verzetteln

GrammatikVerb
Aussprache
Worttrennungver-zet-teln
GrundformZettel1
Wortbildung mit ›verzetteln‹ als Erstglied: ↗Verzettelung
eWDG, 1977

Bedeutungen

1.
fachsprachlich etw. (für eine Kartei) auf einzelne Zettel schreiben
Beispiel:
Wörter, Begriffe, Titel von Büchern, Aufsätzen verzetteln
2.
umgangssprachlich etw. in kleinen Mengen für zahlreiche unwichtige Dinge verausgaben, vergeuden
Beispiele:
sein Geld (für überflüssige, nutzlose Kleinigkeiten) verzetteln
seine (Arbeits)kraft mit kleinen, nebensächlichen Beschäftigungen verzetteln
sich verzetteln
sich zuviel mit nebensächlichen Dingen beschäftigen, sich nicht auf das Wichtige konzentrieren
Beispiel:
verzettele dich nicht (in, mit solchen Kleinigkeiten)!
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Zettel1 · zetten · anzetteln · verzetteln1
Zettel1 m. bei einem Gewebe in Längsrichtung verlaufender Garnfaden, ‘Kette, Aufzug’ (15. Jh.; Gegensatz Einschlag, Einschuß für den durch die Breite laufenden Faden), vgl. mhd. zettelgarn, gebildet mit l-Suffix zu zetten Vb. ‘einzeln, in kleinen Stücken fallen lassen, streuen, verstreuen, ausbreiten’, ahd. zetten (9. Jh.; vgl. bi-, ubarzetten ‘be-, überstreuen’, 8. Jh.), mhd. zet(t)en ‘streuen, zerstreut fallen lassen, ausbreiten’ (germ. -dd- aus -dj-). Dazu stellen sich anord. teðja ‘düngen, misten’, schwed. (mundartlich) täda, engl. (aus dem Anord.) to ted ‘ausbreiten (von Heu)’ sowie anord. tað ‘ausgebreiteter Mist’, schwed. (mundartlich) tad ‘Dung’ und got. ungatass ‘ungeordnet, zugellos’, ferner die unter ↗Zote und ↗Zotte (s. d.) angegebenen Formen. Außergerm. lassen sich vielleicht vergleichen griech. datéasthai, datéesthai (δατέασθαι, δατέεσθαι) ‘unter sich verteilen, (zu)teilen’, dasmós (δασμός) ‘Verteilung, Tribut’, so daß auf eine durch t erweiterte Form der Wurzel ie. *dā(i)-, *dī̌- ‘teilen, zerschneiden, zerreißen’ (s. ↗Teil, ↗Zeit) zurückgegangen werden kann. anzetteln Vb. ‘den Aufzug eines Gewebes auf dem Webstuhl einrichten’, übertragen ‘anstiften’ (Ende 15. Jh.), abgeleitet vom Subtantiv. verzetteln1 Vb. ‘Gras, Heu, Stroh zum Trocknen ausbreiten, unachtsam, unbedenklich verstreuen, verschütten’ (16. Jh.), übertragen ‘vergeuden, vertun’ (17. Jh.), ‘Zeit vergeuden’ (18. Jh.), sich verzetteln ‘seine Kräfte zersplittern’ (19. Jh.); Iterativbildung zu verzetten, mhd. verzetten ‘zerstreut fallen lassen, verstreuen, verlieren’, zu zetten (s. oben).

Zettel2 · verzetteln2
Zettel2 m. ‘kleines Stück Schreibpapier’, mhd. zedele, zedel, zetel f. m. n. ‘beschriebenes oder zu beschreibendes Blatt’, entlehnt (gelegentlich wohl unter Einfluß von afrz. cedule bzw. ital. cedola) aus mlat. cedula, spätlat. schedula f. ‘Blättchen Papier’ (wozu vereinzeltes ahd. skedal ‘Blatt Papier’, Hs. 13. Jh.). Dies ist ein Deminutivum zu lat. scheda, scida f. ‘abgerissener Streifen Papyrus, deren mehrere zu einem Bogen zusammengeleimt werden, Streifen, Blatt’, wohl aus gleichbed. griech. *schídē (*σχίδη) oder griech. schída f. (σχίδα) ‘Abgespaltenes, Span’; zu griech. schízein (σχίζειν) ‘spalten, durchschneiden, trennen’. Zettel gilt (seit dem 15. Jh.) vornehmlich im Obd., bei norddeutschen und mitteldeutschen Schriftstellern bis ins 19. Jh. auch Zeddel. Eine Nebenform Zeddul (nach frz. cédule) wird im 19. Jh. aufgegeben. verzetteln2 Vb. ‘Gedanken, Beobachtungen auf Zettel niederschreiben, einen zusammenhängenden Text in Einzelzettel auflösen’ (18. Jh.), ‘etw. Schriftliches ausfertigen, etw. verbriefen, beurkunden’ (15. Jh.); vgl. vereinzeltes spätmhd. zeddelen ‘ein Schriftstück anfertigen’.

Thesaurus

Synonymgruppe
(sich) in Details verlieren · (sich) verzetteln · (zu) sehr in die Einzelheiten gehen · ↗abschweifen · den Überblick verlieren · nicht auf den Punkt kommen · nicht bei der Sache bleiben · unüberlegt drauflosreden · vom (eigentlichen) Thema abkommen · vom Hundertsten ins Tausendste kommen · von Punkt zu Punkt springen  ●  den Faden verlieren  fig. · vom Hölzchen aufs Stöckchen kommen  ugs.
Assoziationen
  • (sich) verwickeln · ↗(sich) verwirren · ins Stottern geraten · ins Stottern kommen · nicht weiterwissen · zu stammeln anfangen  ●  ↗straucheln  fig. · ↗(sich) verhaspeln  ugs. · ↗(sich) verheddern  ugs. · den Faden verlieren  ugs. · durcheinander kommen  ugs.
  • den Rahmen sprengen · zu viel werden · zu weit führen
  • (jemand) sieht vor lauter Bäumen den Wald nicht (mehr) · (jemandem) fehlt der Blick aufs Ganze · (seine) Zeit verplempern mit · (sich) mit Nebensächlichkeiten aufhalten · (sich) nicht aufs Wesentliche konzentrieren · (sich) verlieren (in) · (sich) verzetteln · nicht zum Wesentlichen kommen
  • Abschweifung · ↗Einschub · ↗Umschweif  ●  ↗Abstecher  ugs. · ↗Exkurs  geh., bildungssprachlich · ↗Schlenker  ugs., fig.
Synonymgruppe
(jemand) sieht vor lauter Bäumen den Wald nicht (mehr) · (jemandem) fehlt der Blick aufs Ganze · (seine) Zeit verplempern mit · (sich) mit Nebensächlichkeiten aufhalten · (sich) nicht aufs Wesentliche konzentrieren · (sich) verlieren (in) · (sich) verzetteln · nicht zum Wesentlichen kommen
Assoziationen
  • (sich) nicht (mehr) zurechtfinden · nicht durchblicken
  • (sich) in Details verlieren · (sich) verzetteln · (zu) sehr in die Einzelheiten gehen · ↗abschweifen · den Überblick verlieren · nicht auf den Punkt kommen · nicht bei der Sache bleiben · unüberlegt drauflosreden · vom (eigentlichen) Thema abkommen · vom Hundertsten ins Tausendste kommen · von Punkt zu Punkt springen  ●  den Faden verlieren  fig. · vom Hölzchen aufs Stöckchen kommen  ugs.
  • den Rahmen sprengen · zu viel werden · zu weit führen
Synonymgruppe
(sich) verzetteln · alles gleichzeitig machen (wollen) · zu viel auf einmal machen (wollen)
Assoziationen
  • Belastung über dem Limit · ↗Überlastung
  • (sich mehrere) Möglichkeiten offen halten  ●  (mehrere) Eisen im Feuer haben  variabel, fig. · auf mehreren Hochzeiten tanzen  ugs., fig.

Typische Verbindungen
computergeneriert

Aktivität Detail Diskussion Einzelaktion Einzelheit Einzelprojekt Front Geschäftsfeld Kleinigkeit Kleinkrieg Kraft Machtkampf Management Mittelfeld Nebenkriegsschauplatz Nebenschauplatz Nebensächlichkeit Querele Regisseur Richtungskampf Streiterei Vergangenheit Vielzahl Zukauf Zweikampf dabei heillos hin oft sonst

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›verzetteln‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Wenn wir auch noch suchen wollten, würden wir uns verzetteln.
Die Zeit, 13.12.2012, Nr. 50
Die Deutschen verzetteln sich nicht wieder, sie raufen sich zusammen.
Der Tagesspiegel, 14.07.2000
Jetzt wurde sie blutig verzettelt und mit einem gewaltigen Überschuß an militärischer Macht unterdrückt.
Mann, Golo: Politische Entwicklung Europas und Amerikas 1815-1871. In: Propyläen Weltgeschichte, Berlin: Directmedia Publ. 2000 [1960], S. 17099
Menschen, die sich verzetteln, halten sich mit verstreuten Nebensächlichkeiten auf.
Krämer, Walter / Sauer, Wolfgang, Lexikon der populären Sprachirrtümer, Frankfurt a. M.: Eichborn 2001, S. 82
Da ich mich am Vortag derart über den Akten verzettelt hatte, stand als erstes Hundeschule auf dem Programm.
Sparschuh, Jens: Der Zimmerspringbrunnen, Köln: Kiepenheuer & Witsch 1995, S. 131
Zitationshilfe
„verzetteln“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/verzetteln>, abgerufen am 06.12.2019.

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