verzehren

Grammatik Verb
Aussprache 
Worttrennung ver-zeh-ren
Grundformzehren
Wortbildung  mit ›verzehren‹ als Erstglied: Verzehrkarte · Verzehrverbot
eWDG

Bedeutungen

1.
etw. essen (und etw. dazu trinken)
Beispiele:
sein Frühstücksbrot, Mittagessen, Abendbrot, ein Menü, etw. Gebratenes verzehren
etw. schnell, in Ruhe, mit Genuss, Behagen verzehren
etw. in einer Gaststätte, zu Hause, im Stehen verzehren
dieser Gast hat nicht viel verzehrt
veraltend etw. für die Bestreitung des Lebensunterhalts verbrauchen
Beispiel:
ein Erbteil, Vermögen verzehren
2.
gehoben, übertragen etw. verzehrt jmdn.etw. beansprucht jmds. physische und psychische Kräfte äußerst stark, braucht sie auf
Beispiele:
die Leidenschaft, Sehnsucht, der Kummer verzehrt jmdn.
durch die schwere Erkrankung sind seine Kräfte fast verzehrt
ein verzehrendes Fieber
eine verzehrende Krankheit
ein verzehrter (= abgemagerter, kraftloser) Körper
sich verzehren
Beispiele:
sich in Liebe (zu jmdm.), Sehnsucht (nach jmdm.), ohnmächtiger Wut verzehren
er verzehrte sich im Dienst für seine Heimatstadt
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

zehren · verzehren · Verzehr · Zehrung · Wegzehrung · auszehren · Auszehrung
zehren Vb. ‘von etw. leben, sich von etw. ernähren, die (körperlichen) Kräfte verbrauchen, schwächen’. Das nur im Dt. und Nl. begegnende Verb mhd. zer(e)n ‘für die Ernährung Aufwand treiben, leben, essen, sich nähren von, verbrauchen’, auch ‘zerreißen, vernichten’ (s. das nachfolgend genannte starke Verb), asächs. terian ‘verzehren’, mnd. mnl. tēren ‘(ver)zehren’, nl. teren ‘zehren, sich ernähren’ gehört als jüngere (kausative?) j-Bildung (germ. *tarjan) zu dem in mhd. Zeit untergegangenen starken Verb ahd. zeran ‘streiten’ (8. Jh.), ‘einen Kampf beenden’ (um 1000), mhd. zerzern ‘zerreißen’, aengl. teran, engl. to tear, got. distaíran ‘zerreißen’, gataíran ‘zerreißen, zerstören’ (germ. *teran). Außergerm. sind verwandt aind. (mit Nasalpräsens) dṛṇā́ti ‘birst, macht bersten, sprengt, zerreißt’, griech. dérein (δέρειν) ‘abhäuten, schinden, mißhandeln, prügeln’, kymr. darn ‘Stück, Teil’, lit. dir̃ti ‘(zer)reißen, prügeln, schinden, die Haut abziehen’, aslaw. dьrati ‘schinden, reißen, schlagen’, russ. drat’ (драть) ‘reißen, zerren, laufen, flüchten’. Alle Formen lassen sich auf die Wurzel ie. *der(ə)-, *drē- ‘schinden, (ab)spalten’ zurückführen (s. auch zerren sowie Torf, trennen, Troddel, Trotz, Zorn). Als Ausgangsbedeutung für zehren ist ‘(Fleisch) beim Essen zerreißen’ anzunehmen. verzehren Vb. ‘essen (und trinken), bis nichts mehr übrig ist, aufbrauchen’, reflexiv ‘sich abhärmen’, mhd. verzer(e)n; dazu die Rückbildung Verzehr m. (18. Jh.), vgl. älteres Zehr m. ‘Mahlzeit, Gelage, Essen und Trinken’ (um 1600) und Zehre f. (bis 17. Jh.), mhd. zer(e) f. Zehrung f. ‘was man verzehrt oder zum Unterhalt braucht’, mhd. zerunge; Wegzehrung f. (16. Jh.). auszehren Vb. ‘körperlich sehr schwächen, entkräften’, älter auch ‘verzehren, alles aufessen, aufbrauchen, aufhören zu verzehren’ (15. Jh.); Auszehrung f. ‘krankhafte Abmagerung, Schwindsucht’ (18. Jh.).

Thesaurus

Synonymgruppe
anschmachten · jemand lebt nur noch für · schmachten (nach) · schwärmerisch bewundern · verehren · verklären · verschmachten (nach)  ●  in den Himmel heben  fig. · (jemandem) zu Füßen liegen  ugs., fig. · (jemandes) Ein und Alles (sein)  ugs. · (sich) verzehren (nach)  geh. · Feuer und Flamme sein (für)  ugs. · anbeten  ugs. · anhimmeln  ugs. · höchste Bewunderung zollen  geh. · idealisieren  fachspr. · vergöttern  ugs.
Assoziationen
Synonymgruppe
aufessen · aufzehren · konsumieren · verzehren · zu sich nehmen

Typische Verbindungen zu ›verzehren‹ (berechnet)

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›verzehren‹.

Verwendungsbeispiele für ›verzehren‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Später verzehrte er noch 4 Scheiben Brot mit Butter bestrichen. [Hannover, Heinrich: Die Republik vor Gericht 1975 - 1995, Berlin: Aufbau-Taschenbuch-Verl. 2001 [1999], S. 289]
Außerdem verzehrt es stets auch einen beträchtlichen Teil der eigenen Eier. [Natzmer, Gert von: Tierstaaten und Tiergesellschaften, Berlin: Safari-Verl. 1967, S. 259]
In der Sehnsucht nach der absoluten Bewegung verzehren wir uns in gegenwartslosem Verharren. [konkret, 1986]
Verzehrt wird in diesem Lokal nicht viel, hier wird geschrieben. [Berliner Tageblatt (Morgen-Ausgabe), 05.03.1929]
Statt meiner, den sie durch heimtückische Überfälle dem Tode nahebrachte, lag sie jetzt dort, von ihrem wahnsinnigen Hunger verzehrt. [Canetti, Elias: Die Blendung, München: Hanser 1994 [1935], S. 337]
Zitationshilfe
„verzehren“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/verzehren>.

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