visitieren

GrammatikVerb · visitierte, hat visitiert
Aussprache
Worttrennungvi-si-tie-ren (computergeneriert)
HerkunftLatein
Wortbildung mit ›visitieren‹ als Erstglied: ↗Visitation · ↗Visitierung
eWDG, 1977

Bedeutung

veraltend
1.
etw. zum Zwecke der Überprüfung besuchen, besichtigen
Beispiele:
eine Schule, die Dienststelle, eine Anstalt (genau, gründlich, regelmäßig) visitieren
die Akten, Registraturen visitieren (= einsehen)
Ein Jahr später visitierte Kommissär Chevreau neuerlich das Café Mignon [Kisch2,1,298]
2.
etw., jmdn. durchsuchen
Beispiele:
jmds. Wohnung, Kleidung, Taschen visitieren
das Gepäck zollamtlich visitieren
die Reisenden, Gefangenen wurden gründlich visitiert
Wenn wir abends hundemüde ... einrückten, wurden wir visitiert [WeisenbornMemorial179]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

visitieren · Visitation · Visite · Visitenkarte
visitieren Vb. ‘prüfend besichtigen, untersuchen, durchsuchen’, mhd. visitieren ‘besuchen, sich in etw. versenken’, (von Gott) ‘heimsuchen’, (von kirchlichen Aufsichtspersonen) ‘prüfend besichtigen’, entlehnt aus lat. vīsitāre ‘oft sehen, nach jmdm. sehen, besichtigen, besuchen’, kirchenlat. (von Gott) ‘heimsuchen’, Intensivum zu lat. vīsere ‘besichtigen, besuchen’, eigentlich ‘zu sehen wünschen’, seinerseits eine Intensivbildung zu lat. vidēre (vīsum) ‘sehen, wahrnehmen, erkennen’. Im Nhd. vornehmlich geläufig zur Bezeichnung der Kontrolltätigkeit geistlicher und weltlicher Behörden. Visitation f. ‘Besuch, Besichtigung zum Zweck der Überprüfung, Untersuchung, Durchsuchung’, mhd. visitatiōn, aus lat. vīsitātio (Genitiv vīsitātiōnis) ‘das Sehen, Besichtigung, Besuch, Heimsuchung’; die Bedeutungsentwicklung entspricht der des Verbs. Visite f. ‘Arztbesuch (am Krankenbett)’ (um 1700; zuvor vereinzelt unter ital. Einfluß stehendes Visita, 2. Hälfte 16. Jh.), ‘(Höflichkeits)besuch’ (1. Hälfte 17. Jh.), entlehnt aus gleichbed. frz. visite. Visitenkarte f. ‘Karte mit aufgedrucktem Namen (und Adresse) des Besuchers zur Überreichung bei offiziellen Besuchen’ (2. Hälfte 18. Jh.); vgl. gleichzeitig bezeugtes engl. visitingcard und jüngeres frz. carte de visite.

Thesaurus

Synonymgruppe
(bei jemandem) Station machen · (jemandem) seine Aufwartung machen · (sich) begeben zu · ↗aufsuchen · einen Besuch abstatten · visitieren  ●  ↗(jemanden) (mit seinem Besuch) beehren  ironisierend · ↗besuchen  Hauptform · (jemandem) auf die Bude rücken  ugs., salopp · (sich) blicken lassen  ugs. · eine Visite abstatten  geh., veraltet · ↗kommen  ugs.
Unterbegriffe
  • (einen) Kurzbesuch abstatten  ●  auf einen Husch zu jemandem gehen  ugs., regional, variabel · auf einen Sprung vorbeikommen  ugs. · kurz reinspringen (bei)  ugs.
  • (einen) Kurzbesuch abstatten · ↗hereinschauen · ↗vorbeigehen (bei) · ↗vorbeikommen · ↗vorbeischauen (bei) (Besuch)  ●  (sich) (kurz) blicken lassen (bei)  ugs. · auf einen Kaffee mit hochkommen  ugs. · auf einen Kaffee mit reinkommen  ugs. · auf einen Kaffee vorbeikommen  ugs. · ↗reinschauen (bei)  ugs.
  • (irgendwo) Stammgast sein · (irgendwo) häufig verkehren · ↗(regelmäßig / oft) besuchen · ↗frequentieren · häufig besuchen · häufiger Gast sein  ●  häufig unser Gast sein  variabel · oft kommen  ugs.
  • (einen) Hausbesuch machen · (jemandem) einen Hausbesuch abstatten · (jemanden) an seinem Wohnsitz aufsuchen · (jemanden) zu Hause besuchen  ●  (jemandem) auf die Bude rücken  ugs.
  • (die) Bude einrennen · oft aufsuchen · oft besuchen · ständiger Gast sein  ●  (bei jemandem / irgendwo) ein und aus gehen  ugs.
Assoziationen

Typische Verbindungen
computergeneriert

Kloster

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›visitieren‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Als W. Linck 1520 das Kloster visitierte, war es mit 15 Personen besetzt.
Peschke, E.: Sternberg. In: Die Religion in Geschichte und Gegenwart, Berlin: Directmedia Publ. 2000 [1962], S. 37462
Mehrfach hatten seine Mitarbeiter zwar versucht, die Stadtmühle unangekündigt zu visitieren.
Süddeutsche Zeitung, 31.12.1996
Die Visitatoren sollen sich nicht scheuen, auch den Papst zu visitieren.
o. A.: Die mittelalterliche Kirche. In: Jedin, Hubert (Hg.) Handbuch der Kirchengeschichte, Berlin: Directmedia Publ. 2000 [1966], S. 21374
Der Herr Professor visitiert meinen Bauch, schaut mein Pflaster, lange an, entdeckt eine alte Narbe.
Die Zeit, 12.10.1979, Nr. 42
Einige Schwierigkeiten ergaben sich, als Nicolaus einen Teil der Ordensniederlassungen visitierte und gegen die von ihnen unbegründet erhobenen Ablässe einschritt.
Jahresberichte für deutsche Geschichte, 1930, S. 338
Zitationshilfe
„visitieren“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/visitieren>, abgerufen am 25.04.2019.

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