Der deutsche Wortschatz von 1600 bis heute.

vielleicht

Grammatik Adverb
Aussprache 
Worttrennung viel-leicht
Häufige Falschschreibung villeicht
eWDG

Bedeutungen

1.
drückt eine unsichere Vermutung aus; gibt an, dass die Wahrscheinlichkeit des Ausgesagten zweifelhaft ist   möglicherweise, unter Umständen
Beispiele:
vielleicht hat er sich doch geirrt
vielleicht kannst du es doch noch erreichen
ein Aufenthalt in den Bergen wäre vielleicht erholsamer gewesen
vielleicht geht es leichter, als du denkst
vielleicht fährt er mit dem Auto
er gab dafür eine andere, vielleicht bessere Begründung
vielleicht möchtest du etwas essen?
»wird er den Auftrag übernehmen?« »Vielleicht« (= »wird er den Auftrag übernehmen?« »Es kann sein«)
2.
drückt aus, dass eine Zahlenangabe nicht ganz genau, jedoch annähernd zutreffend ist   etwa, ungefähr
Beispiele:
ich habe vielleicht zehnmal vergeblich dort angerufen
es waren vielleicht hundert Personen gekommen
er war vielleicht fünf Jahre älter als sein Bruder
zehn Tage vielleicht nach jener Unterredung [ Th. MannBuddenbrooks1,107]
3.
umgangssprachlich
Grammatik: partikelhaft
a)
höflich ohne eigentliche Bedeutung; intensivierend; dient zur Umschreibung einer Bitte, Frage   wenn es dir, Ihnen recht ist, nichts ausmacht
Beispiele:
vielleicht bist du so gut und hilfst mir dabei?
vielleicht könnten Sie so freundlich sein, sind Sie so freundlich, das für mich zu erledigen?
würden Sie mir vielleicht sagen, ob …?
darf ich dir vielleicht etwas zu trinken anbieten?
b)
unterstreicht eine energische Forderung   gefälligst, ich erwarte, dass …
Beispiele:
vielleicht benimmst du dich jetzt anständig!
vielleicht sagen Sie mir endlich, was Sie wollen!
vielleicht beeilt ihr euch jetzt ein bisschen!
c)
gibt einer Aussage, Behauptung Nachdruck   wirklich, aber
Beispiele:
der hat vielleicht einen Unsinn geredet!
darüber habe ich mich vielleicht geärgert!
sie haben sich vielleicht aufgespielt!
das war vielleicht ein Schreck
Dieses Wort ist Teil des Wortschatzes für das Goethe-Zertifikat A1.
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

viel · vielerlei · vielfach · Vielfalt · vielfältig · vervielfältigen · vielleicht · vielmehr · Vielweiberei
viel Indef.pron. Adv. Adj. ‘eine große Menge oder Anzahl, zahlreich, sehr, bedeutend’, ahd. filu (8. Jh.), mhd. vil(e), asächs. filo, filu, mnd. vēl(e), mnl. vēle, nl. veel, aengl. feolu, fela, anord. (nur in Zusammensetzungen) fjǫl-, got. filu ist ursprünglich ein substantiviertes Adjektiv (germ. *felu-, neutraler u-Stamm). Es wird daher im Sinne von ‘große Menge’ unflektiert als Substantiv gebraucht (viel hilft viel) und kann dabei einen abhängigen Genitiv bei sich haben (viel Aufhebens). Bei Nominativen und Akkusativen erhält viel den Charakter eines Indefinitpronomens bzw. eines unbestimmten Zahlworts (viel Geld, viel Erfreuliches), in Verbindung mit Verben entwickelt sich adverbieller Gebrauch (viel arbeiten). Schließlich nimmt viel adjektivische Flexion an (viele Leute, vielen Dank). Außergerm. Verwandte sind aind. purū- ‘viel, reichlich’, griech. polýs (πολύς) ‘viel’, lat. plūs ‘mehr’, air. il ‘viel’, so daß von ie. *pelu-, *pḷlu- ‘Menge, viel’, eigentlich ‘füllend’, ausgegangen werden kann, einer Weiterbildung der Wurzel ie. *pel(ə)-, *plē- ‘gießen, fließen, aufschütten, (ein)füllen’ (wozu auch voll, Fülle, fließen, fliegen, s. d.). vielerlei indeklinabel ‘in großer Anzahl und von verschiedener Art, viele verschiedene Dinge’ (16. Jh.); s. -lei. vielfach Adj. ‘viele Male so groß, in gleicher Form oder Art viele Male vorkommend, vielfältig, häufig’ (15. Jh.); s. -fach. Vielfalt f. ‘das Vorhandensein in vielen Arten, große Mannigfaltigkeit’, Rückbildung (Ende 18. Jh.) zu älterem vielfältig (s. unten), zuerst in Gegensatz zu älterem Einfalt. vielfältig Adj. ‘durch Vielfalt gekennzeichnet, mannigfaltig’ (15. Jh.); zu -fältig (s. falten). vervielfältigen Vb. ‘vermehren, vergrößern’ (17. Jh.), älter vielfältigen (16. Jh.); heute speziell ‘einen Text auf mechanischem Wege mehrfach herstellen’. vielleicht Adv. ‘möglicherweise, gegebenenfalls, etwa, gefälligst’, mhd. vil līhte ‘sehr leicht, vermutlich, möglicherweise’. vielmehr Konj. ‘sondern, im Gegenteil, richtiger’, in frühnhd. Zeit (15. Jh.) zusammengerückt aus mhd. vil mēr(e) ‘in noch höherem Grade’, ahd. filu mēr. Vielweiberei f. ‘eheliche Verbindung eines Mannes mit mehreren Frauen’ (Ende 17. Jh.), nach gleichbed. griech. polygamía (πολυγαμία), spätlat. polygamia (s. poly-).

Thesaurus

Synonymgruppe
eventuell · im Fall der Fälle · im Falle, dass · je nachdem · möglicherweise · nicht ausgeschlossen, dass (...) · notfalls · potentiell · potenziell · unter Umständen · vielleicht · womöglich  ●  eventualiter  schweiz. · evtl.  Abkürzung · u.U.  Abkürzung · im Zweifel  ugs., floskelhaft · kann sein, kann nicht sein  ugs. · mögen (Modalverb)  geh.
Oberbegriffe
  • in bestimmten Fällen
Assoziationen
Synonymgruppe
als wahrscheinlich gelten(d) · angenommen werden (es) · anzunehmen sein · davon ausgehen (können) dass · dürfte (+ Infinitiv Perfekt) · mutmaßlich · vielleicht · wahrscheinlich · werden + Partizip 2 (= Futur 2) · wie man sagt · wohl  ●  vermutlich  Hauptform · es heißt (dass)  geh. · zu vermuten stehen (es)  geh.
Assoziationen
Synonymgruppe
(Betrag) plus/minus (Abweichungsbetrag/Toleranz) · Stücker (+ Zahl) · annähernd · annäherungsweise · etwa · gegen · geschätzt · grob (geschätzt) · grob gesagt · in etwa · rund · schätzungsweise · um · vielleicht · zirka  ●  ca.  Abkürzung · circa  Abkürzung · ungefähr  Hauptform · überschlägig  kaufmännisch · (so) in dem Dreh  ugs. · Pi mal Daumen  ugs. · approximativ  fachspr., mathematisch · gefühlt  ugs., Neologismus · lass es (+ Zahl) gewesen sein  ugs. · lass es (+ Zahl) sein  ugs. · mehr oder weniger  ugs. · näherungsweise  geh. · plus/minus (Betrag)  ugs. · so (in) etwa  ugs. · so circa  ugs. · so gegen  ugs. · so um die  ugs. · so ungefähr  ugs. · um den Dreh (rum)  ugs. · um die  ugs. · wohl  geh. · über den Daumen (gepeilt)  ugs.
Assoziationen
Synonymgruppe
kann (schon) sein · könnte sein · mag sein · nicht ausgeschlossen · schon möglich · vielleicht  ●  (da) könntest du recht haben  ugs., Spruch
Synonymgruppe
(doch) vielleicht · allerdings (eingeschoben oder nachgetragen einschränkend) · auch wenn · freilich · wenn auch · zugegebenermaßen

Typische Verbindungen zu ›vielleicht‹ (berechnet)

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›vielleicht‹.

Verwendungsbeispiele für ›vielleicht‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Ohne ihn hätte es den Expressionismus und manch eine andere Strömung der klassischen Moderne vielleicht nie gegeben. [Die Welt, 07.10.2003]
Nun sind Land und Zeit gespenstisch geworden; und solch eine Entwicklung wird von grotesk gespenstischen Biographien gelegentlich bestätigt, vielleicht sogar erklärt. [Süddeutsche Zeitung, 16.03.1994]
Und manch Spleen ist ja vielleicht doch eine prima Idee? [Bild, 29.03.2001]
Und manch anderer wäre da vielleicht bei Lebzeiten begraben geblieben. [Der Tagesspiegel, 06.03.2000]
Ansonsten werde man wie manch anderer Verband "vielleicht im nächsten Jahr mehr taktieren müssen" bei der Aufstellung. [Süddeutsche Zeitung, 28.02.2000]
Zitationshilfe
„vielleicht“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/vielleicht>.

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