vertrösten

GrammatikVerb · vertröstet, vertröstete, hat vertröstet
Worttrennungver-trös-ten
Wortbildung mit ›vertrösten‹ als Erstglied: ↗Vertröstung
eWDG, 1977

Bedeutung

jmdn. hinhalten, auf später hoffen lassen
Beispiele:
er vertröstete mich von einem Tag zum anderen, auf später, auf seinen nächsten Besuch
er hat uns mit allen nur denkbaren Ausflüchten immer wieder vertröstet
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Trost · trösten · Tröster · tröstlich · vertrösten
Trost m. ‘seelischer Halt, Zuversicht, Ermutigung im Leid’, ahd. (8. Jh.), mhd. trōst ‘Vertrauen, Zuversicht, Ermutigung, Hilfe, Schutz, Tröster’, asächs. mnd. trōst, mnl. nl. troost, afries. trāst, anord. traust, schwed. tröst sowie anord. traustr ‘zuverlässig, stark’ und (mit anderer Stammbildung) got. trausti ‘Vertrag, Bündnis’ (germ. *traust-) sind mit st-Suffix an den unter ↗Teer (s. d.) angeführten Ansatz ie. *deru-, *dreu-, *drū- ‘Baum’, eigentlich wohl ‘Eiche’, auch ‘hart, fest, treu’ (s. ↗trauen, ↗treu), anzuschließen. Aus einer frühen Bedeutung ‘Festigkeit’ entwickelt sich ‘Zuversicht, Vertrauen, Hoffnung’, aber auch ‘Gewährung von Festigkeit’, d. h. ‘(sichtbare) Hilfe, Schutz’. Unter dem Einfluß der christlichen (süddeutschen) Mission wird Trost der dt. Ausdruck für lat. cōnsōlātio ‘durch Zuspruch entstehende seelische Stärkung’. Trost bedeutet heute allgemein ‘seelischer Halt, seelische Unterstützung’. Keinen erkennbaren semantischen Zusammenhang zeigt die Wendung nicht bei Trost(e) sein ‘nicht bei Sinnen, nicht bei Verstand sein’ (Mitte 18. Jh.). Aus der Vorstellung ‘ohne Zuspruch und daher verzweifelt sein’ hervorgegangen? trösten Vb. ‘Trost spenden, seelischen Halt geben’, ahd. trōsten (8. Jh.), mhd. trœsten, trōsten ‘beschwichtigen, aufrichten, Zuversicht, Sicherheit und Schutz gewähren’, reflexiv ‘seine Zuversicht worauf setzen’, ursprünglich ebenfalls ein Wort der südd. Kirchensprache; Tröster m. ‘wer Trost spendet’, ahd. trōstāri (Hs. 12. Jh.), mhd. trœstære, trœster ‘Tröster, Helfer, Bürge’. tröstlich Adj. ‘Trost spendend’, ahd. trōstlīh (um 1000), mhd. trōstlich ‘zuversichtlich, mutig, zuverlässig, Trost gebend, hilfreich’. vertrösten Vb. ‘durch Hervorrufen von Hoffnung hinhalten’, ahd. firtrōsten ‘unbesorgt sein über’, reflexiv ‘verzichten auf, einen Verlust verschmerzen, vergessen’ (um 1000), mhd. vertrœsten ‘Bürgschaft leisten, Sicherheit gewähren’, reflexiv ‘einen Verlust verschmerzen, vergessen’.

Thesaurus

Synonymgruppe
(jemanden auf etwas) warten lassen · (jemanden) im Unklaren lassen · Zeit gewinnen wollen · ↗ausweichen · ausweichende Antworten geben · ↗hinhalten · trösten (mit) · vertrösten  ●  ↗(sich jemanden) warm halten  ugs., fig. · Katz und Maus spielen (mit jemandem)  ugs. · ↗abspeisen  ugs. · ↗schmoren lassen  ugs., fig. · zappeln lassen  ugs., fig.
Assoziationen

Typische Verbindungen zu ›vertrösten‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Aktionär Anrufer Antragsteller Anwohner Arbeitsamt Ausrede Bezirksausschuss Fahrgast Fan Gläubiger Hinweis Interessent Interessente Jahresende Jenseits Journalist Klientel Kunde Kundschaft Lieferant Neugierige Patient Termin Versprechen Versprechung Zeitpunkt abweisen abwimmeln hinhalten trösten

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›vertrösten‹.

Verwendungsbeispiele für ›vertrösten‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Für eine offizielle Übergabe sei man aber stets auf nach der Wahl vertröstet worden.
Die Zeit, 21.03.2011, Nr. 12
Uwe hatte eine unwiderstehliche Art, die Künstler in puncto Gage zu vertrösten.
Süddeutsche Zeitung, 27.12.2003
Der enttäuschte Lehrer wurde auf später vertröstet und kurzerhand weggeschickt.
Reich-Ranicki, Marcel: Mein Leben, Stuttgart: Deutsche Verlags-Anstalt 1999, S. 2
Ich vertröstete ihn, ich würde nachforschen, alles gehe jetzt langsam, aber er komme sicher zu seinem Recht, es könne nur noch eine Weile dauern.
Klemperer, Victor: [Tagebuch] 1946. In: ders., So sitze ich denn zwischen allen Stühlen, Berlin: Aufbau-Verl. 1999 [1946], S. 236
Sie vertröstete mich immer wieder, ich wartete wie gesagt 1¾ Stunden.
Klemperer, Victor: [Tagebuch] 1945. In: ders., So sitze ich denn zwischen allen Stühlen, Berlin: Aufbau-Verl. 1999 [1945], S. 89
Zitationshilfe
„vertrösten“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/vertr%C3%B6sten>, abgerufen am 25.02.2020.

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