von den Socken  ugs. · (jemandem) bleibt die Spucke weg  ugs., fig. · (jemanden) trifft der Schlag  ugs., fig. · dazu fällt jemandem nichts mehr ein  ugs. · die Welt nicht mehr verstehen  ugs. · erstaunten Auges (humor. altertümelnd)  geh. · ↗konsterniert  geh. · ↗verdattert  ugs. · wie vor den Kopf geschlagen  ugs.
  • (den) Mund nicht aufbekommen · (jemandem) versagt die Stimme · (jemandes) Kehle ist wie zugeschnürt · (jemandes) Lippen sind versiegelt · kein Wort (zu etwas) verlieren · kein Wort herausbekommen · keine Antwort geben · keinen Ton herausbekommen · nichts sagen · stumm bleiben  ●  ↗schweigen  Hauptform · (das) Maul nicht aufkriegen  ugs. · (das) Sprechen verlernt haben  ugs., ironisch · (den) Mund halten  ugs. · (die) Zähne nicht auseinanderbekommen  ugs. · (sich) in Schweigen hüllen  geh. · den Rand halten  ugs. · kein Sterbenswörtchen sagen  ugs. · keinen Mucks von sich geben  ugs. · keinen Piep sagen  ugs. · keinen Ton sagen  ugs. · schweigen wie ein Grab  ugs. · sein Herz nicht auf der Zunge tragen  ugs. · still schweigen (veraltet lit.)  geh. · stumm wie ein Fisch sein (bildl.)  ugs.
Synonymgruppe
abklingen · ↗ausklingen · ↗verhallen · ↗verklingen · verstummen

Typische Verbindungen
computergeneriert

Gelächter Gemurmel Gerede Geräusch Gerücht Gesang Geschrei Glocke Krisengerede Kritik Kritiker Lachen Lautsprecher Lärm Murren Qual Ruf Schrei Sirene Skeptiker Spötter Stimme Unkenruf Zweifler abrupt allmählich augenblicklich jäh plötzlich schlagartig

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›verstummen‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Und je näher das Ereignis rückt, desto mehr scheint die Kritik zu verstummen.
Der Tagesspiegel, 16.05.2000
Während der drei praktizierten Flüge waren die Proteste allerdings verstummt.
Süddeutsche Zeitung, 08.06.1996
Da verstummte mit einem Male das Lachen der beiden Deutschen.
Perutz, Leo: Die dritte Kugel, Reinbek bei Hamburg: Rowohlt 1988 [1915], S. 113
Nach dieser Rede verstummte sie, und auch ich lehnte mich schweigend in meine Ecke.
Christ, Lena: Erinnerungen einer Überflüssigen. In: Deutsche Literatur von Frauen, Berlin: Directmedia Publ. 2001 [1912], S. 16985
Das Rauschen des Blutes in ihren Ohren ließ nach und verstummte.
Neue deutsche Literatur, 1953, Nr. 2, Bd. 1
Zitationshilfe
„verstummen“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/verstummen>, abgerufen am 16.12.2018.

Weitere Informationen …

alphabetisch vorangehend alphabetisch nachfolgend
Verstümmelung
verstümmeln
verstruppt
verstrubbelt
verstrubbeln
Verstümmlung
verstürzen
Versübertragung
Versuch
versuchen