Der deutsche Wortschatz von 1600 bis heute.

vespern

Grammatik Verb
Aussprache 
Worttrennung ves-pern
eWDG

Bedeutung

landschaftlich, besonders süddeutsch, österreichisch die Vesper, die Mahlzeit am Nachmittag einnehmen
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Vesper · vespern
Vesper f. ursprünglich auf den frühen Abend fallendes, später bereits für den Nachmittag vorgeschriebenes kanonisches Gebetsopfer, vorletztes der täglichen Stundengebete (in der katholischen Kirche), auch ‘Gottesdienst am Nachmittag oder frühen Abend’ (so in der evangelischen Kirche, vgl. Christvesper), dann ‘Zeit des vorletzten Stundengebets, Nachmittagszeit’ (vgl. Vesperstunde, -zeit, mhd. vesperstunde, -zīt), ahd. vespera (um 900), mhd. vesper ‘vorletzte kanonische Stunde’, Übernahme (zunächst im klösterlichen Bereich) von gleichbed. mlat. vespera (auch in der Pluralform vesperae), lat. vespera ‘Abend, Abendzeit, Abendgegend, Westen’, dem substantivierten Femininum von lat. vesper ‘abendlich’ (als Maskulinum substantivisch ‘Abendstern, Abendzeit, Westen’). Landschaftlich (obd. und md.) ist Vesper außerdem in der Bedeutung ‘kleinere Zwischenmahlzeit am Nachmittag oder frühen Abend’ gebräuchlich (seit Anfang 18. Jh.; neben öst. Jause, s. d.), wohl verkürzt aus vorausgehendem obd. md. Vesperbrot (15. Jh.), daher vielfach mit neutralem Genus. – vespern Vb. ‘die Zwischenmahlzeit am Nachmittag oder frühen Abend einnehmen’ (in regionaler Verwendung, besonders obd. md., 2. Hälfte 18. Jh.).

Verwendungsbeispiele für ›vespern‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Im ziemlich einsamen Gehöft saßen die Leute vespernd in der Küche. [Klemperer, Victor: [Tagebuch] 1919. In: ders., Leben sammeln, nicht fragen wozu und warum, Berlin: Aufbau-Taschenbuch-Verl. 2000 [1919], S. 167]
Nach getaner Arbeit wird mit Kesselfleisch, Bier und Wein aus eigenen Reben ausgiebig gevespert. [Die Zeit, 20.04.1984, Nr. 17]
Er stellt also seinen Trageimer ab und läuft zurück zu der Steinbank, wo er eben gevespert hat. [Langgässer, Elisabeth: Das unauslöschliche Siegel, Hamburg: Claassen 1959 [1946], S. 68]
Es ist ein Unding, allen Forderungen des Daseins ins Auge zu sehen und dann Hörnchen mit Kaffee zu vespern. [Die Zeit, 09.12.1988, Nr. 50]
Dann sitze ich abends in meiner Bude, vespere Brot und Salami aus der Faust und trinke eine Flasche Bier dazu. [Die Zeit, 27.03.1958, Nr. 13]
Zitationshilfe
„vespern“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/vespern>.

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