verzärteln

GrammatikVerb
Aussprache
Worttrennungver-zär-teln (computergeneriert)
Grundformzart
eWDG, 1977

Bedeutung

jmdn. zu weichlich erziehen, verweichlichen
Beispiele:
sie hat ihren Sohn verzärtelt
ein verzärteltes Kind
umgangssprachlich, spöttisch ein verzärteltes Muttersöhnchen
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

zart · zärtlich · Zärtlichkeit · verzärteln
zart Adj. ‘fein, zerbrechlich, verletzlich, behutsam’, ahd. zart (Hs. 12. Jh.; vgl. zarto Adv., 9. Jh.), mhd. zart ‘lieb, wert, vertraut, lieblich, schön, fein, weich, schwächlich’; dazu die Verben ahd. zartōn ‘liebkosen, schmeicheln’ (um 1000), firzerten ‘zart oder üppig sein’ (nur Part. Prät., 8. Jh.). Herkunft nicht sicher geklärt. Als nächste Verwandte außerhalb des Hd. kommen in Betracht mnd. tertel ‘zart, zierlich’, derten, darten ‘verwöhnt, verzärtelt’, tertelīk, tartelīk ‘zärtlich, fein’, dertelīken ‘verzärtelt’ (mit affektisch bedingtem Anlautwechsel von t und d), dän. tærtet ‘zimperlich’, vielleicht auch norw. (mundartlich) tert, tart ‘kleiner Lachs’ und wohl pers. dard ‘Schmerz, Leiden, Qual, Pein’. Man kann die Wortgruppe an die Wurzel ie. *der(ə)-, *drē- ‘schinden, (ab)spalten’ anschließen (s. ↗zehren, ↗zerren und auch ↗Trotz), wenn man von zart als einer partizipialen to-Bildung mit der Bedeutung ‘zerfasert’ ausgeht, die sich zu ‘dünn’, daher ‘verletzlich’, dann zu ‘behutsam, empfindlich’ weiterentwickelt. zärtlich Adj. ‘liebkosend, liebevoll, fürsorglich’, ahd. zartlīh (10. Jh.; zartlīhho Adv., um 900), mhd. zartlich, zertlich ‘anmutig, lieblich, liebevoll, wohlwollend, weich, sanft, milde’; Zärtlichkeit f. ‘Liebkosung, Zuneigung, Fürsorglichkeit’, spätmhd. zertlīcheit ‘Lieblichkeit, Anmut’. verzärteln Vb. ‘verweichlichen’ (16. Jh.); vgl. gleichbed. mhd. verzerten, ahd. firzerten (s. oben).

Thesaurus

Synonymgruppe
(jemandem) jede Arbeit abnehmen · hätscheln und tätscheln · ↗verhätscheln · ↗verpäppeln · ↗verweichlichen · ↗verwöhnen · ↗verziehen · verzärteln · von vorne bis hinten bedienen · überbehüten  ●  in Watte packen  fig. · (es jemandem) vorne und hinten hereinstecken  derb, fig. · (immer nur) mit Samthandschuhen anfassen  ugs., fig. · (jemandem) Zucker in den Arsch blasen  derb, fig. · (jemandem) den (eigenen) Hintern hinterhertragen  ugs. · (jemandem) den Arsch nachtragen  derb, fig., variabel · (jemandem) den Arsch pudern  derb, fig. · betuddeln  ugs., norddeutsch · betutteln  ugs., norddeutsch · betüddeln  ugs., norddeutsch · ↗betütern  ugs., norddeutsch · ↗verpimpeln  ugs., regional
Assoziationen
  • (die) Sterne vom Himmel holen (für jemanden) · (wie) auf Rosen gebettet sein · auf (den) Händen tragen · bis ans Ende der Welt gehen (für) · jeden Wunsch von den Augen ablesen · ↗verwöhnen  ●  jeden Wunsch erfüllen  Hauptform · pampern  ugs.
  • Übermutter · überbehütende Mutter  ●  ↗Glucke  ugs., fig. · ↗Helikoptermutter  ugs., fig. · ↗Supermutti  ugs.
  • (wohnt im) Hotel Mama · ↗Nesthocker
  • (über)bemüht · ↗(über)fürsorglich · Umstände machen(d) · mütterlich besorgt · ↗tantenhaft · ängstlich besorgt  ●  ↗betulich  Hauptform
  • (sich) um nichts Gedanken machen müssen · (sich) um nichts kümmern müssen · Rundum-sorglos-Paket · alles inklusive · an alles gedacht (sein) · für alles (ist) gesorgt

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Der Mann ist vielleicht etwas verzärtelt, aber er riecht sehr gut.
Die Zeit, 17.11.2008, Nr. 47
Dagegen ist es falsch, das gesunde Kind stets zu verzärteln.
Die Landfrau, 16.05.1925
Eine Zigarettenspitze in der Hand, verzärtelt an einem Glas Rotwein schnuppernd?
Die Welt, 01.03.2001
Der Hund hat, wenn er nicht faul und verzärtelt geworden ist, als Nachfolger von freien Herdentieren das Bedürfnis, viel herumzulaufen.
Oheim, Gertrud: Das praktische Haushaltsbuch, Gütersloh: Bertelsmann 1967 [1954], S. 429
Ein Kind, das stets und ständig seinen Willen bekommt, verzärtelt und verzogen wird, präsentiert sehr bald schon seinen Eltern die Rechnung für ihre Erziehungsfehler.
Smolka, Karl: Gutes Benehmen von A - Z. In: Zillig, Werner (Hg.) Gutes Benehmen, Berlin: Directmedia Publ. 2004 [1957], S. 28162
Zitationshilfe
„verzärteln“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/verzärteln>, abgerufen am 17.10.2019.

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