verwirren

Grammatik Verb
Aussprache 
Worttrennung ver-wir-ren
Grundform wirr
Wortbildung  mit ›verwirren‹ als Erstglied: ↗Verwirrspiel · ↗Verwirrung  ·  mit ›verwirren‹ als Binnenglied: ↗sinnverwirrend  ·  mit ›verwirren‹ als Grundform: ↗Verwirrtheit · ↗verworren  ·  formal verwandt mit: ↗angstverwirrt · ↗sinnverwirrt
eWDG

Bedeutungen

1.
etw. durcheinanderbringen, durcheinanderschlingen, in Unordnung bringen
Beispiele:
die Katze hat die Wollfäden verwirrt
der Sturm verwirrte sein Haar, seine Haare
verwirrte Haare
sich verwirren
Beispiel:
die Fäden verwirren sich
übertragen
Beispiele:
hier verwirrst du aber die Begriffe, Dinge
eure Vorstellungen haben sich verwirrt (= sind durcheinandergeraten)
2.
jmdn. in seinem klaren Denken beeinträchtigen, irremachen, aus der Fassung bringen
Beispiele:
diese Mitteilung, dieses Erlebnis hat ihn verwirrt
du hast mich jetzt ganz verwirrt
jmdm. die Sinne, Gedanken, den Kopf, jmds. Sinne, Gedanken, Kopf verwirren
verwirrendschwer zu übersehen
Grammatik: im Partizip I
Beispiel:
eine verwirrende Sachlage, Fülle von Einzelheiten
stark beeindruckend
Beispiel:
eine Landschaft von verwirrender Schönheit
verwirrtunfähig zu klarem Denken, benommen, unsicher
Grammatik: im Partizip II
Beispiele:
er war ganz verwirrt
das Gerede machte ihn (völlig) verwirrt
sie blickte ihn verwirrt an
ein verwirrter Blick
sich verwirren
Beispiele:
jmds. Sinne verwirren sich (= jmd. wird geistesgestört)
ein verwirrter Geist
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

verwirren · Verwirrung · Verworrenheit · entwirren · Gewirr
verwirren Vb. ‘in Unordnung bringen, jmdn. unsicher machen, aus der Fassung bringen, irremachen’, reflexiv ‘in Unordnung geraten’, mhd. verwirren, verwürren ‘sich verwickeln, sich entzweien, in Kampf geraten’. Das schwache Verb übernimmt von stark flektierendem ahd. firwerran ‘beunruhigen, verwirren’ (um 1000), mhd. verwerren ‘in Verwirrung, Unordnung, Unruhe bringen, entzweien’ (literarisch bis ins 17. Jh. belegt) das zugehörige Part. Prät. verworren, das bis heute neben verwirrt erhalten bleibt. Zur Etymologie s. ↗wirr. Verwirrung f. ‘Unordnung, Durcheinander, Aufregung’ (15. Jh.). Verworrenheit f. (15. Jh.); vgl. mhd. verworrenkeit. entwirren Vb. ‘(ungeordnet Verschlungenes) auseinanderziehen, ordnend auflösen, die Unklarheit, Schwierigkeit einer Sache auflösen’ (16. Jh.); vgl. mhd. (stark) entwerren ‘in Ordnung bringen, entwirren’. Gewirr n. ‘Durcheinander, Wirrwarr’ (16. Jh.); vgl. mhd. gewerre m. n. ‘Zwietracht, Streit, Durcheinander’.

Thesaurus

Synonymgruppe
(sich) verwickeln · (sich) verwirren · ins Stottern geraten · ins Stottern kommen · nicht weiterwissen · zu stammeln anfangen  ●  ↗straucheln  fig. · ↗(sich) verhaspeln  ugs. · ↗(sich) verheddern  ugs. · ↗den Faden verlieren  ugs. · ↗durcheinanderkommen  ugs.
Assoziationen
  • (sich) in Details verlieren · ↗(sich) verzetteln · (zu) sehr in die Einzelheiten gehen · ↗abschweifen · den Überblick verlieren · nicht auf den Punkt kommen · nicht bei der Sache bleiben · unüberlegt drauflosreden · vom (eigentlichen) Thema abkommen · vom Hundertsten ins Tausendste kommen · von Punkt zu Punkt springen  ●  ↗den Faden verlieren  fig. · vom Hölzchen aufs Stöckchen kommen  ugs.
  • (gerade) nicht weiterwissen · (jemandem) nicht einfallen  ●  (den) Faden verloren haben  fig. · nicht parat haben (Information)  fig. · (einen) Hänger haben  ugs. · und da verließen sie ihn  ugs., Spruch
  • (auch) nicht (mehr) weiterwissen · (es ist) keine Lösung in Sicht (für) · (sich) keinen Rat wissen · (sich) nicht mehr zu helfen wissen · keine Lösung (parat) haben · mit seiner Weisheit am Ende sein · nicht wissen, was man machen soll · nicht wissen, was zu tun ist · passen müssen  ●  (Da) ist guter Rat teuer.  sprichwörtlich · keine Antwort(en) haben auf  fig. · ratlos sein  Hauptform · (dastehen / aussehen) wie eine Kuh wenn's donnert  ugs. · (sich) die Haare raufen  ugs., fig. · ↗(zu etwas) fällt einem nichts (mehr) ein  ugs. · Was tun, sprach Zeus.  ugs., Spruch · kein Patentrezept haben  ugs., fig. · ↗mit seinem Latein am Ende (sein)  ugs., fig. · nackt in den Erbsen stehen  ugs., fig. · sein Pulver verschossen haben  ugs., fig. · und da(nn) verließen sie ihn  ugs., Spruch · und jetzt?  ugs., variabel
  • Versprecher  ●  ↗Lapsus Linguae  lat.
  • aus dem Konzept kommen · vergessen was man sagen wollte  ●  (den) Faden verlieren  fig.
Synonymgruppe
(jemanden) ins Nachdenken bringen · ↗derangieren · ↗durcheinanderbringen · in Verlegenheit bringen · ↗irritieren · nachdenklich machen · ↗verunsichern  ●  verwirren  verlegen machen · ↗(jemanden) beirren  geh. · ins Bockshorn jagen  ugs.
Unterbegriffe
  • (jemandem) das Wort im Mund umdrehen · (jemandem) die Worte im Mund verdrehen  ●  (jemandem etwas) in den Mund legen  fig.
Assoziationen
  • (völlig) verwirrt sein · benommen sein · nicht mehr wissen, wo rechts und links ist · nicht mehr wissen, wo vorne und (wo) hinten ist · unzurechnungsfähig sein  ●  ↗(völlig / komplett) neben der Kappe sein  ugs. · einen Blackout haben  ugs. · nicht (ganz) auf der Höhe sein  ugs. · nicht mehr wissen, ob man Männchen oder Weibchen ist  ugs. · nicht mehr wissen, ob man Männlein oder Weiblein ist  ugs. · nicht wissen, wo oben und (wo) unten ist  ugs. · völlig daneben sein  ugs.
  • (jemanden) konfus machen · (jemanden) nervös machen  ●  (jemanden) kirre machen  ugs. · (jemanden) kribbelig machen  ugs. · (jemanden) verrückt machen  ugs. · (jemanden) wuschig machen  ugs.
Synonymgruppe
durcheinanderbringen · in Unordnung bringen · ↗verknäueln · verwirren  ●  chaotisieren  ugs. · ↗verheddern (Kabel, Fäden ...)  ugs., norddeutsch
Assoziationen
Synonymgruppe
ablenken · ↗bestürzen · ↗irritieren · ↗konsternieren · ↗stören · ↗verblüffen · ↗verunsichern · verwirren  ●  aus der Fassung bringen  ugs.
Synonymgruppe
(jemanden) durcheinanderbringen · (jemanden) nervös machen · (jemanden) verwirren  ●  (jemanden) aus dem Konzept bringen  fig.
Assoziationen

Typische Verbindungen zu ›verwirren‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›verwirren‹.

Verwendungsbeispiele für ›verwirren‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Wo die Revolution die Köpfe nicht abschlug, reichte ihre Macht immerhin aus, sie zu verwirren.
Safranski, Rüdiger: Friedrich Schiller, München Wien: Carl Hanser 2004, S. 394
Die Montage ist sehr verwirrend, die Szenen selber sind klassisch.
Süddeutsche Zeitung, 26.09.2002
Die Lage rund um das KaDeWe war in der ersten halben Stunde verwirrend.
Der Tagesspiegel, 09.07.1999
Aber ich brachte es nicht übers Herz, sie noch mehr zu verwirren.
Rinser, Luise: Mitte des Lebens, Frankfurt a. M.: S. Fischer 1952 [1950], S. 59
Schäm dich, ein junges Mädel durch solche Bücher zu verwirren.
Janitschek, Maria: Die neue Eva. In: Deutsche Literatur von Frauen, Berlin: Directmedia Publ. 2001 [1902], S. 10400
Zitationshilfe
„verwirren“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/verwirren>, abgerufen am 03.03.2021.

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