Der deutsche Wortschatz von 1600 bis heute.

verzapfen

Grammatik Verb
Aussprache  [fɛɐ̯ˈʦapfn̩]
Worttrennung ver-zap-fen
Grundformzapfen
eWDG

Bedeutungen

1.
etw. durch Zapfen verbinden
Beispiele:
Balken, Bretter verzapfen
ein schlecht verzapfter Stuhl
2.
salopp etw. Törichtes tun, besonders etw. reden, schreiben, das Kritik, Spott oder Heiterkeit auslöst
Beispiele:
er verzapft stets die alten Witze
wer hat dieses Gedicht verzapft?
Blödsinn verzapfen
Dummheiten, Unfug verzapfen
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Zapfen · zapfen · abzapfen · anzapfen · verzapfen · Zäpfchen · Zapfenstreich
Zapfen m. ‘länglicher, sich verjüngender Holzpflock (Stöpsel) zum Verschließen eines Gefäßes, konisch runder, mit holzigen Schuppen versehener Fruchtstand der Nadelhölzer’, ahd. zapho (11. Jh.), mhd. zapfe, (md.) zappe, mnd. mnl. tappe, nl. tap, aengl. tæppa, engl. tap führen auf germ. *tappan-, umgelautetes, im Nhd. untergegangenes ahd. zepho (Hs. 12. Jh.), mhd. zepfe ‘Fruchtstand (Traube, Rispe, Ähre)’ auf germ. *tappjan- mit einer Ausgangsbedeutung ‘länglich Ausgezogenes, Spitziges’. Verwandt sind die ablautenden unter Zipfel (s. d.) behandelten Substantive und offensichtlich auch das lautlich und semantisch nahestehende Zopf (s. d.), so daß, da außergerm. Vergleiche fehlen, von einer onomatopoetischen germ. Grundform zur Bezeichnung von etw. Spitzem auszugehen ist. Das Endungs-n der nhd. Form (seit Ende 15. Jh.) entstammt den obliquen Kasus des schwach flektierten Substantivs; im Md. hält sich Zapfe bis ins 18. Jh. Der verdeutlichenden Bildung Tannenzapfen (15. Jh.) folgt (nach der Ähnlichkeit) Eiszapfen (16. Jh.). zapfen Vb. ‘mit Hilfe eines Zapfens durch ein Spundloch ausfließen lassen, entnehmen, abfüllen’, mhd. zapfen, zepfen, auch ‘mit einem Zapfen versehen’; vgl. mnd. mnl. nl. tappen, aengl. tappian, engl. to tap. abzapfen Vb. ‘Flüssigkeit entnehmen, ablaufen lassen’ (16. Jh.), übertragen ‘jmdm. etw. abnötigen, jmdn. ausnutzen’ (17. Jh.). anzapfen Vb. ‘durch Lösen des Zapfens öffnen, anstechen’, übertragen ‘von jmdm. Geld borgen’ (15. Jh.). verzapfen Vb. ‘direkt vom Faß ausschenken’ (15. Jh.), ‘Törichtes tun, Unsinniges von sich geben’ (19. Jh.). Zäpfchen n. zapfenförmige Vorwölbung des weichen Gaumens im Rachen, ‘Gaumenzäpfchen’ (um 1500), ‘zapfenförmiges, rektal einzuführendes Medikament’ (18. Jh.), auch (in beiden Bedeutungen) Zäpflein (16. Jh.). Zapfenstreich m. Beginn der Nachtruhe in der Soldatenunterkunft, anfangs ein Signal, durch Trompete oder durch Trommelwirbel gegeben, dann mit anschließender Begleitmusik als Aufforderung für die Soldaten, sich in ihre Quartiere zu begeben (17. Jh.), schließlich zu einem Musikstück und zu festlicher Militärmusik erweitert; eigentlich ‘Streich, Schlag auf den Zapfen des Bierfasses, um dieses zu schließen und den Ausschank im Militärlager zu beenden’; vgl. nd. taptō, nl. tap toe ‘Zapfen zu’, danach nl. taptoe ‘abendliche Militärmusik, festliche Musikparade’, woraus gleichbed. engl. tattoo, (älter) taptoo (s. Tattoo1), und russ. (älter) taptá (тапта) ‘Zapfenstreich’.

Thesaurus

Synonymgruppe
einstemmen · einzapfen (in) · verzapfen
Synonymgruppe
verpfuschen  ●  (etwas) verkacken  derb · in den Sand setzen  ugs., fig. · in den Teich setzen  ugs., fig. · verbocken  ugs. · vergeigen  ugs. · verhauen  ugs. · verhunzen  ugs. · verkorksen  ugs. · vermasseln  ugs. · vermurksen  ugs. · verpatzen  ugs. · versaubeuteln  ugs. · versauen  derb · versemmeln  ugs. · versieben  ugs. · verzapfen  ugs.
Assoziationen

Typische Verbindungen zu ›verzapfen‹ (berechnet)

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›verzapfen‹.

Verwendungsbeispiele für ›verzapfen‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Wir sind erst dann nach Hause, als wir dem Wirt das letzte Glas Bier verzapft hatten. [Brief von Ernst G. an Irene G. vom 14.12.1939, Feldpost-Archive mkb-fp-0270]
Warum vergessen wir nicht einfach den ganzen Mist, der über das Essen und mit ihm verzapft wird? [Süddeutsche Zeitung, 06.10.2003]
Es geht ihr um ein angeblich verfassungsrechtliches Recht, auch Blödsinn zu verzapfen. [Die Zeit, 19.11.1998, Nr. 48]
Ich habe schon viele Mütter getroffen, so einen Blödsinn hat noch keine verzapft. [Die Zeit, 02.01.2008, Nr. 02]
Freilich geht er nie so weit, der Originalität wegen krauses Zeug zu verzapfen. [Die Welt, 03.06.2000]
Zitationshilfe
„verzapfen“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/verzapfen>.

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