verzeihen

GrammatikVerb · verzieh, hat verziehen
Aussprache
Worttrennungver-zei-hen (computergeneriert)
Wortbildung mit ›verzeihen‹ als Erstglied: ↗Verzeihung · ↗verzeihlich
eWDG, 1977

Bedeutung

etw. vergeben, entschuldigen
Beispiele:
eine beleidigende, grobe Äußerung, ein unkorrektes, unfreundliches Verhalten verzeihen
bitte, verzeihen Sie die Störung, eine Frage! (= Höflichkeitsformel)
verzeihen Sie bitte, können Sie mir sagen, wie ich von hier zum Bahnhof komme? (= Höflichkeitsformel)
jmdm. etw. verzeihen
Beispiele:
das konnte sie ihm nicht (so schnell) verzeihen
er verzieh ihr, dass sie nicht Wort gehalten hatte (= er trug es ihr nicht nach, dass sie nicht Wort gehalten hatte)
verzeih mir bitte, dass ich dich gekränkt habe
das habe ich dir längst verziehen
er konnte es sich [Dativ] nicht verzeihen, dass ...
ein verzeihendes Lächeln
ein verzeihender Blick
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

zeihen · verzeihen · Verzeihung
zeihen Vb. ‘beschuldigen, bezichtigen’, ahd. zīhan (9. Jh.), mhd. zīhen ‘an-, beschuldigen’, asächs. in aftīhan ‘versagen’, mnd. tīen, (mit grammatischem Wechsel von h und g) tīgen, mnl. tīen (vgl. nl. aantijgen ‘anklagen, beschuldigen’), aengl. tēon ‘anklagen, beschuldigen’, got. gateihan ‘anzeigen, verkünden’ führen mit außergerm. Verwandten wie aind. diśáti ‘zeigt, führt vor, legt dar’, griech. deiknýnai (δεικνύναι) ‘zeigen’, lat. dīcere ‘sprechen, sagen’, dicāre ‘feierlich verkünden, weihen, widmen’, osk. deíkum ‘sprechen’ auf eine Wurzel ie. *deik̑- ‘zeigen’ (s. auch ↗Zeichen, ↗zeigen, ↗Zehe), im Germ. besonders rechtssprachlich ‘auf jmdn. als den Täter hinweisen, beschuldigen’. verzeihen Vb. ‘jmdm. ein Vergehen vergeben, entschuldigen’, ahd. firzīhan ‘versagen, verweigern’ (9. Jh.), mhd. verzī(h)en ‘versagen, abschlagen, sich lossagen, aufgeben, verlassen’, reflexiv ‘verzichten’. Die heutige Bedeutung entsteht (im 15. Jh. sich anbahnend) aus der rechtssprachlichen Verwendung sich (seines Rechtsanspruchs auf Wiedergutmachung) verzeihen ‘darauf verzichten’, woraus ‘dem Schuldigen vergeben’. Verzeihung f. mhd. verzīhunge.

Thesaurus

Synonymgruppe
amnestieren · ↗begnadigen · ↗entschuldigen · ↗nachsehen · ↗vergeben · verzeihen  ●  ↗exkulpieren  fachspr.
Synonymgruppe
(jemandem etwas) nachsehen · ↗(jemandem etwas) vergeben · (jemandem etwas) verzeihen · (sich) nachsichtig zeigen · Verständnis aufbringen (für) · Verständnis haben (für)  ●  ↗(etwas) entschuldigen  Hauptform · Nachsicht üben  geh.
Assoziationen
  • (etwas) nicht ahnden · (etwas) nicht bestrafen · (jemandem etwas) durchgehen lassen · (jemandem) etwas nachsehen · (jemandem) nicht böse sein (können) · (sich) nachsichtig zeigen · Gnade walten lassen · Milde walten lassen · Nachsicht üben · auf (eine) Bestrafung verzichten · auf (eine) Strafe verzichten · barmherzig sein · gnädig sein · nicht zu streng sein · von einer Bestrafung absehen  ●  Gnade vor Recht ergehen lassen  floskelhaft · beide Augen zudrücken  fig. · dann woll'n wir mal nicht so sein  ugs., Spruch · etwas mit dem Mantel der Nächstenliebe zudecken  ugs., sprichwörtlich
  • nicht zu entschuldigen · ↗unentschuldbar · ↗unverzeihlich
  • dulden · ↗tolerieren · ↗zulassen · über etwas hinwegschauen · über etwas hinwegsehen  ●  (ich will dann) mal nicht so sein  ugs. · ein Auge zudrücken  ugs., fig. · fünfe gerade sein lassen  ugs., sprichwörtlich

Typische Verbindungen
computergeneriert

Ausrutscher Eskapade Fahrfehler Fan Fauxpas Fehler Fehltritt Jugendsünde Miene Mundwinkel Patzer Schwäche Seitensprung Sünde Sünder Ungenauigkeit Verrat Wolke du gern gerne großmütig ich ihr man nie niemals sogar vergessen verzeihen

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›verzeihen‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Vielleicht müssen wir uns erst einmal selbst verzeihen, daß es so weit kommen konnte.
Die Welt, 26.08.2005
Aber nach einem Comeback verzeiht man seinem Helden fast alles.
Der Tagesspiegel, 27.07.2003
So bitten auch wir zu vergessen, ja, wir bitten zu verzeihen.
Archiv der Gegenwart, 2001 [1965]
Verzeih mir diesen Brief, den ich erst so froh begonnen habe.
Brief von Ernst G. an Irene G. vom 21.08.1938, Feldpost-Archive mkb-fp-0270
Man hatte ihm nicht verziehen, daß er ihre Schwester verführt hatte.
Friedländer, Hugo: Die Ermordung der Medizinalrätin Molitor auf der Promenade in Baden-Baden. In: ders., Interessante Kriminal-Prozesse, Berlin: Directmedia Publ. 2001 [1910], S. 407
Zitationshilfe
„verzeihen“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/verzeihen>, abgerufen am 15.10.2019.

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