vertragen

GrammatikVerb · verträgt, vertrug, hat vertragen
Aussprache
Worttrennungver-tra-gen
Grundformtragen
Wortbildung mit ›vertragen‹ als Erstglied: ↗Verträger1 · ↗verträglich
eWDG, 1977

Bedeutungen

1.
etw. (körperlich, psychisch) ohne Schaden ertragen, aushalten, sich zumuten, essen oder trinken können
Beispiele:
du weißt, dass ich Aufregungen, Lärm, solche Belastungen nicht vertragen kann
diesen ironischen Ton vertrage ich nicht, kann ich nicht vertragen
kannst du die Wahrheit nicht vertragen?
sie verträgt viel Spaß (= sie versteht viel Spaß)
sie kann keinen Spaß vertragen (= sie nimmt leicht etw. übel)
er verträgt keinen Widerspruch, keine Kritik
ich kann das heiße, kalte Klima nicht, schlecht, gut vertragen
meine Haut verträgt diese Salbe nicht
sie verträgt keinen Likör, konnte keinen Wein mehr vertragen
mein Magen, Herz verträgt den starken Kaffee, dieses Medikament nicht (= meinem Magen, Herzen bekommt der starke Kaffee, dieses Medikament nicht)
ich kann schon viel, eine ganze Menge vertragen, aber mit dir komme ich nicht mit
umgangssprachlich einen guten, tüchtigen Stiefel (= viel Alkohol) vertragen (können)
umgangssprachlich einen ordentlichen Puff vertragen (können) (= robust, nicht empfindlich sein)
ich könnte noch eine Portion vertragen (= würde noch gern eine Portion essen)
übertragen
Beispiele:
die Angelegenheit verträgt (= duldet) wenig Aufschub
etw. verträgt (= erlaubt) den Vergleich mit etw.
2.
sich mit jmdm. gut vertragenmit jmdm. gut auskommen
Beispiele:
wir haben uns gut, großartig, einigermaßen (miteinander) vertragen
er verträgt sich mit seinem Schwager gar nicht
sich (miteinander) aussöhnen
Beispiele:
wir wollen uns wieder vertragen
vertragt euch, Kinder!
salopp, abwertend, sprichwörtlich Pack schlägt sich, Pack verträgt sich
3.
etw. verträgt sich mit etw.etw. passt gut zu etw., ist mit etw. vereinbar
Beispiele:
diese Aussage verträgt sich nicht mit seiner Überzeugung
die Farbe ihres Kleides verträgt sich gut mit ihrem hellen Haar
starkes Rauchen und Sporttreiben vertragen sich schlecht miteinander
4.
landschaftlich Kleidungsstücke abnutzen, abtragen
Beispiel:
sie hat ihren Pullover schon sehr vertragen
meist im Part. Prät.
Beispiel:
er hatte einen vertragenen Regenmantel an, war in einen vertragenen Anzug gekleidet
5.
schweizerisch etw. austragen
Beispiel:
Zeitungen vertragen
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

tragen · Trage · Träger · tragbar · untragbar · abtragen · Abtrag · abträglich · antragen · Antrag · beantragen · auftragen · Auftrag · beauftragen · Beauftragter · betragen · Betrag · eintragen · Eintrag · ertragen · Ertrag · erträglich · unerträglich · vertragen · verträglich · Vertrag · vertraglich · vortragen · Vortrag · zutragen · Zuträger · zuträglich
tragen Vb. ‘eine Last halten und fortbewegen, mit etw. bekleidet sein, Früchte, Ertrag hervorbringen’, ahd. tragan (8. Jh.), mhd. tragen, asächs. dragan, mnd. drāgen, mnl. drāghen, nl. dragen, got. dragan ‘tragen’, semantisch abweichend aengl. dragan ‘ziehen, schleppen, in die Länge ziehen, gehen’, engl. to draw ‘ziehen’, anord. draga ‘ziehen, locken, fahren, Atem holen’, schwed. dra(ga) ‘ziehen’ (germ. *dragan). Außergerm. Anknüpfungen sind nicht gesichert. Aus dem Germ. zu erschließendem ie. *dherāgh-, *dhrā̌gh- ‘ziehen, am Boden schleifen’ stehen nahe ie. *trāgh- ‘ziehen, sich am Boden schleppen, sich bewegen, laufen’, wozu lat. trahere (tractum) ‘ziehen, schleppen’, sowie ie. *dereg-, wozu ↗trecken (s. d.), und ie. *dhreg̑- ‘ziehen, dahinziehen, gleiten, streifen’, wozu aind. dhrájati ‘gleitet dahin, bewegt sich, fliegt’ und (zweifelhaft) ↗trinken (s. d.); Anschluß dieser Varianten an Wurzeln wie ie. *der(ə)- ‘schinden, (ab)spalten’ (s. ↗trennen, ↗zerren) oder ie. *dher(ə)- ‘halten, festhalten, stützen’ ist möglich. Ausgangsbedeutung für tragen scheint ‘am Boden dahingleiten, schleppen, ziehen’ (von Lasten) zu sein, aus der sich ‘tragen’ (durch Lasttiere, Menschen) entwickelt. Trage f. ‘Gestell zum Tragen von Kranken, Lasten, Tragkorb’ (um 1400). Träger m. ‘wer Lasten trägt’, ahd. tragāri (8. Jh.), mhd. trager, treger, seit dem 14. Jh. mit Umlaut. tragbar Adj. ‘erträglich’, mhd. tragebære, ‘zu tragen, transportierbar, (von Kleidern) gut, bequem zu tragen, kleidsam, finanziell erschwinglich’ (18. Jh.), älter ‘trächtig, fruchtbar, gut tragend’ (17. bis 19. Jh.); untragbar Adj. ‘wirtschaftlich, finanziell nicht zumutbar, unerträglich’ (18. Jh.), älter ‘nicht tragend, unfruchtbar’ (16. bis 19. Jh.). abtragen Vb. ‘etw. wegschaffen, beseitigen, einebnen, niederreißen, (Kleidungsstücke) durch Tragen abnutzen, nach und nach bezahlen’, mhd. abetragen; davon rückgebildet Abtrag m. ‘Beeinträchtigung, Minderung, Abzahlung, Wiedergutmachung’, mhd. abetrac ‘Wegnahme, Betrug, Buße, Entschädigung’; abträglich Adj. ‘schädlich, nachteilig’ (Anfang 16. Jh.), mhd. (vereinzelt) abetragelich ‘entschädigend’. antragen Vb. ‘anbieten, vorschlagen’, ahd. anatragan (9. Jh.), mhd. anetragen ‘herantragen, an sich tragen, führen, anstellen, anstiften’; Antrag m. ‘Gesuch, schriftlich vorgebrachte Bitte, förmlicher Vorschlag, Heiratsantrag’, mhd. antrac ‘Anschlag’, rückgebildet aus dem Verb antragen im Sinne von ‘anstiften’; beantragen Vb. ‘einen Antrag stellen, um etw. ersuchen, vorschlagen’ (19. Jh.). auftragen Vb. ‘Speisen auf den Tisch tragen, servieren, aufstreichen, übertreiben, jmdn. verpflichten, etw. zu tun, Kleidungsstücke bis zur Abnutzung tragen, aufbauschen’, mhd. ūftragen ‘in die Höhe streben, reichen’, reflexiv ‘sich erheben, darlegen, opfern’; Auftrag m. ‘(An)weisung, Aufgabe, Verpflichtung’ (17. Jh.), Rückbildung aus dem Verb; davon abgeleitet beauftragen Vb. ‘jmdm. einen Auftrag erteilen’ und Beauftragter m. ‘wer einen Auftrag auszuführen hat’ (beide Ende 18. Jh.). betragen Vb. ‘eine bestimmte Summe, Höhe, ein bestimmtes Maß erreichen, ausmachen’ (17. Jh.), reflexiv ‘sich benehmen, sich aufführen, sich verhalten’ (18. Jh.), mhd. betragen ‘tragen, bringen, ertragen, aussöhnen, beilegen’, reflexiv ‘sich nähren, sich behelfen, sich begnügen, sich befassen, sich abgeben mit’; Betrag m. ‘bestimmte Menge, Geldsumme’ (18. Jh.); vgl. mhd. betrac ‘Vertrag, Vergleich, Erwägung, Sorge’. eintragen Vb. ‘an einen Ort tragen, an einer bestimmten Stelle zusammentragen’, sodann ‘Ertrag, Gewinn bringen, abwerfen’ (16. Jh.), ‘ein-, hineinschreiben, vermerken’ (17. Jh.), ahd. intragan ‘hineintragen’ (9. Jh.), mhd. īntragen, auch ‘einbringen, nutzen’; zu eintragen im Sinne von ‘hineinschreiben’ ist rückgebildet Eintrag m. ‘schriftlicher Vermerk, an bestimmter Stelle eingetragene Bemerkung, (Akten)notiz’ (17. Jh.); vgl. mhd. īntrac ‘Schaden, Nachteil, Einwand, Einrede’, dazu die Wendung einer Sache Eintrag tun ‘sie beeinträchtigen, ihr abträglich sein, sie schädigen’, mhd. īntrac tuon. ertragen Vb. ‘Unangenehmes hinnehmen, ohne sich aufzulehnen, erdulden’, mhd. ertragen ‘vertragen, ertragen’, im 16. Jh. in der heute veralteten Bedeutung ‘einbringen, Nutzen abwerfen’; dazu rückgebildet Ertrag m. ‘bestimmte Menge erzeugter Güter (besonders in der Landwirtschaft), Ausbeute, finanzieller Gewinn’ (16. Jh.); erträglich Adj. ‘so beschaffen, daß es sich ertragen läßt’, unerträglich Adj. (beide 16. Jh.). vertragen Vb. ‘(körperlich, psychisch) ohne Schaden aushalten’, reflexiv ‘gut zusammenpassen, miteinander auskommen’, ahd. firtragan (8. Jh.), mhd. vertragen ‘wegtragen, verleiten, ertragen, erdulden, sich gefallen lassen, verschonen, aussöhnen, einen Vertrag schließen’; verträglich Adj. ‘umgänglich, friedlich, bekömmlich’, mhd. vertregelich, vertragelich, eigentlich ‘erträglich’, vgl. ahd. unfirtragantlīh ‘unerträglich’ (11. Jh.), mhd. und frühnhd. vereinzelt noch vertragenlich. Vertrag m. ‘rechtsgültige Vereinbarung, Abmachung zwischen zwei oder mehreren Partnern, Kontrakt’, mhd. vertrac ‘Vereinbarung, Verträglichkeit, Dauer, Gewinn’; vertraglich Adj. ‘durch Vertrag festgelegt, gemäß dem Vertrag’ (Ende 19. Jh.), zuerst Adverb. vortragen Vb. ‘nach vorn tragen, (zum Essen) vorsetzen’, ahd. furitragan, mhd. vür-, vortragen, mnd. vordragen, -dregen, ‘in Worten vorbringen, darlegen’ (14. Jh.). Vortrag m. ‘mündliche Darlegung, Rede’ (um 1500). zutragen Vb. ‘etw. zu jmdm. hinbringen, (heimlich) hinterbringen, mitteilen’, reflexiv ‘sich ereignen, geschehen’ (15. Jh.), ahd. zuotragan ‘herbeibringen’ (um 1000); Zuträger m. ‘wer anderen (heimlich) Nachrichten zuträgt’ (15. Jh.); zuträglich Adj. ‘die Gesundheit fördernd, bekömmlich, förderlich, nützlich’ (16. Jh.), zum Verb zutragen in der veralteten Bedeutung ‘nützen’ bzw. zum heute unüblichen Substantiv Zutrag ‘Nutzen’.

Thesaurus

Synonymgruppe
aushalten · vertragen  ●  ↗abkönnen  ugs. · ↗verknusen  ugs.
Assoziationen
  • (etwas / jemand) verträgt (...) · ...tolerant
Synonymgruppe
(sich) aussöhnen · ↗(sich) versöhnen · (sich) vertragen · Frieden schließen · einen Streit beilegen  ●  (das) Kriegsbeil begraben  fig. · (die) Friedenspfeife rauchen  fig.
Assoziationen

Typische Verbindungen
computergeneriert

Alkohol Anstrich Aufschub Dauer Dosis Frost Hitze Klima Kälte Magen Milch Nässe Pille Selbstverständnis Stoß Temperatur Trockenheit Wahrheit Zuladung bestens durchaus ihr keinerlei miteinander nicht problemlos schlecht viel wieviel überhaupt

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›vertragen‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Wie viel Beach verträgt unsere ja nicht immer sonnige Stadt?
Bild, 04.05.2004
Man hat sich nicht gut vertragen, aber man gehörte doch zusammen, irgendwie.
Der Tagesspiegel, 23.06.1998
Auch eine Frau verträgt gewalttätige Nähe um so besser, je gesünder sie ist.
Spoerl, Alexander: Mit der Kamera auf du, München: Piper 1957, S. 198
Sie vertragen sich schlecht, und ihre Frauen vertragen sich gar nicht.
Klemperer, Victor: [Tagebuch] 1942. In: ders., Ich will Zeugnis ablegen bis zum letzten, Berlin: Aufbau-Taschenbuch-Verl. 1999 [1942], S. 234
Mit ihnen hat sich die entgegengesetzte Tat auch noch immer gut vertragen.
Baeck, Leo: Das Wesen des Judentums, Frankfurt a. M.: Kauffmann 1932 [1905], S. 45
Zitationshilfe
„vertragen“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/vertragen>, abgerufen am 23.08.2019.

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