Der deutsche Wortschatz von 1600 bis heute.

verwerfen

Grammatik Verb · verwirft, verwarf, hat verworfen
Aussprache  [fɛɐ̯ˈvɛʁfn̩]
Worttrennung ver-wer-fen
Wortzerlegung ver- werfen
Wortbildung  mit ›verwerfen‹ als Erstglied: Verwerfung · verwerflich  ·  mit ›verwerfen‹ als Grundform: Verwurf · verworfen
eWDG

Bedeutungen

1.
etw. ablehnen, für ungeeignet, undurchführbar, unannehmbar erklären, zurücknehmen, zurückweisen
Beispiele:
einen Vorschlag, den Plan, Entwurf, Antrag, die Auffassung, Anregung, Gedanken, den Text verwerfen
einen Einfall haben und wieder verwerfen
er glaubte, sein bisheriges Tun und Denken verwerfen zu müssen
eine Annahme, Vermutung wieder verwerfen (= aufgeben, nicht aufrechterhalten)
das Gericht hat die Berufung verworfen
eine Beschwerde verwerfen
ein Verhalten, eine Handlungsweise (als unsittlich) verwerfen
2.
von Tieren   eine Fehlgeburt haben
Beispiel:
die Kuh hat verworfen
3.
sich verwerfensich verbiegen, krümmen
Beispiele:
die Tür, das Brett, der Rahmen, das Eisenbahngleis hat sich verworfen
Geologiedie Gesteinsschichten haben sich verworfen (= gegeneinander verschoben)
4.
etw. so werfen, aufbewahren, weglegen, dass es nicht wiederzufinden ist
Beispiel:
einen Ball verwerfen
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

werfen · abwerfen · anwerfen · Anwurf · aufwerfen · auswerfen · einwerfen · überwerfen · unterwerfen · verwerfen · vorwerfen
werfen Vb. ‘mit schwingendem Arm wegschleudern’. Das gemeingerm. stark flektierende Verb ahd. werfan ‘(hinaus)werfen, austreiben, hinwerfen, schütten, schieben, (zer)streuen, reißen, stürzen’ (8. Jh.), mhd. werfen ‘in schnelle Bewegung setzen, schleudern, stoßen, streuen, rasch wenden, zur Welt bringen’, asächs. werpan, mnd. werpen, warpen, mnl. nl. werpen, afries. hwerva, aengl. weorpan, engl. to warp ‘(sich) verziehen, krümmen’ (vom Holz), anord. verpa, auch ‘Eier legen’, schwed. värpa ‘Eier legen’, got. waírpan ‘werfen’ (germ. *hwerpan) läßt sich mit griech. rhábdos (ράβδος) ‘Rute, Gerte, Stab, Streifen’, lat. verbera (Plur.) ‘Ruten zur Züchtigung, Peitsche’, lit. vir̃bas ‘Reis, Reisig, Gerte’, aslaw. vrьba, russ. vérba (верба) ‘Weide’ auf eine Labialerweiterung der Wurzel ie. *u̯er- ‘drehen, biegen’ zurückführen. Als Grundbedeutung ist ‘mit drehend geschwungenem Arm schleudern’ anzusetzen. Die Wurzelbedeutung ‘biegen’ ist noch erhalten in anord. oldri orpinn ‘vom Alter gebeugt’, engl. to warp, nhd. sich werfen ‘krumm werden, sich biegen’ (vom Holz). S. ablautendes Wurf. – abwerfen Vb. ‘hinunter-, herunterwerfen, sich einer Sache entledigen’, mhd. abewerfen, reflexiv ‘vom Pferd steigen’; dann auch ‘das Nötige zur Kostendeckung bzw. einen Gewinn einbringen’ (15. Jh.). anwerfen Vb. ‘etw. an etw. hinanwerfen, in Gang bringen’, ahd. anawerfan ‘hineinwerfen, -stoßen, bewerfen’ (8. Jh.), mhd. anewerfen ‘an einen etw. werfen, mit etw. werfen, mit etw. überziehen’; heute besonders ‘einen Motor anlassen’ (ehemals mit einer Drehbewegung durch eine Handkurbel). Anwurf m. ‘Verputz an Mauerwerk’ (16. Jh.), ‘erster, das Spiel eröffnender Ballwurf’ (Anfang 17. Jh.), übertragen ‘Vorstoß’ (vgl. einen Anwurf tun ‘einen Vorstoß, Versuch machen’, 16. Jh.), ‘Vorwurf, Beschuldigung’ (19. Jh.). aufwerfen Vb. ‘in die Höhe werfen, aufschütten’, mhd. ūfwerfen ‘in die Höhe werfen, strecken, erheben, umwenden, öffnen’, reflexiv ‘gebräuchlich werden, sich ausgeben für, machen zu, zu werfen (würfeln) beginnen’; übertragen eine Frage aufwerfen (17. Jh.). auswerfen Vb. ‘hinaus-, herausschleudern, ausspucken, ausschachten, verteilen’, ahd. ūʒwerfan ‘(her)aus-, wegwerfen, (hin)treiben, hervorbringen, hinausschicken’ (um 800), mhd. ūʒwerfen ‘hinauswerfen, austreiben, kastrieren, abtreiben, sich redend gegen jmdn. erheben.’ einwerfen Vb. ‘durch einen Wurf zerschlagen, hineinwerfen, zu einem Gespräch etw. anmerken’, ahd. inwerfan ‘hineinwerfen, -schicken’ (8. Jh.), mhd. īnwerfen ‘hineinwerfen, einschließen’. überwerfen Vb. ‘werfend bedecken’, reflexiv ‘sich mit jmdm. zerstreiten’ (16. Jh.), ahd. ubarwerfan ‘hinüberwerfen’ (um 800), mhd. überwerfen ‘das Pferd im Schwung umwenden, verschränken, kreuzen, im Werfen übertreffen’, reflexiv ‘sich schwingend um und um drehen’. unterwerfen Vb. ‘besiegen, abhängig machen’ (16. Jh.), ahd. untarwerfan ‘etw. unter etw. legen, stellen, setzen, unterordnen’ (9. Jh.), mhd. underwerfen ‘darunter werfen, unterjochen’. verwerfen Vb. ‘ablehnen, mißbilligen, eine Fehlgeburt haben, sich biegen, sich verziehen’ (vom Holz), ahd. firwerfan ‘wegwerfen, zurückweisen, preisgeben’ (8. Jh.), mhd. verwerfen ‘ab-, hin-, weg-, niederwerfen, überwinden, verschleudern, zurückweisen, verschmähen, verstoßen, sich entzweien’. vorwerfen Vb. ‘nach vorn werfen, jmdm. (Speise) vor die Füße werfen’ (16. Jh.), ‘tadeln, Vorhaltungen machen’ (15. Jh.), ahd. furiwerfan ‘verschließen, bedecken’ (9. Jh.), mhd. vürwerfen ‘mit Heftigkeit vorschieben, verschließen’. S. Vorwurf.

Thesaurus

Synonymgruppe
(sich) verwerfen · eine Verwerfung verursachen
Synonymgruppe
(einen Plan) fallenlassen · (es sich) anders überlegen · (etwas) abschreiben · (etwas) aufgeben · (etwas) ausschlagen · (etwas) nicht mehr weiterverfolgen  ●  (eine Idee, einen Plan) verwerfen  Hauptform · (sich etwas) abschminken  ugs., fig. · (sich etwas) aus dem Kopf schlagen  ugs., fig.
Assoziationen

Typische Verbindungen zu ›verwerfen‹ (berechnet)

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›verwerfen‹.

Verwendungsbeispiele für ›verwerfen‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Diese Frau kannte ihre Schuld und sie verwarf sie nicht? [Duncker, Dora: Großstadt. In: Deutsche Literatur von Frauen, Berlin: Directmedia Publ. 2001 [1900], S. 15408]
Das Netz verwirft an diesen Stellen die jeweils markierten Daten. [C’t, 2000, Nr. 24]
Wenn auf diesem Weg die netzinterne Überlast an einem Knoten nicht behoben werden kann, verwirft der überlastete Knoten zusätzlich auch nicht gekennzeichnete Frames. [C’t, 1997, Nr. 5]
Das Programm verwirft alle bis auf den Wert des letzten Ausdrucks. [C’t, 1991, Nr. 10]
Wir haben viele Pläne gefaßt, viele haben wir verworfen, einige wurden zuschanden. [Archiv der Gegenwart, 2001 [1977]]
Zitationshilfe
„verwerfen“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/verwerfen>.

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