vertreiben

Grammatik Verb · vertreibt, vertrieb, hat vertrieben
Aussprache 
Worttrennung ver-trei-ben
Wortzerlegung ver- treiben
Wortbildung  mit ›vertreiben‹ als Erstglied: Vertreiber · Vertreibung  ·  mit ›vertreiben‹ als Grundform: Vertrieb  ·  formal verwandt mit: Vertriebene · Zeitvertreib

Bedeutungsübersicht+

  1. 1. jmdn., etw. verjagen, verscheuchen, verdrängen
    1. a) ⟨jmdn., etw. von seinem Platz vertreiben⟩ jmdn., etw. zum Verlassen seines Platzes zwingen
    2. b) [übertragen] ...
  2. 2. etw. feilbieten, (im großen) verkaufen
eWDG

Bedeutungen

1.
jmdn., etw. verjagen, verscheuchen, verdrängen
a)
jmdn., etw. von seinem Platz vertreibenjmdn., etw. zum Verlassen seines Platzes zwingen
Beispiele:
jmdn. aus der Wohnung, von Haus und Hof vertreiben
die Soldaten haben den Feind, die Besatzer aus dem Land vertrieben
die wegen ihrer politischen Einstellung, ihrer Religion aus der Heimat vertriebenen Menschen
die Fliegen, Mücken vertreiben
der Wind hat die Wolken, der Regen hat den Sonnenschein vertrieben
ich wollte dich nicht von deinem Platz vertreiben (= du hättest meinetwegen deinen Platz nicht zu verlassen brauchen)
ich habe Sie hoffentlich nicht von Ihrem Platz vertrieben? (= ich habe hoffentlich nicht Ihren Platz eingenommen?)
b)
übertragen
Beispiele:
Kaffee vertreibt die Müdigkeit
womit kann ich dir deine Sorgen, deinen Kummer, Ärger, deine schlechte Laune vertreiben?
jmdm. die Grillen vertreiben
ich muss mir den Schlaf vertreiben
jmdm., sich [Dativ] mit etw. die Zeit vertreibenjmdm., sich mit etw. die Zeit verkürzen, jmdn., sich mit etw. eine bestimmte Zeitspanne unterhalten
Beispiele:
ich werde dir schon die Zeit mit Vorlesen vertreiben
sich mit Musik die Zeit vertreiben
2.
etw. feilbieten, (im großen) verkaufen
Beispiele:
dieses Präparat wird nur in Apotheken vertrieben
die Waren zu einem sehr billigen Preis vertreiben
von dieser Broschüre wurden 10 000 Exemplare vertrieben
er hat Zeitungen, Zeitschriften vertrieben
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

treiben · Treiben · Treiber · Treibeis · Treibjagd · abtreiben · abgetrieben · Abtreibung · antreiben · Antreiber · Antrieb · auftreiben · Auftrieb · vertreiben · Vertrieb
treiben Vb. ‘vorwärtsbewegen, fortjagen, sich mit etw. beschäftigen’, ahd. trīban (8. Jh.), mhd. trīben, asächs. drīƀan, mnd. mnl. drīven, nl. drijven, aengl. drīfan, engl. to drive, anord. drīfa, schwed. driva, got. dreiban (germ. *dreiban) sowie die unter Trieb und Trift (s. d.) behandelten Substantive lassen sich lediglich vergleichen mit lit. drìbti ‘in Flocken niederfallen, schlaff, schlapp werden’ (vgl. anord. drif, drīfa, drīft, dript ‘Schneegestöber’). Ob ein daraufhin angenommenes ie. *dhreibh- ‘treiben, stoßen’ an die unter Treber, Trester, trübe (s. d.) genannte Wurzel ie. *dher(ə)- ‘trüber Bodensatz einer Flüssigkeit, Schmutz’, auch ‘matschiges Wetter’, angeschlossen werden kann, ist ungewiß. Treiben n. ‘geschäftiges Tun, Treibjagd’ (18. Jh.). Treiber m. ‘wer bei der Treibjagd den Schützen das Wild zutreibt, wer ein (Arbeits-, Last)tier führt, Vieh (auf die Weide) treibt, Antreiber’, ahd. trībāri (11. Jh.), mhd. trīber, mnd. drīver; als Jagdausdruck seit dem 17. Jh. Treibeis n. ‘auf Gewässern treibende Eisschollen’ (Anfang 18. Jh.). Treibjagd f. (18. Jh.). abtreiben Vb. ‘in eine andere (nicht gewünschte) Richtung bringen, vom Kurs abkommen, eine Schwangerschaft abbrechen, Vieh mit sich forttreiben’, ahd. abatrīban (Hs. 12. Jh.), mhd. abetrīben ‘ver-, forttreiben’; veraltet ist heute die Bedeutung ‘abhetzen, durch Treiben erschöpfen’ (seit Anfang 16. Jh.), erhalten in abgetrieben Part.adj. ‘abgehetzt, erschöpft, kraftlos’, häufig von Zug-, Reittieren (16. Jh.); Abtreibung f. ‘Schwangerschaftsabbruch’ (Anfang 16. Jh.). antreiben Vb. ‘(ein Tier) vorwärtstreiben, jmdn. zu größeren Leistungen, zur Eile drängen, anschwemmen, künstlich zum Treiben bringen’, mhd. anetrīben ‘tun, anstiften, ausüben, fortsetzen’; Antreiber m. ‘wer andere (zur Arbeit) antreibt’ (15. Jh.); Antrieb m. ‘Anstoß, Anreiz, Beweggrund’, in der Technik ‘die einer technischen Vorrichtung zugeführte Bewegungsenergie, Teil einer Maschine, die diese Energie liefert oder überträgt’ (16. Jh.). auftreiben Vb. ‘in die Höhe treiben, aus der Ruhe aufscheuchen, aufblähen, Vieh zum Verkauf auf den Markt bringen, ausfindig machen’, ahd. ūftrīban ‘erhöhen, (eine Fähre) stromaufwärts treiben’ (11. Jh.), mhd. ūftrīben ‘emportreiben, errichten, erbauen, beunruhigen, auferlegen, sich erheben’; Auftrieb m. in der Physik ‘der Schwerkraft entgegengesetzte Kraft, Aufwärtsdruck’, übertragen ‘(Auf)schwung, Elan, Schaffenskraft’ (19. Jh.). vertreiben Vb. ‘verjagen, (Zeit) verkürzen, kurzweilig gestalten, Waren (im großen) verkaufen’, ahd. firtrīban ‘vertreiben, verstoßen, entfernen’ (8. Jh.), mhd. vertrīben; Vertrieb m. ‘Verkauf von Waren’ (16. Jh.), ‘Abteilung eines Betriebes, die die Bestellung und Auslieferung der Waren besorgt’ (20. Jh.).

Thesaurus

Synonymgruppe
ins Exil schicken · verbannen · vertreiben
Synonymgruppe
absetzen · abstoßen · abverkaufen · an den Mann bringen · losschlagen · vermarkten · vertreiben · veräußern  ●  verkaufen  Hauptform · (jemandem) unterjubeln  ugs., salopp · abgeben  ugs. · an die Frau bringen  ugs., gendergerecht · loswerden (an)  ugs., salopp · raushauen  ugs., salopp · verhökern  ugs., salopp · verklopfen  ugs. · verkloppen  ugs., salopp · verramschen  ugs., negativ · verschachern  ugs., negativ · verscheppern  ugs., salopp · verscherbeln  ugs., salopp · verscheuern  ugs., salopp · versilbern  ugs. · verticken  ugs., salopp · vertickern  ugs.
Synonymgruppe
(bei jemandem jemanden) vertreiben · (jemandem jemanden) austreiben · (jemanden) exorzieren
Synonymgruppe
(jemanden aus etwas) jagen · (jemanden) in die Flucht schlagen · (jemanden) verjagen · (jemanden) vertreiben · (jemanden) wegjagen · davonjagen · fortjagen · verscheuchen  ●  wegbeißen  fig. · mit einem Fußtritt vor die Tür jagen  derb, variabel · schassen  ugs. · wegjagen wie einen räudigen Hund  derb, Jargon, variabel · zum Teufel jagen  ugs.
Assoziationen
Synonymgruppe
(aggressiv) vertreiben  ●  (Konkurrenten) verbeißen  auch figurativ · wegbeißen  auch figurativ

Typische Verbindungen zu ›vertreiben‹ (berechnet)

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›vertreiben‹.

Verwendungsbeispiele für ›vertreiben‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Die neue Regierung werde die von ihren Höfen vertriebenen Bauern wieder ansiedeln. [Archiv der Gegenwart, 2001 [1985]]
Die aus diesem Gebiet vertriebenen Deutschen kehren zur Erfüllung ihrer Abstimmung zurück. [Archiv der Gegenwart, 2001 [1941]]
Sie hatte mich aus dem Saal vertrieben und das war gut so. [Kerner, Charlotte: Blueprint Blaupause, Weinheim: Beltz & Gelberg 1999, S. 94]
Wann haben sie euch eigentlich aus dem lieblichen Frankreich vertrieben? [Fries, Fritz Rudolf: Der Weg nach Oobliadooh, Frankfurt a. M.: Suhrkamp 1966, S. 17]
Die aus diesem Gebiet vertriebenen Deutschen kehren zur Erfüllung Ihrer Abstimmung zurück. [Archiv der Gegenwart, 2001 [1939]]
Zitationshilfe
„vertreiben“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/vertreiben>.

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