Der deutsche Wortschatz von 1600 bis heute.

verwahrlosen

Grammatik Verb · verwahrlost, verwahrloste, ist verwahrlost
Aussprache 
Worttrennung ver-wahr-lo-sen
Wortbildung  mit ›verwahrlosen‹ als Erstglied: Verwahrlosung  ·  mit ›verwahrlosen‹ als Grundform: verwahrlost
eWDG

Bedeutung

unordentlich werden, nicht (mehr) gepflegt werden
Beispiele:
seine Wohnung, ein Gebäude verwahrlosen lassen
ein verwahrloster Garten
sein Äußeres ist (ganz) verwahrlost
verwahrloste Kleidung
herunterkommen
Beispiele:
der Jugendliche war damals in der Großstadt verwahrlost
sittlich verwahrlosen
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

verwahrlosen · Verwahrlosung
verwahrlosen Vb. ‘in einen unordentlichen Zustand geraten, herunterkommen, verkommen’. Das nur im Dt. und Nl. begegnende, ursprünglich transitive Verb mhd. verwarlōsen ‘unachtsam behandeln oder betreiben, vernachlässigen, beflecken’, mnd. vorwārlōsen, mnl. verwaerlōsen, nl. verwaarlozen ist gebildet zum Adjektiv spätmhd. warlōs ‘nicht beachtet, nicht wahrgenommen, unbewußt’ (vgl. spätmhd. warlœse, warlōse ‘Achtlosigkeit, Verwahrlosung’, mhd. warlōsecheit ‘Unachtsamkeit’), mnd. wārlōs, mnl. waerloos. Es handelt sich um Bildungen zu ahd. wara f. (10. Jh.), mhd. war(e) ‘Wahrnehmung, Beobachtung, Aufmerksamkeit, Obhut’, mnd. wāre, wār, mnl. wāre (s. wahren), so daß für das angeführte Verb von einer Bedeutung ‘nicht in Obhut nehmen’ auszugehen ist. Der heute übliche intransitive Gebrauch von verwahrlosen kommt im 16. Jh. auf. – Verwahrlosung f. (Anfang 16. Jh.).

Thesaurus

Synonymgruppe
Sozialfall werden · abgewirtschaftet haben · sozial absteigen · verelenden · vergammeln · verkommen · verlottern · verwahrlosen  ●  herunterkommen (Person)  Hauptform · in der Gosse enden  fig. · in der Gosse landen  fig. · tief sinken  fig. · unter die Räder kommen  fig. · auf den Hund kommen  ugs. · ganz unten ankommen  ugs., fig. · herumsumpfen  ugs. · runterkommen  ugs. · versacken  ugs. · verschlampen  ugs. · versumpfen  ugs., fig.
Assoziationen

Typische Verbindungen zu ›verwahrlosen‹ (berechnet)

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›verwahrlosen‹.

Verwendungsbeispiele für ›verwahrlosen‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Er ist verwahrlost, weil er unfähig ist, sich selbst wahrzunehmen. [Die Zeit, 16.11.2009, Nr. 46]
Unterdessen verwahrloste das fast 100 Jahre alte Haus immer mehr. [Die Zeit, 24.04.1987, Nr. 18]
Sie war bloß völlig verwahrlost, weil sich keiner um sie gekümmert hatte. [Süddeutsche Zeitung, 01.03.2002]
Das Kind wirkt stark verwahrlost, alles deutet auf einen unnatürlichen Tod hin. [Bild, 02.07.2004]
Ja, drüben in der Ecke, zerstreut und unbehaglich, saß ein einsamer Herr, verwahrlost angezogen. [Feuchtwanger, Lion: Erfolg. In: ders., Gesammelte Werke in Einzelbänden, Bd. 6, Berlin: Aufbau-Verl. 1993 [1930], S. 601]
Zitationshilfe
„verwahrlosen“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/verwahrlosen>.

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