vogelfrei

GrammatikAdjektiv
Aussprache
Worttrennungvo-gel-frei
WortzerlegungVogelfrei
eWDG, 1977

Bedeutung

historisch geächtet, ohne Rechtsschutz
Beispiele:
jmdn. für vogelfrei erklären
daß ich auf Lebenszeit ... verbannt, daß ich vogelfrei und verfemt bin [C. F. MeyerJenatsch1,12]
übertragen rechtlos, schutzlos, verfolgt
Beispiel:
die Arbeiterklasse ist [nach Erlaß des Sozialistengesetzes 1878] vogelfrei für jede Brutalität und Perfidie der Polizei [MehringDt. Geschichte271]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Vogel · vogeln1 · Vogler · Vogelbeere · vogelfrei · Vogelperspektive · Vogelschau
Vogel m. gefiedertes, in der Regel flugfähiges Wirbeltier, ahd. fogal, fugal (8. Jh.), mhd. vogel, asächs. fugal, mnd. vōgel, vāgel, mnl. voghel, nl. vogel, aengl. fugol, engl. fowl (‘Haushuhn’, selten ‘Vogel’), anord. fugl, schwed. fågel, got. fugls (germ. *fugla-). Herkunft unbekannt. Etymologisch wenig befriedigend ist der Versuch, unter Annahme einer Dissimilation des l von germ. *flugla- auszugehen und dieses mit Suffix germ. -la- (ie. -lo-) zu dem unter ↗fliegen (s. d.) behandelten Verb zu stellen. Ebenfalls unsicher ist eine Verbindung mit lit. paũkštis ‘Vogel’, das (mit unterschiedlich weitergebildeten) lit. putýtis ‘Küchlein’, aslaw. pъtica, russ. ptíca (птица) ‘Vogel’ sowie den unter ↗Fohlen (s. d.) genannten Formen an die Wurzel ie. *pōu-, *pū̌- ‘klein, gering, wenig’, vielfach für ‘Junges, Tierjunges, kleines Tier’ anzuschließen ist. Die umgangssprachliche Wendung den Vogel abschießen ‘als Bester abschneiden, die beste Leistung erreichen’ (16. Jh.) stammt vom Vogelschießen, dem Schützenfest auf der Vogelwiese. Auf den Menschen übertragen kommen in frühnhd. Zeit Fügungen auf wie ein lockerer, loser Vogel ‘ein leichtsinniger, leichtfertiger Mensch’, ein seltener Vogel ‘ein sonderbarer, wunderlicher Mensch’. Die umgangssprachliche Wendung einen Vogel haben ‘fixe Ideen haben, überspannt, verrückt sein’ ist literarisch seit dem 19. Jh. bezeugt. vogeln1 Vb. seltener vögeln, ‘Vögel fangen, Vogelfang treiben’, ahd. fogalōn ‘auf Vogelfang ausgehen, Vogelschau anstellen’ (8. Jh.), mhd. vog(e)len, asächs. fugolon, mnd. mnl. vōgelen, aengl. fugelian, fuglian. Auch frühnhd. vogeln ‘aus dem Vogelflug weissagen’. Vogler m. (heute selten) ‘Vogelfänger, -steller’, ahd. fogalāri (9. Jh., für lat. auceps, auch ‘Wahrsager’, für lat. augur), mhd. vogelære, vogeler, noch bekannt als Beiname König Heinrichs I., der Vogler. Vogelbeere f. rote Frucht der Eberesche, als Lockspeise beim Vogelfang verwendet (17. Jh.). vogelfrei Adj. ‘frei von Herrschaftsdiensten, frei wie ein Vogel in der Luft’ (Ende 15. Jh.), ‘rechtlos, ohne gesetzlichen Schutz, geächtet’ (16. Jh.), eigentlich ‘den Vögeln (zum Fraße) freigegeben’, da dem Körper eines Geächteten das Grab versagt wurde. Vogelperspektive f. ‘Sicht von hoch oben, von einem hochgelegenen Blickpunkt aus’ (2. Hälfte 18. Jh.), frz. à vue d’oiseau ‘aus der Sicht des Vogels’ nachgebildet, dafür auch Vogelschau f. (19. Jh.).

Thesaurus

Synonymgruppe
ausgestoßen · geächtet · ↗unwillkommen · verachtet · verfemt · ↗verstoßen · vogelfrei
Assoziationen
Jura
Synonymgruppe
(der Willkür) ausgeliefert · entrechtet · ohne Rechte · ohne Schutz · ↗rechtlos · ↗unbeschützt · vogelfrei · ↗wehrlos  ●  ↗Freiwild  fig. · ↗exlex  lat. · ↗schutzlos  Hauptform
Assoziationen
  • ausgestoßen · geächtet · ↗unwillkommen · verachtet · verfemt · ↗verstoßen · vogelfrei
  • (ganz) auf sich gestellt · (sich) selbst überlassen · ↗(völlig) allein · (völlig) isoliert · allein auf weiter Flur · allein gelassen · auf sich (allein) gestellt · einsam und allein · ganz allein · ↗mutterseelenallein · niemand kümmert sich um · sehr allein · von Gott und allen guten Geistern verlassen
  • angreifbar · ↗empfindlich · ↗ungeschützt · ↗verletzlich · ↗verwundbar
  • nirgends zu Hause · nirgendwo zu Hause · ohne ein (wirkliches) Zuhause  ●  ↗heimatlos  fig. · ↗unbehaust  geh., fig. · ungeborgen  geh., selten
Synonymgruppe
Freiwild · auf der Abschussliste · auf der Todesliste · vogelfrei · zum Abschuss freigegeben

Typische Verbindungen
computergeneriert

Golfer Jude Mieter erklärt

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›vogelfrei‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Sie ist vogelfrei, und sie hat noch sieben Tage zu leben.
Süddeutsche Zeitung, 03.03.2001
Sie ist vogelfrei; das ist immerhin auch eine Art von Freiheit.
Die Zeit, 29.11.1985, Nr. 49
Und er war vogelfrei für jeden, der ihn jagen wollte, aber auch frei zu jeder Wahl.
Kolbenheyer, Erwin Guido: Das dritte Reich des Paracelsus, München: J. F. Lehmanns 1964 [1925], S. 749
Ihre Werke sollten mit andern Worten für vogelfrei erklärt werden.
Goldfriedrich, Johann: Geschichte des Deutschen Buchhandels vom Beginn der klassischen Litteraturperiode bis zum Beginn der Fremdherrschaft. In: Lehmstedt, Mark (Hg.) Geschichte des deutschen Buchwesens, Berlin: Directmedia Publ. 2000 [1909], S. 28928
Seit aber die Monarchie in Ägypten verschwunden ist, sind die armen, leichtfüßigen Töchter des Windes vogelfrei geworden.
Grzimek, Bernhard: Kein Platz für wilde Tiere, Köln: Lingen [1973] [1954], S. 17
Zitationshilfe
„vogelfrei“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/vogelfrei>, abgerufen am 23.09.2019.

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