vertraut

Grammatikpartizipiales Adjektiv
Aussprache
Worttrennungver-traut
Grundformvertrauen
Wortbildung mit ›vertraut‹ als Letztglied: ↗altvertraut  ·  mit ›vertraut‹ als Grundform: ↗Vertraute · ↗Vertrautheit
eWDG, 1977

Bedeutungen

1.
eng befreundet, vertraulich, intim
Beispiele:
sie hatte mehrere Jahre hindurch sehr vertraut mit ihm gelebt
er hatte vertrauten Umgang (= Liebesbeziehungen) mit dem Mädchen
wir waren schon ein wenig vertraut miteinander geworden (= wir hatten uns schon ein wenig miteinander befreundet)
mit jmdm. auf vertrautem Fuße leben, stehen, verkehren (= mit jmdm. eng befreundet sein)
sie waren meine vertrautesten Freunde
ein enger Vertrauter des Präsidenten
er hatte das im vertrauten Bekanntenkreis gesagt
wir waren im vertrauten Gespräch vertieft, hatten eine vertraute Aussprache miteinander
sie sprach ihn mit dem vertrauten ›Du‹ an
2.
jmdn., sich mit etw. vertraut machenjmdn. gründlich in etw. einführen, sich mit etw. gut bekannt machen
Beispiele:
jmdn., sich mit der Situation, den Tatsachen, den technischen Einzelheiten vertraut machen
mit der Materie, den Spielregeln vertraut sein (= die Materie, Spielregeln gut kennen)
diese Gedanken sind mir längst vertraut
die Handschrift, das Bild, die Umgebung ist dir sicherlich vertraut
die Stimme, Mundart klang mir vertraut
nirgends war ein vertrautes Gesicht (= ein Bekannter) zu sehen
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

trauen · Traute · Trauung · Trauring · Trauzeuge · betrauen · vertrauen · vertraut · Vertrauen · vertraulich · anvertrauen · zutrauen · Zutrauen · zutraulich
trauen Vb. ‘keine Vorbehalte, kein Mißtrauen haben, Glauben schenken, ehelich verbinden, verheiraten’, reflexiv ‘wagen, etw. zu tun, den Mut zu etw. haben’, ahd. trū(w)ēn ‘(ver)trauen, glauben, hoffen, zutrauen’ (um 900; vgl. fir-, gitrū(w)ēn, um 800), mhd. trūwen ‘Zuversicht haben, hoffen, glauben, trauen, sich getrauen, (an)vertrauen, ehelich verloben, (an)trauen’ (daneben mit ungeklärtem Umlaut mhd. triuwen, nhd. treuen bis 16./17. Jh.), asächs. trūon ‘vertrauen’, mnd. trūwen ‘(ver)trauen, ehelich verbinden’, mnl. betrūwen ‘vertrauen’, aengl. trūwian (daneben trēowian als Ableitung von trēow f.), engl. (älter) to trow, anord. trūa ‘vertrauen, glauben’, schwed. tro ‘glauben, trauen’, ablautend got. trauan ‘(ver)trauen’. Das gemeingerm., teilweise intervokalisches w aufweisende Verb ist gebildet zu den Ablautformen ie. *drū- bzw. (für das Got.) *drōu̯- der unter ↗treu (s. d.) genannten Wurzel, zeigt also ähnliche Lautformen und Lautentwicklungen wie ↗bauen (s. d.). Die Ausgangsbedeutung ist ‘fest, treu (in seinem Verhalten, seiner Meinung) sein’. Aus im Ahd. und Mhd. geläufigem ‘glauben, hoffen, zutrauen’ entwickelt sich ‘vertrauen, Glauben schenken’; ‘zuversichtlich hoffen’ geht bei reflexivem Gebrauch über zu ‘wagen, riskieren’ (16. Jh.). Seit dem 13. Jh. steht trauen für ‘ehelich verbinden’, d. h. ‘dem Manne zur Frau geben’, eigentlich ‘anvertrauen’. Zu sich trauen ‘den Mut zu etw. haben’ die umgangsprachliche Abstraktbildung Traute f. ‘Mut’ (berlin., Ende 19. Jh.). Trauung f. ‘Eheschließung’ (2. Hälfte 16. Jh.), mnd. trūwinge (um 1420); vgl. spätmhd. trūunge ‘Vertrauen’. Trauring m. (16. Jh.). Trauzeuge m. (Ende 18. Jh.). betrauen Vb. ‘jmdm. die Ausführung und Angelegenheit vertrauensvoll übertragen’ (17. Jh.), älter ‘vertrauen’, auch ‘sich verloben, heiraten’ (16. Jh.). vertrauen Vb. ‘sich worauf verlassen, fest glauben’, älter ‘anvertrauen’, ahd. firtrū(w)ēn (um 800), mhd. vertrūwen, vertriuwen ‘(ver)trauen, anvertrauen, versprechen, geloben, (sich) verloben oder vermählen, kirchlich trauen’; vertraut Part.adj. ‘beherzt, zuversichtlich, zuverlässig’ (16. Jh.), ‘eng befreundet, gut bekannt’ (17. Jh.); Vertrauen n. ‘fester Glaube an jmds. Zuverlässigkeit und Treue, Zuversicht’ (15. Jh.); vertraulich Adj. ‘nicht für die Allgemeinheit bestimmt, offenherzig, vertraut’ (16. Jh.). anvertrauen Vb. ‘vertrauensvoll übergeben, in Obhut geben, vertraulich, im geheimen mitteilen’, reflexiv ‘sich vertrauensvoll an jmdn. wenden’ (16. Jh.), zuerst im Sinne von ‘zutrauen, vertrauen’. zutrauen Vb. ‘von jmdm. glauben, daß er die Fähigkeiten, Eigenschaften für etw. besitzt’ (16. Jh.), früher auch ‘anvertrauen’; Zutrauen n. ‘Glaube an jmds. Fähigkeiten und Zuverlässigkeit’ (18. Jh.); zutraulich Adj. ‘voller Zutrauen, vertrauend’ (18. Jh.).

Thesaurus

Synonymgruppe
allgemein bekannt · ↗alltäglich · an der Tagesordnung · gang und gäbe · ↗geläufig · ↗gewohnt · ↗gängig · vertraut  ●  plain vanilla  engl. · sattsam bekannt  floskelhaft
Assoziationen
  • (wird) gern gekauft · (wird) viel gekauft · begehrt · ↗beliebt · ↗gefragt · ↗gesucht · gut eingeführt · in jemandes Gunst (stehen) · nachgefragt · ↗populär
  • gewohnt · nicht ohne · nie ohne  ●  ↗Markenzeichen  ugs., fig. · ↗notorisch  ugs., ironisch · ↗obligatorisch  ugs., ironisch · ↗unvermeidlich  ugs., ironisch
  • alte, langweilige Geschichte  ●  Schnee von gestern  ugs., fig. · alter Hut  ugs., fig. · kalter Kaffee  ugs., fig. · nichts Neues  ugs. · olle Kamellen  ugs., fig., rheinisch
Synonymgruppe
bekannt · ↗familiär · traut · vertraut

Typische Verbindungen
computergeneriert

Anblick Banker Fremde Geruch Geräusch Gesicht Klang Kreis Melodie Milieu Muster Person Ritual Terrain Umfeld Umgang Umgebung anmuten bestens durchaus einigermaßen fremd her irgendwie klingen längst machen scheinbar vorkommen wenig

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›vertraut‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Für die Dauer des Lachens sind die Gäste der Bar miteinander vertraut.
Genazino, Wilhelm: Die Liebesblödigkeit, München, Wien: Carl Hanser Verlag 2005, S. 85
Jetzt vernahm sie die deutschen Worte zwar, aber sie waren ihr nicht vertrauter als Russisch.
Die Zeit, 23.08.2004, Nr. 34
Er hatte ihr vertraut, sie wollten immer zusammen bleiben, ein Leben lang.
Bild, 12.07.2003
Man muß Ihnen aber doch sehr vertraut haben, wenn man Sie mit einem Kilo Heroin losgeschickt hat.
Der Spiegel, 07.11.1988
Fast alle Briefe sind in einem vertrauten Ton geschrieben, von Frau zu Frau.
Schwarzer, Alice: Der »kleine Unterschied« und seine großen Folgen, Frankfurt a. M.: Fischer-Taschenbuch-Verl. 1977 [1975], S. 241
Zitationshilfe
„vertraut“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/vertraut>, abgerufen am 17.11.2019.

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