verwahrlosen

GrammatikVerb · verwahrlost, verwahrloste, ist verwahrlost
Aussprache
Worttrennungver-wahr-lo-sen
Wortbildung mit ›verwahrlosen‹ als Erstglied: ↗Verwahrlosung
eWDG, 1977

Bedeutung

unordentlich werden, nicht (mehr) gepflegt werden
Beispiele:
seine Wohnung, ein Gebäude verwahrlosen lassen
ein verwahrloster Garten
sein Äußeres ist (ganz) verwahrlost
verwahrloste Kleidung
herunterkommen
Beispiele:
der Jugendliche war damals in der Großstadt verwahrlost
sittlich verwahrlosen
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

verwahrlosen · Verwahrlosung
verwahrlosen Vb. ‘in einen unordentlichen Zustand geraten, herunterkommen, verkommen’. Das nur im Dt. und Nl. begegnende, ursprünglich transitive Verb mhd. verwarlōsen ‘unachtsam behandeln oder betreiben, vernachlässigen, beflecken’, mnd. vorwārlōsen, mnl. verwaerlōsen, nl. verwaarlozen ist gebildet zum Adjektiv spätmhd. warlōs ‘nicht beachtet, nicht wahrgenommen, unbewußt’ (vgl. spätmhd. warlœse, warlōse ‘Achtlosigkeit, Verwahrlosung’, mhd. warlōsecheit ‘Unachtsamkeit’), mnd. wārlōs, mnl. waerloos. Es handelt sich um Bildungen zu ahd. wara f. (10. Jh.), mhd. war(e) ‘Wahrnehmung, Beobachtung, Aufmerksamkeit, Obhut’, mnd. wāre, wār, mnl. wāre (s. ↗wahren), so daß für das angeführte Verb von einer Bedeutung ‘nicht in Obhut nehmen’ auszugehen ist. Der heute übliche intransitive Gebrauch von verwahrlosen kommt im 16. Jh. auf. Verwahrlosung f. (Anfang 16. Jh.).

Thesaurus

Synonymgruppe
Sozialfall werden · abgewirtschaftet haben · sozial absteigen · ↗verelenden · ↗vergammeln · ↗verkommen · ↗verlottern · verwahrlosen  ●  ↗herunterkommen (Person)  Hauptform · in der Gosse enden  fig. · in der Gosse landen  fig. · tief sinken  fig. · unter die Räder kommen  fig. · auf den Hund kommen  ugs. · ganz unten ankommen  ugs., fig. · ↗herumsumpfen  ugs. · ↗runterkommen  ugs. · ↗versacken  ugs. · ↗verschlampen  ugs. · ↗versumpfen  ugs., fig.
Assoziationen
  • abfallen · ↗absinken · ↗abstürzen · ↗fallen · ↗niedergehen
  • ganz unten ankommen · ↗verelenden · völlig verwahrlosen · zugrunde gehen  ●  auf den Hund kommen  sprichwörtlich · vor die Hunde gehen  sprichwörtlich
  • sich gehen lassen · sich hängen lassen · sich vernachlässigen
  • abgleiten  ●  (den) Halt verlieren  fig. · ↗abdriften  fig. · ↗abrutschen  fig. · aus der Spur geraten  fig.

Typische Verbindungen
computergeneriert

Dorf Friedhof Garten Gebäude Gegend Gelände Haus Hof Jugend Kind Park Schicksal Schloß Tier Wohnung Zimmer beschädigen hausen herunterkommen mißhandeln verdrecken verkommen vernachlässigen verschmutzen völlig zunehmend zusehends

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›verwahrlosen‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Er ist verwahrlost, weil er unfähig ist, sich selbst wahrzunehmen.
Die Zeit, 16.11.2009, Nr. 46
Sie war bloß völlig verwahrlost, weil sich keiner um sie gekümmert hatte.
Süddeutsche Zeitung, 01.03.2002
Ja, drüben in der Ecke, zerstreut und unbehaglich, saß ein einsamer Herr, verwahrlost angezogen.
Feuchtwanger, Lion: Erfolg. In: ders., Gesammelte Werke in Einzelbänden, Bd. 6, Berlin: Aufbau-Verl. 1993 [1930], S. 601
Völlig verwahrlost und verdreckt lag das zitternde, in sich verkrümmte Kind vor ihnen.
Apitz, Bruno: Nackt unter Wölfen, Reinbek bei Hamburg: Rowohlt 1961 [1958], S. 342
Zitationshilfe
„verwahrlosen“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/verwahrlosen>, abgerufen am 07.12.2019.

Weitere Informationen …

alphabetisch vorangehend alphabetisch nachfolgend
Verwahrgebühr
Verwahrfund
Verwahrer
verwahren
Verwahranstalt
Verwahrloste
Verwahrlosung
Verwahrraum
Verwahrsam
Verwahrstück