verweilen

GrammatikVerb
Aussprache
Worttrennungver-wei-len (computergeneriert)
Wortbildung mit ›verweilen‹ als Erstglied: ↗Verweildauer · ↗Verweilzeit
eWDG, 1977

Bedeutung

irgendwo (für eine gewisse Zeit) bleiben, sich aufhalten
Beispiele:
sie verweilte längere Zeit an seinem Krankenbett
sie stiegen den Berg hinauf und verweilten auf dem Gipfel
er bat sie, einen Augenblick, eine kurze Zeit zu verweilen
er verweilte eine halbe Stunde
jmdn. zum Verweilen auffordern
die Bank im Schatten lädt zum Verweilen ein
Werd ich zum Augenblicke sagen: / Verweile doch! du bist so schön! [GoetheFaustI 1700]
bildlich
Beispiel:
sein Blick verweilte auf ihrem Gesicht, auf dem Gemälde
übertragen
Beispiele:
sie verweilten einige Zeit in angeregtem Gespräch
in seinem Bericht verweilte er länger bei diesem Ereignis (= beschäftigte er sich länger mit diesem Ereignis)
sich verweilensich aufhalten
Beispiele:
er verweilte sich nur kurz
zu lange hatte er sich schon in dieser Stadt verweilt
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Weile · weilen · verweilen
Weile f. ‘kurzer oder unbestimmter Zeitraum’, ahd. (h)wīla (8. Jh.), mhd. wīl(e) ‘Zeit(raum), Zeitpunkt, Stunde’, asächs. hwīl(a) ‘Zeit(raum)’, mnd. mnl. wīle, aengl. hwīl, engl. while, got. ƕeila ‘Weile, Zeit, Stunde’, anord. hvīla ‘Ruhestätte, Bett’, schwed. vila ‘Ruhe’ (germ. *hwīlō) sind Bildungen mit l-Suffix wie verwandtes lat. tranquillus (aus *-k‐ͧilnos) ‘ruhig, still’, aind. (fraglich) ciráḥ ‘lang(während)’ zur Wurzel ie. *u̯ei̯(ə)-, *ku̯ii̯ē- ‘behaglich ruhen’, wozu sich auch lat. quiēs ‘Ruhe, Schlaf, Friede’, aslaw. pokojь, russ. pokój (покой) ‘Ruhe’ stellen. Die heute geltende Bedeutung entwickelt sich aus ‘Ruhe, Rast, Pause’. Sprichwörtlich gut Ding muß Weile (‘Zeit, keine Hast, keine Überstürzung’) haben (16. Jh.), gůt ding můß haben weile (15. Jh.); eile mit Weile (‘mit Eile, aber überlegt, nicht überstürzt’, 16. Jh.). weilen Vb. ‘sich aufhalten, (an einem Ort) sein’, ahd. (h)wīlōn (um 800), mhd. wīlen. verweilen Vb. ‘sich (lange) aufhalten, bleiben’, auch ‘säumen’, mhd. verwīlen ‘(ver)säumen, zubringen, sich aufhalten’.

Thesaurus

Synonymgruppe
(sich) aufhalten · Zeit verbringen · ↗bleiben · ↗herumstehen · ↗verbleiben · verweilen  ●  Wurzeln schlagen  ugs., ironisch, fig. · weilen  geh.
Unterbegriffe
  • (sich) nicht vom Fleck rühren · (sich) nicht von der Stelle bewegen · (sich) nicht wegbewegen · da bleiben, wo man ist
Assoziationen
  • (etwas) sein Zuhause nennen · (irgendwo) zu Hause sein · (sein) Zuhause haben · jemandes Zuhause sein · ↗leben  ●  ↗hausen  abwertend · ↗wohnen  Hauptform · ↗(irgendwo) hocken  ugs., salopp · ↗residieren  geh.
Synonymgruppe
(sich) zieren · ↗innehalten · ↗pausieren · ↗trödeln · verweilen · ↗zaudern · ↗zögern
Assoziationen
Synonymgruppe
harren · sich nicht (von der Stelle) rühren · ↗stehen bleiben · ↗verharren · verweilen · vor Ort bleiben · ↗warten · weilen

Typische Verbindungen
computergeneriert

Augenblick Grab Kamera Mauszeiger Pilger Schaufenster Surfer Terrasse Vorhof Weile Zeitlang allzulange andächtig ausgiebig doch dort gern gerne kurz lang lange liebevoll minutenlang nirgends schlendern schweifen schweigend spazieren stundenlang weiterziehen

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›verweilen‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Gerne würde man dabei verweilen, wäre dies alles nicht Teil einer ganz anderen Geschichte.
Süddeutsche Zeitung, 14.05.2002
Aber einen Moment müssen wir bei den Daten doch verweilen.
Engler, Wolfgang: Die Ostdeutschen, Berlin: Aufbau-Taschenbuch-Verl. 2000 [1999], S. 169
Eine Zeitlang verweile ich andächtig, den lohnenden Fund nicht aus den Augen lassend.
Die Zeit, 06.08.1971, Nr. 32
Der Arzt verweilt an diesem Abend länger wie gewöhnlich im Saal neununddreißig.
Weiß-Rüthel, Arnold: Musketier Reue. In: Kesten, Hermann (Hg.) 24 neue deutsche Erzähler, Leipzig u. a.: Kiepenheuer 1983 [1929], S. 245
Auf keinen Fall aber dürfen wir jetzt noch länger hier verweilen.
May, Karl: Winnetou IV, Berlin: Neues Leben 1993 [1910], S. 150
Zitationshilfe
„verweilen“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/verweilen>, abgerufen am 15.12.2019.

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