verwahren

Grammatik Verb
Aussprache 
Worttrennung ver-wah-ren
Wortzerlegung ver-wahren
Wortbildung  mit ›verwahren‹ als Erstglied: ↗Verwahranstalt · ↗Verwahrer · ↗Verwahrgebühr · ↗Verwahrraum · ↗Verwahrstück · ↗Verwahrung
 ·  formal verwandt mit: ↗Verwahrsam · ↗unverwahrt · ↗wohl verwahrt · ↗wohlverwahrt
eWDG

Bedeutungen

1.
etw. (sicher) aufbewahren
Beispiele:
etw. im Schrank, Schreibtisch, Keller, in seiner Brieftasche verwahren
Geld, wichtige Papiere, Urkunden in einem Safe verwahren
er hat das Buch für ihn verwahrt
einen Koffer verwahren
etw. streng, wohl, sorgfältig verwahren
etw. als Andenken, im Gedächtnis verwahren
veraltendjmdn. verwahren (= jmdn. gefangenhalten)
veraltet etw. schließen, durch Verschließen sichern
Beispiele:
die Türen sind genügend, mit starken Riegeln verwahrt
Der Zugwind, der durch das schlecht verwahrte Fenster zischte [ RaabeHungerpastorI 1,525]
2.
sich (gegen etw.) verwahren(gegen etw.) Widerspruch erheben, protestieren
Beispiele:
sich energisch, entschieden, mit Nachdruck, voller Entrüstung gegen etw. verwahren
sich gegen einen Vorwurf, eine Beschuldigung, Verdächtigung, Beschimpfung, gegen übertriebenes Lob verwahren
»das stimmt nicht«, verwahrte sie sich
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

wahren · bewahren · verwahren · Wahrzeichen
wahren Vb. ‘in acht nehmen, hüten, schützen, (einen Zustand) aufrechterhalten’, ahd. warōn (9. Jh.), mhd. war(e)n ‘aufmerken, achten, beachten’, asächs. waron ‘achthaben, beachten, behüten’, mnd. mnl. wāren, aengl. warian, auch ‘warnen’, anord. vara ‘warnen, wahren, gedenken’, norw. vare ‘aufbewahren, aufheben’ ist im Sinne von ‘unter seine Aufmerksamkeit, Obhut nehmen’ von einem in ahd. wara (in wara neman, 10. Jh., wara tuon, um 1000), mhd. war(e) f. ‘Wahrnehmung, Beobachtung, Aufmerksamkeit, Obhut’, asächs. wara ‘Schutz, Aufmerksamkeit’, mnd. wāre, wār, mnl. wāre, aengl. waru, anord. vari belegten Substantiv (germ. *warō f.) abgeleitet. Dieses ist mit den unter ↗gewahr (s. d.) angeführten Formen verwandt, außergerm. mit griech. horā́n (ὁρᾶν, aus *ϝορᾶ-) ‘schauen, aufmerksam sein, betrachten, sehen’, (dehnstufig) ṓra (ὤρα, aus *ϝώρα) ‘Hut, Sorge’, lat. verērī ‘ängstlich beobachten, verehren, fürchten’, air. cō(a)ir ‘passend, richtig’. Zugrunde liegt eine Wurzel ie. *u̯er(e)- ‘achten, gewahren’ (s. auch ↗wahr). Das oben genannte Substantiv ist in die Zusammensetzungen ↗wahrnehmen und ↗verwahrlosen (s. d.) eingegangen. Das Simplex verstärkend bewahren Vb. ‘in Obhut nehmen, erhalten, schützen, behüten’, ahd. biwarōn, mhd. bewarn; verwahren Vb. ‘für etw. sorgen, etw. sichern, behüten, in Bewachung, in Obhut nehmen’, frühnhd. verwaren (15. Jh.). Wahrzeichen n. ‘Merkmal, Kennzeichen’, mhd. warzeichen, gebildet zu ahd. wara f., mhd. war(e) ‘Wahrnehmung, Beobachtung, Aufmerksamkeit’ (s. oben), also ‘Zeichen, das Aufmerksamkeit erregt oder verlangt’. Voraus geht ahd. wortzeihhan ‘(An)zeichen, Beweis’ (um 1000), asächs. wordtēkan, mhd. wortzeichen ‘Zeichen, das ein Wort vertritt oder in Worten gegeben wird, Kennzeichen, Merkmal, Parole’, eigentlich ‘in Stäbchen geritztes Runenzeichen, Buchstabe’, dann auch ‘Merkmal’. Wahrzeichen wird vielleicht über Epiker wie Heinrich v. Veldeke oder Eilhart v. Oberge aus dem Nd. ins Hd. aufgenommen, vgl. mnd. wārtēken (woraus möglicherweise anord. jarteikn ‘Wahrzeichen, Wunder’).

Thesaurus

Synonymgruppe
aufbewahren · ↗aufheben · ↗behalten · ↗bewahren · ↗erhalten · in Verwahrung nehmen · ↗konservieren · ↗lagern · verwahren  ●  ↗asservieren  geh. · nicht wegschmeißen  ugs. · nicht wegwerfen  ugs.
Assoziationen
  • achten und bewahren · gut achtgeben auf · hüten wie seinen Augapfel · in Ehren halten · nicht weggeben  ●  (ein) Auge haben (auf)  fig.
  • (für) Zeiten der Not  ●  (für) schlechte Zeiten  ugs.
  • Dörrbirne  ●  ↗Hutze  alemannisch · Hutzle  alemannisch · ↗Kletze  bayr., österr.
Synonymgruppe
(sich etwas) verbitten · (sich gegen etwas) verwahren
Synonymgruppe
(sich) verwahren (gegen) · Einspruch erheben · ↗ableugnen · ↗anfechten · ↗bestreiten · ↗dementieren · für nicht zutreffend erklären · in Abrede stellen · ↗leugnen · nicht anerkennen · nicht wahrhaben wollen · ↗verneinen · ↗verweigern · von der Hand weisen · von sich weisen · ↗widersprechen  ●  ↗(in aller Schärfe) zurückweisen  Verstärkung · ↗abstreiten  Hauptform · nicht gesagt haben wollen  variabel · (sich) distanzieren (von)  geh. · ↗desavouieren  geh., franz. · in das Reich der Fabel verweisen  geh. · ↗nichts (mehr) wissen wollen (von)  ugs.
Assoziationen

Typische Verbindungen zu ›verwahren‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›verwahren‹.

Verwendungsbeispiele für ›verwahren‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Während zahlreiche deutsche Kulturgüter in Polen noch existieren, sind nur recht wenige wertvolle Stücke aus polnischem Besitz hier zu Lande verwahrt.
Die Welt, 12.12.2000
Wir verwahren uns grundsätzlich gegen eine Diskussion um lebensunwertes Leben.
Der Tagesspiegel, 24.05.2000
Ich habe mich dagegen verwahrt in einer nach meiner Überzeugung mindestens ebenso parlamentarischen Form.
Friedländer, Hugo: Der Königliche Hof- und Domprediger Adolf Stöcker in dem Beleidigungsprozeß wider den Redakteur Heinrich Bäcker als Zeuge. In: ders., Interessante Kriminal-Prozesse, Berlin: Directmedia Publ. 2001 [1921], S. 7942
Ich muß mich daher nochmals dagegen verwahren, daß jemand ihr zumutete, die Augen niederzuschlagen.
Spitteler, Carl: Imago, Jena: Diederichs 1910 [1910], S. 37
Als die Aufzeichnungen eintrafen, ließ ich sie umgehend registrieren und sicher verwahren.
Ardenne, Manfred v.: Ein glückliches Leben für Technik und Forschung: Berlin: Verlag der Nation 1976, S. 122
Zitationshilfe
„verwahren“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/verwahren>, abgerufen am 23.02.2021.

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