verzweifeln

GrammatikVerb · verzweifelte, ist/hat verzweifelt
Aussprache
Worttrennungver-zwei-feln (computergeneriert)
eWDG, 1977

Bedeutung

die Hoffnung auf die Besserung einer bestehenden Situation verlieren, ohne Hoffnung sein
Beispiele:
am Gelingen einer Arbeit, über den Schwierigkeiten eines Vorhabens verzweifeln
das ist ja zum Verzweifeln!
man muss nicht gleich verzweifeln
er war verzweifelt, weil sie ihm noch immer nicht geantwortet hatte
sie war ganz verzweifelt (= wußte nicht mehr, was sie tun sollte)
in dieser ausweglos erscheinenden Lage hat sie völlig verzweifelt
daß sie anfangs daran verzweifelt hatte [Th. MannBuddenbrooks1,511]
oft im Part. Prät.
verzweifelthoffnungslos
Beispiele:
eine verzweifelte Lage, Situation
er machte ein verzweifeltes Gesicht, war in einer verzweifelten Stimmung, Gemütsverfassung
sie rang verzweifelt die Hände
ein verzweifelter (= wegen höchster Gefahr mit äußerster Anstrengung, Kraft durchgeführter) Befreiungsversuch, Kampf
sich verzweifelt wehren
die Schiffbrüchigen hielten verzweifelt nach einem anderen Schiff Ausschau
sie riefen verzweifelt um Hilfe
die Lage war verzweifelt (= äußerst) ernst
etw. ist verzweifelt schwierig
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Zweifel · zweifeln · bezweifeln · verzweifeln · zweifelhaft
Zweifel m. ‘Bedenken an der Richtigkeit (eines Sachverhalts, einer Tat, einer Entscheidung)’, ahd. zwīfal, zwīval m. n. ‘Ungewißheit, Bedenken’ (8. Jh.), mhd. zwīvel m. ‘Ungewißheit, Unsicherheit, Wankelmut, Untreue, Verzweiflung’, mnd. twīfel m. n., mnl. twīvel, twīfel m., nl. twijfel m., got. tweifls m. (oder tweifl n.) ist Substantivierung des Adjektivs ahd. zwīfal, zwīval (8. Jh.), mhd. zwīvel, frühnhd. zweifel ‘ungewiß, unentschieden, strittig, ungläubig’ (bis 16. Jh., dann durch zweifelhaft, s. unten, abgelöst) und (als ja/jō-Stamm) ahd. zwīfali, zwīvali (8. Jh.), asächs. twīfli ‘zweifelnd’. Es handelt sich bei germ. *tweifla- um ein Kompositum, dessen erstes Glied sich an ie. *du̯ei-, Kompositionsform der unter ↗zwei (s. d.) dargestellten Grundform, anschließt. Das zweite Kompositionsglied entspricht ie. *plo-, einer Form der unter ↗falten (s. d.) genannten Wurzel ie. *pel- ‘falten’. Zu ie. *du̯eiplo- gehören germ. *tweifla- ‘einen zweigeteilten Sinn habend’, eigentlich ‘(unsicher bei) zweifach(er Möglichkeit)’, mir. dīabul ‘zweifach, doppelt’ und zu ie. *du̯iplo- griech. diplóos (διπλόος), lat. duplus ‘zweifach, doppelt’. Schwed. tvivel und dän. tvivl sind Entlehnungen aus dem Mnd. zweifeln Vb. ‘unsicher sein, nicht von der Richtigkeit eines Sachverhalts überzeugt sein’, ahd. zwīfalen (8. Jh.), mhd. zwīvel(e)n ‘in Ungewißheit sein, wankelmütig, untreu werden, verzagen, jmdn. in Verdacht haben’, asächs. twīflian, mnd. twīfelen, mnl. twīvelen, got. tweifljan neben ahd. zwīfalōn (8. Jh.), asächs. twīflon. bezweifeln Vb. ‘mit Zweifeln bedenken, nicht an die Richtigkeit glauben’, mhd. bezwīveln. verzweifeln Vb. ‘verzagen, die Hoffnung auf Besserung verlieren’, mhd. verzwīveln ‘die Hoffnung aufgeben’. zweifelhaft Adj. ‘ungewiß, fraglich, bedenklich’, mhd. zwīvelhaft.

Thesaurus

Synonymgruppe
(die) Hoffnung verlieren · ↗(es) aufstecken · ↗(sich) aufgeben · (sich) verlorengeben · ↗aufgeben · den Mut sinken lassen · den Mut verlieren · hoffnungslos sein · klein beigeben · nicht mehr an sich glauben · ↗verzagen · verzweifeln  ●  den Kopf hängen lassen  ugs., fig. · den Schwanz einziehen  ugs., fig. · ↗schwarzsehen  ugs.
Assoziationen
  • (die Hoffnung) aufgeben · (die) Waffen strecken · (einen) Rückzieher machen · (es mit/bei etwas) bewenden lassen · ↗(es) aufgeben · ↗(es) aufstecken · (etwas) auf sich beruhen lassen · (sich dem) Schicksal ergeben · (sich dem) Schicksal fügen · ↗(sich mit etwas) abfinden · ↗(sich) beugen · (sich) geschlagen geben · aufhören zu kämpfen · ↗kapitulieren · klein beigeben · nicht weiter versuchen · nicht weiterverfolgen · nicht weiterversuchen · ↗passen · passen müssen · ↗resignieren  ●  (das) Feld räumen (müssen)  fig. · ↗aufgeben  Hauptform · (das) Handtuch schmeißen  ugs., fig. · (das) Handtuch werfen  ugs., fig. · (den) (ganzen) Bettel hinschmeißen  ugs. · (den) (ganzen) Bettel hinwerfen  ugs. · (den) (ganzen) Kram hinschmeißen  ugs. · (den) (ganzen) Krempel hinschmeißen  ugs. · (die) Brocken hinschmeißen  ugs. · (die) Brocken hinwerfen  ugs. · (die) Flinte ins Korn werfen  ugs., fig. · (die) Segel streichen  ugs. · ↗(etwas) stecken  ugs. · (sich) ins Bockshorn jagen lassen  ugs. · (sich) schicken (in)  geh., veraltet · ↗abbrechen  ugs. · ↗aufstecken  ugs. · die weiße Fahne hissen  ugs., fig. · ↗einpacken (können)  ugs., fig. · ↗hinschmeißen  ugs. · in den Sack hauen  ugs. · ↗schmeißen  ugs., fig. · ↗zurückrudern  ugs., fig.
  • (sich) klammern (an) · ↗feig · ↗kleinmütig · ↗mutlos · ↗schüchtern · ↗ängstlich  ●  ↗feige  Hauptform · (sich) nichts trauen  ugs., regional · ↗duckmäuserisch  ugs. · ↗hasenfüßig  ugs. · ↗hasenherzig  ugs. · keine Eier in der Hose haben  derb · keinen Arsch in der Hose haben  ugs. · ↗memmenhaft  ugs.

Typische Verbindungen
computergeneriert

Bürokratie Dasein Eltern Finanzlage Gemüt Gott Intellektuelle Lage Menschheit Rechtsstaat Suche anfangs beinahe bisweilen daran darüber erschöpfen fast gelegentlich manchmal mitunter niemals resignieren schier sonst verfallen vollends zuweilen zweifeln Übersetzer

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›verzweifeln‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Die Lektüre lässt einen verzweifeln an ihrer Geschichte wie an der Geschichte überhaupt.
Die Welt, 28.08.2004
Dabei müßte man eigentlich schon in der ersten Szene verzweifeln.
Süddeutsche Zeitung, 08.06.1998
Frauen verzweifeln, weil Männer sie wegficken, sie im Akte wie von sich abstoßen.
Pilgrim, Volker Elis: Manifest für den freien Mann - Teil 1, Reinbek b. Hamburg: Rowohlt 1983 [1977], S. 25
Die Frauen wollen verzweifeln, weil sie nicht wissen, was sie kochen sollen.
Brief von Irene G. an Ernst G. vom 24.09.1939, Feldpost-Archive mkb-fp-0270
Ich tröstete ihn und dachte, er brauche nicht zu verzweifeln.
Klemperer, Victor: [Tagebuch] 1945. In: ders., Ich will Zeugnis ablegen bis zum letzten, Berlin: Aufbau-Taschenbuch-Verl. 1999 [1945], S. 51
Zitationshilfe
„verzweifeln“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/verzweifeln>, abgerufen am 15.12.2018.

Weitere Informationen …

alphabetisch vorangehend alphabetisch nachfolgend
verzwatzeln
verzwatscheln
verzwackt
verzurren
verzürnen
verzweifelt
Verzweiflung
Verzweiflungsakt
Verzweiflungsausbruch
Verzweiflungsruf