verwickeln

GrammatikVerb
Aussprache
Worttrennungver-wi-ckeln
Wortbildung mit ›verwickeln‹ als Erstglied: ↗Verwicklung  ·  mit ›verwickeln‹ als Grundform: ↗verwickelt
eWDG, 1977

Bedeutungen

1.
etw. ineinander verschlingen, durcheinanderbringen, verwirren
Beispiele:
er hat das Garn, die Schnur, Fäden verwickelt
ein verwickeltes Knäuel Wolle
sich verwickeln
Beispiele:
der Bindfaden hat sich verwickelt
sich in etw. verwickeln
sich um etw. schlingen, wickeln
Beispiele:
die Schnur des Drachens verwickelte sich in den Ästen eines Baumes
das Mädchen mit der verletzten, verwickelten (= umwickelten) Hand
übertragen
Beispiel:
sich in Widersprüche verwickeln (= einander widersprechende Aussagen machen)
2.
jmdn. (mit) in etw. verwickelnjmdn. gegen seinen Willen (mit) in etw. hineinziehen, an etw. teilhaben, beteiligt sein lassen
Beispiele:
jmdn. in eine (peinliche, unangenehme) Angelegenheit, in einen Skandal, Streit verwickeln
er wurde (mit) in diesen Fall, diese Affäre verwickelt
in ein Handgemenge, Abenteuer verwickelt sein
die Truppen waren in schwere Kämpfe verwickelt
jmdn. in ein Gespräch verwickeln (= mit jmdm. ein Gespräch anknüpfen)
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

wickeln · Wickel · Wieche · abwickeln · einwickeln · verwickeln
wickeln Vb. ‘etw. windend zusammenrollen, um etw. herumwinden, einhüllen’, mhd. wickeln ‘windeln’; in fester Wendung jmdn. um den kleinen Finger wickeln ‘gefügig, willig machen’ (16. Jh.), schief gewickelt (‘falsch angelegt’, dann auch ‘im Irrtum’) sein (19. Jh.). Das Verb ist abgeleitet von dem Substantiv Wickel m. f. ‘abzuspinnendes, um den Rocken gewundenes Faserbündel’, allgemein ‘Gewickeltes, was gewickelt wird und was zum Wickeln dient’ (15. Jh.), besonders ‘Rolle, auf die etw. gewickelt wird’ (vgl. Haar-, Lockenwickel, -wickler), ‘feuchter Umschlag um Körperteile’ (17. Jh.), ahd. wickilī(n) (10. Jh.), wickel (Hs. 12. Jh.), mhd. wickel n. ‘Faserbündel um den Rocken’ (Übersetzungswort für lat. pēnsum, eigentlich ‘die einer Spinnerin zur täglichen Verarbeitung zugewogene Wollmenge’, s. ↗Pensum). Dieses stellt sich wie Wieche m. f. ‘Faserbündel, Docht, Lunte, Scharpie’, ahd. wioh, wiohha (11. Jh.), mhd. wieche m. f. ‘aus Garn gedrehter Docht, gedrehte Scharpie, Lunte’, mnd. wēke, mnl. wieke, nl. wiek, aengl. wēoce (mit dem Stammsilbenvokal germ. eu) und gleichbed. mhd. (md.) wicke, engl. wick (mit dem Stammsilbenvokal germ. i) sowie außergerm. aind. vāgurā́ ‘Schlinge, Fallstrick’, lat. vēlum ‘Segel, Hülle, Tuch’, air. figim ‘webe’ zu der unter ↗Wachs (s. d.) angegebenen Wurzel ie. *u̯eg- ‘weben, knüpfen, Gewebe, Gespinst’. Das maskuline Genus von Wickel entwickelt sich (17. Jh.) in Anlehnung an maskuline Gerätebezeichnungen auf el- (vgl. Flegel, Griffel, Schlüssel). In fester Wendung beim, am Wickel haben, kriegen, nehmen ‘am Kragen, Schopf fassen’ (19. Jh.), wohl zu Wickel in der Bedeutung ‘um den (Männer)zopf gewundenes Band’ (Wickelband). abwickeln Vb. ‘(von einer Rolle, Spule) abwinden, abrollen’ (16. Jh.), ‘(geschäftliche Dinge) erledigen, zum Abschluß bringen’ (2. Hälfte 18. Jh.). einwickeln Vb. ‘in Papier u. ä. verpacken’, übertragen ‘jmdn. betören’ (16. Jh.). verwickeln Vb. ‘umwinden’, übertragen ‘in unlösbare Verbindung bringen, umstricken’ (15. Jh.); dazu verwickelt Part.adj. ‘kompliziert’ (18. Jh.).

Thesaurus

Synonymgruppe
hineinziehen (in) · im Netz fangen · ↗verketten · ↗verstricken · verwickeln
Synonymgruppe
hineinziehen · ↗involvieren · verwickeln
Synonymgruppe
(sich) verwickeln · ↗(sich) verwirren · ins Stottern geraten · ins Stottern kommen · nicht weiterwissen · zu stammeln anfangen  ●  ↗straucheln  fig. · ↗(sich) verhaspeln  ugs. · ↗(sich) verheddern  ugs. · den Faden verlieren  ugs. · durcheinander kommen  ugs.
Assoziationen
  • (sich) in Details verlieren · ↗(sich) verzetteln · (zu) sehr in die Einzelheiten gehen · ↗abschweifen · den Überblick verlieren · nicht auf den Punkt kommen · nicht bei der Sache bleiben · unüberlegt drauflosreden · vom (eigentlichen) Thema abkommen · vom Hundertsten ins Tausendste kommen · von Punkt zu Punkt springen  ●  den Faden verlieren  fig. · vom Hölzchen aufs Stöckchen kommen  ugs.
  • (gerade) nicht weiterwissen · (jemandem) nicht einfallen  ●  (den) Faden verloren haben  fig. · nicht parat haben (Information)  fig. · (einen) Hänger haben  ugs. · und da verließen sie ihn  ugs., Spruch
  • (auch) nicht (mehr) weiterwissen · (es ist) keine Lösung in Sicht (für) · (sich) keinen Rat wissen · (sich) nicht mehr zu helfen wissen · keine Lösung (parat) haben · mit seiner Weisheit am Ende sein · nicht wissen, was man machen soll · nicht wissen, was zu tun ist · passen müssen  ●  (Da) ist guter Rat teuer.  sprichwörtlich · keine Antwort(en) haben auf  fig. · ratlos sein  Hauptform · (dastehen / aussehen) wie eine Kuh wenn's donnert  ugs. · (sich) die Haare raufen  ugs., fig. · ↗(zu etwas) fällt einem nichts (mehr) ein  ugs. · Was tun, sprach Zeus.  ugs., Spruch · kein Patentrezept haben  ugs., fig. · mit seinem Latein am Ende (sein)  ugs., fig. · nackt in den Erbsen stehen  ugs., fig. · sein Pulver verschossen haben  ugs., fig. · und da(nn) verließen sie ihn  ugs., Spruch · und jetzt?  ugs., variabel
  • Versprecher  ●  ↗Lapsus Linguae  lat.

Typische Verbindungen
computergeneriert

Affäre Auffahrunfall Autounfall Bestechungsaffäre Bestechungsskandal Dopingfall Drogengeschäft Drogenhandel Finanzskandal Gefecht Gespräch Kampfhandlunge Karambolage Korruptionsaffäre Korruptionsfall Korruptionsskandal Machenschaft Massensturz Mordfall Prügelei Schießerei Schlägerei Schmiergeldaffäre Skandal Sturz Unfall Verkehrsunfall Vernehmung Verschwörung Widerspruch

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›verwickeln‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Verwickelt ist nicht die AIB allein, denn irgendwohin muss das Geld ja geflossen sein.
Süddeutsche Zeitung, 26.03.2002
Ähnlich kunstvoll verwickelt kann auch der Gebrauch der Modi sein.
Dahlhaus, Carl u. Hüschen, Heinrich: Melodie. In: Die Musik in Geschichte und Gegenwart, Berlin: Directmedia Publ. 2001 [1961], S. 38698
Statt diese Situation politisch auszunützen verwickelte sich der als eitel bekannte Mann jedoch in einen „Kampf um den Ruhm“.
Die Zeit, 05.04.1956, Nr. 14
Frauen sollen sich besonders hüten, in unangenehme Dinge verwickelt zu werden.
Weber, Annemarie (Hg.), Die Hygiene der Schulbank, Wiesbaden: Falken-Verl. 1955, S. 181
Wieder ist das Auswärtige Amt in diese Anwendung der Schutzhaft verwickelt.
o. A.: Zweiundvierzigster Tag. Donnerstag, den 24. Januar 1946. In: Der Nürnberger Prozeß, Berlin: Directmedia Publ. 1999 [1946], S. 21069
Zitationshilfe
„verwickeln“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/verwickeln>, abgerufen am 21.10.2019.

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