virtuell

Grammatik Adjektiv · Komparativ: virtueller · Superlativ: am virtuellsten, Steigerung selten
Aussprache  [vɪʀtuˈɛl]
Worttrennung vir-tu-ell
DWDS-Vollartikel

Bedeutungen

1.
nicht in der Realität vorhanden, dem Betrachter aber echt erscheinend
Kollokationen:
als Adverbialbestimmung: (nur) virtuell existierend
a)
von einer Software simuliert, nur in einer von einer Software geschaffenen Welt existierend
Gegenwort zu real (1)
Kollokationen:
als Adjektivattribut: eine virtuelle Welt, Realität, Reise; ein virtueller Raum, Rundgang, Speicher; eine virtuelle Tastatur, Währung
Beispiele:
Dazu gehört natürlich der Flughafen, über den man an einem Computer ausführlich virtuelle Spaziergänge unternehmen kann. [Berliner Zeitung, 31.01.2004]
20 Seniorinnen und Senioren konnten sich unter fachkundiger Anleitung und in aller Ruhe mit dem Internet vertraut machen und lernten dabei auch, mittels der virtuellen Tastatur Internetadressen einzugeben und aufzurufen[…]. [Saarbrücker Zeitung, 11.04.2018]
Bitcoins sind eine virtuelle Währung. Man trägt sie nicht im Geldbeutel spazieren, beim Bäcker können sie nicht in irgendwelche Ritzen zwischen dem Gebäck fallen. Dennoch sind sie an eine echte Ressource gekoppelt: an Strom. [Süddeutsche Zeitung, 22.05.2018]
Nicht nur der physische Lego‑Stein begegnet einem überall, die Firma vertreibt auch erfolgreich Computerspiele, in denen mit virtuellen Steinen gebaut wird, genauso wie in einer neuen[…] App. [Die Zeit, 14.04.2014, Nr. 15]
Auf CD‑ROM oder als Download aus dem Internet lässt sich jeder Handgriff virtuell und dreidimensional am PC einüben, bevor der Heimwerker in die […] Platte bohrt oder ein Kabel falsch anschließt. [Süddeutsche Zeitung, 13.07.2002]
b)
(nur) im Internet vorhanden, dort angeboten oder stattfindend
Kollokationen:
als Adjektivattribut: ein virtueller Marktplatz, Arbeitsmarkt; eine virtuelle Gemeinschaft, Hochschule, Universität; ein virtuelles Unternehmen, Kaufhaus, Rathaus
als Adverbialbestimmung: etw. virtuell begehen, besichtigen, durchwandern, erkunden
Beispiele:
Aurigas Software […] zählt im Bereich »Virtuelles Banking« (Internet/Mobile Banking) mehr als eine Million Nutzer. [Partner des Bank Blogs, 02.09.2019, aufgerufen am 18.10.2019]
Welche Ämtergänge können problemlos auch virtuell erledigt werden? [Mittelbayerische, 08.01.2019]
Virtueller Kontakt ist mit Vorsicht zu genießen, das gilt um so mehr für ein Treffen. [Die Welt, 18.01.2005]
Wir werden aber nicht nur Lehr‑ und Lern‑Materialien ins Netz stellen, sondern den Stoff im Rahmen einer virtuellen Gruppenarbeit[…] erarbeiten. [Süddeutsche Zeitung, 18.05.2004]
Ein paar Dutzend Leute erfahren, in welchem Café man sich in den nächsten Stunden treffen könnte – und kommen vorbei oder auch nicht. Immerhin: So führt auch die virtuellste, knappste Kommunikation am Ende womöglich wieder zur guten alten Geselligkeit. [Die Zeit, 23.04.2007, Nr. 17] ungewöhnl.
2.
gehoben als gedankliche Möglichkeit gegeben
Kollokationen:
als Adverbialbestimmung: virtuell existierend
Beispiele:
Im Endeffekt sind die Arbeiten Steiners erratische Monumente des Seins. Die Serie Körperwelten lässt offen, ob es sich um organische Körper oder virtuelle Gedankenwesen handelt. Manch Körperteil mag erkennbar scheinen. Haare, Linien, klare Komponenten bilden ihr Spektrum. [Der Standard, 11.02.2015]
Hier nun setzt von seinem Begriff der virtuellen Bewegung die wichtigste Anwendung ein, die wir von ihm selber vernehmen wollen. [Klages, Ludwig: Der Geist als Widersacher der Seele, 3. Band, Teil 1: Die Lehre von der Wirklichkeit der Bilder, Leipzig: Barth 1932, S. 1026]
Die Zahl ist eine virtuell angeborene, adäquate Idee, die aber erst an Beispielen erprobt wird. [Eisler, Rudolf: Philosophen-Lexikon. In: Bertram, Mathias (Hg.) Geschichte der Philosophie, Berlin: Directmedia Publ. 2000, S. 22621. Zitiert nach: Eisler, Rudolf: Philosophen-Lexikon, Berlin: Mittler 1912]
Denn zum Abdriften in eine immer virtuellere Welt gehört eben auch das Wahnsystem, die fixe Idee, mit einer einzigen Formel, auch Matrix, ließe sich die gesamte Welt erklären, ja beherrschen[…] [Frankfurter Allgemeine Zeitung, 08.12.2003] ungewöhnl.

letzte Änderung:

Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

virtuell Adj. ‘möglich, gedacht, als Kraft vorhanden ohne Wirksamkeit’, Entlehnung (19. Jh.) von gleichbed. frz. virtuel, dies zurückgehend auf mlat. virtualis, eine gelehrte scholastische Bildung zu lat. virtūs ‘Tauglichkeit’, eigentlich ‘Tüchtigkeit, Mannhaftigkeit, Tugend’; zu lat. vir ‘Mann’.

Thesaurus

Synonymgruppe
gefühlt · nicht real · ↗scheinbar · virtuell
Assoziationen
  • kein echter (keine echte, kein echtes) · kein richtiger (keine richtige, kein richtiges) · nicht echt · nicht wirklich · sieht nur so aus · ↗trügerisch  ●  (nur) angetäuscht  ugs., fig.

Typische Verbindungen zu ›virtuell‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›virtuell‹.

Zitationshilfe
„virtuell“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/virtuell>, abgerufen am 27.02.2021.

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