verweisen

GrammatikVerb · verweist, verwies, hat verwiesen
Aussprache
Worttrennungver-wei-sen
Wortzerlegungver-weisen
Wortbildung mit ›verweisen‹ als Erstglied: ↗Verweischarakter · ↗Verweisform · ↗Verweiskartei · ↗Verweispfeil · ↗Verweisung
 ·  mit ›verweisen‹ als Letztglied: ↗zurückverweisen  ·  mit ›verweisen‹ als Grundform: ↗Verweis  ·  formal verwandt mit: ↗landesverwiesen
eWDG, 1977

Bedeutungen

1.
jmdm. etw. verweisenjmdn. wegen einer Ungehörigkeit tadeln
Beispiel:
sie verwies ihm sein ungehöriges Benehmen, seine Frechheit, Unachtsamkeit
jmdm. etw. tadelnd verbieten
Beispiel:
er verwies ihr ein weiteres Eingehen auf diese Angelegenheit
jmdn. verweisenjmdn. tadeln
Beispiele:
er sagte dies verweisend, in verweisendem Ton
ein verweisender Blick
Sie verwies ihn, wenn er mit schief sitzendem Schlips zum Essen kam [RennKindheit55]
2.
jmdn. aus, von einem Ort, Gebiet verweisenjmdm. den weiteren Aufenthalt an einem Ort, in einem Gebiet untersagen, jmdn. aus einem Ort, Gebiet ausweisen
Beispiele:
jmdn. aus einem Ort, Saal, Lokal verweisen
Ballspielder Fußballspieler M wurde (vom Schiedsrichter) des Feldes, vom Feld verwiesen (= der Fußballspieler M wurde (vom Schiedsrichter) vom weiteren Spiel ausgeschlossen)
gehoben jmdn. eines Ortes, Gebietes verweisen
Beispiel:
jmdn. des Landes verweisen
3.
jmdn. auf etw. verweisenjmdn. auf etw. hinweisen
Beispiele:
ein Schild verweist auf den nächsten Parkplatz
zu diesem Problem sei auf das Buch von M verwiesen, ist auf das Buch von M zu verweisen
auf gesetzliche Bestimmungen, eine Verordnung verweisen
sie verwies (ihn) darauf, dass ...
er verweist sie auf die Möglichkeit, die Fahrkarte im Reisebüro zu kaufen
den Leser auf eine andere Seite des Buches, auf eine Abbildung verweisen
4.
jmdn. an jmd. anderen verweisenjmdm. raten, jmdn. bitten, sich an jmd. anderen zu wenden
Beispiele:
jmdn. an die zuständige Stelle, Behörde verweisen
er wurde in, wegen dieser Angelegenheit an Herrn K verwiesen
5.
Beispiele:
eine Rechtssache, den Streitfall an ein dafür zuständiges (anderes) Organ der Rechtspflege verweisen (= überweisen, übergeben)
das Amtsgericht verwies die Sache an die nächsthöhere Instanz
der Streitfall wurde an eine Schlichtungsstelle verwiesen
6.
jmdn. irgendwohin verweisenjmdn. auffordern, bitten, sich irgendwohin zu begeben
Beispiele:
er verwies sie auf ihre Arbeitsplätze
Das Mädchen verwies uns in eine Ecke des Ladens [StrittmatterPaul145]
übertragen
Beispiel:
jmdn. in die, seine Schranken verweisen (= jmdn. darauf hinweisen, dazu zwingen, dass er die ihm gesetzten Schranken einhält, beachtet)
etw. in seine Grenzen verweisen
Beispiel:
die unberechtigten Ansprüche wurden (von ihm) in ihre Grenzen verwiesen
7.
jmdn. zur Ruhe verweisenjmdn. auffordern, ruhig zu sein
Beispiele:
er wurde von den Anwesenden zur Ruhe verwiesen
die Mutter verwies das Kind zur Ruhe
jmdn. zur Ordnung verweisen (= jmdn. auffordern, sich der üblichen Ordnung gemäß zu verhalten)
8.
Sport A verwies B und C auf die PlätzeA war Sieger in einem Wettkampf vor B und C
Beispiel:
A verwies im Spezialsprunglauf B auf den zweiten und C auf den dritten Platz
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

verweisen1 · Verweis
verweisen1 Vb. ‘zum Vorwurf machen, verbieten, tadeln’, ahd. firwīʒan (8. Jh.), mhd. verwīʒen ‘strafend, tadelnd vorwerfen’, mnd. vorwīten, mnl. verwīten, nl. verwijten ‘vorwerfen’, got. fraweitan ‘rächen’ stehen als Präfixbildungen zu ahd. wīʒan (9. Jh.), mhd. wīʒen ‘bemerken, vorwerfen, (be)strafen’, asächs. aengl. wītan, mnd. mnl. wīten, nl. wijten ‘vorwerfen’, anord. vīta ‘strafen’ (germ. *weitan) neben ahd. wīʒi n. (8. Jh.), mhd. wīʒe n. f. ‘Strafe, Höllenstrafe’, asächs. wīti n., aengl. wīte, anord. vīti n. ‘Strafe’. Herkunft ungeklärt. Man verbindet allgemein diese Wortgruppe mit der Wurzel ie. *u̯eid- ‘erblicken, sehen’ (s. ↗wissen und die dort genannten Formen) und geht von der Bedeutung ‘eine Schuld wahrnehmen, bemerken’ aus, die sich zu ‘(eine Schuld) vorwerfen’ weiterentwickelt habe (ähnlich lat. animadvertere ‘seinen Sinn auf etw. richten, wahrnehmen, ahnden, rügen, strafen’). Seebold 549 schlägt dagegen Anschluß an eine Dentalerweiterung der Wurzel ie. *u̯ei-, *u̯ei̯ə- ‘gehen, auf etw. losgehen, etw. erstreben, erjagen, verfolgen’ (woraus ‘vorwerfen, strafen’) sowie ‘Weg, Reihe’ vor, wozu die unter ↗Weide (s. d.) genannten Formen. Verweis m. ‘Tadel, Rüge’, spätmhd. verwīʒ, aus dem Verb rückgebildet.

verweisen2 Vb. ‘hinweisen, aufmerksam machen, jmdn. anweisen, sich an einen anderen Ort zu begeben, verbannen’, mhd. verwīsen ‘hin-, zuweisen, irreleiten, verführen, verbannen’ (vgl. asächs. farwīsian ‘verraten’), verstärkende Präfixbildung zu dem unter ↗weisen (s. d.) behandelten Verb.

Thesaurus

Synonymgruppe
aufmerksam machen (auf) · ↗hinweisen (auf) · ↗informieren (über) · ↗sensibilisieren (für) · verweisen (auf)
Assoziationen
  • mit Hinweis auf · mit Verweis auf · unter Berufung auf · unter Bezugnahme auf · unter Verweis auf
Synonymgruppe
ausweisen · des Landes verweisen · verweisen  ●  ↗ausschaffen  schweiz.
Assoziationen
Sport
Synonymgruppe
ausschließen · die rote Karte zeigen · ↗disqualifizieren · ↗sperren · verweisen · vom Platz stellen
Assoziationen
Synonymgruppe
hinausschicken · ↗verbannen (aus)  ●  (des Raumes) verweisen  geh. · rausschicken  ugs.
Assoziationen

Typische Verbindungen
computergeneriert

Analyst Bedeutung Begründung Beispiel Erfahrung Erfolg Erklärung Händler Platz Rang Reich Schranke Sprecher Stolz Zusammenhang allerdings ausdrücklich außerdem dabei dagegen darauf er gern gerne hingegen jedoch stolz zudem zugleich zurückverweisen

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›verweisen‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Aber was dem Patienten gefällt, muss nicht unbedingt auf eine gute Versorgung verweisen.
Die Zeit, 06.07.2006, Nr. 28
Zum Verständnis dieses Satzes verweise ich auf die buddhistische Philosophie.
konkret, 1984
Ich hatte bereits auf diesen Erlaß verwiesen, jedoch nicht auf diese Stelle.
o. A.: Achtzehnter Tag. Mittwoch, 12. Dezember 1945. In: Der Nürnberger Prozeß, Berlin: Directmedia Publ. 1999 [1945], S. 17711
Es ist darauf verwiesen, seinem Dasein einen Sinn aus den Quellen des eigenen Werdens zu erarbeiten.
Plessner, Helmuth: Die verspätete Nation, Stuttgart: Kohlhammer 1962 [1935], S. 79
Da jedoch K. Lück in seinem erwähnten großen Werk diese Stellen mit ausgewertet hat, können wir darauf verweisen.
Jahresberichte für deutsche Geschichte, 1934, S. 961
Zitationshilfe
„verweisen“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/verweisen>, abgerufen am 22.11.2019.

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