volatil

Grammatik Adjektiv · Komparativ: volatiler · Superlativ: am volatilsten
Aussprache  [volaˈtiːl]
Worttrennung vo-la-til
Wortbildung  mit ›volatil‹ als Grundform: Volatilität
Herkunft aus volātilislat ‘fliegend, geflügelt, flüchtig’, zu volārelat ‘fliegen’
DWDS-Vollartikel

Bedeutungen

1.
Chemie flüchtig, leicht verdunstend
Beispiele:
[Die Wissenschaftlerin] vom Centrum für Chemie und Biomedizin Innsbruck über die unterschiedlichen Eigenschaften volatiler Stoffe: »Einige der Stoffe sind schädlich, weil sie etwa Reizungen auslösen oder toxisch sind, andere sind nützlich, weil sie beispielsweise zur Kommunikation dienen.« So weiß man, dass Pflanzen über Duftstoffe untereinander oder mit ihrer Umwelt kommunizieren. [Der Standard, 19.02.2013]
Das Fehlen des Wassers wird mit der Big‑Impact‑Theorie erklärt. Diese besagt, dass sich beim Zusammenprall der jungen Erde mit einem grossen Asteroiden eine Trümmerwolke bildete, aus der später der Mond entstand. Alle »volatilen« Stoffe, also auch Wasser, wären in der Hitze der Kollision verdampft. [Neue Zürcher Zeitung, 30.09.2009]
Wohl sind beide Kohlenwasserstoffarten, Methan‑ und Nicht‑Methan‑Kohlenwasserstoffe (d. h. Öl, Benzin, Lösungsmittel usw.), Vorläufersubstanzen für Ozon. Dieses wird bei Sonnenlichteinwirkung in Gegenwart von Stickoxiden aus der oxidativen Umsetzung aller volatilen organischen Kohlenstoffverbindungen (VOC) gebildet. [Neue Zürcher Zeitung, 09.01.1996]
In einem englischen Musiklexikon aus dem Jahre 1879 werden die Leiden [Beethovens] erstmals deutlich als »syphilitische Affekte« angesprochen. […] Als verdächtige Momente galten das mysteriöse Verschwinden des ausgeprägten Gehörs, eine an einem Gipsabguß feststellbare Deformation von Beethovens Schädel, eine angeblich quecksilberhaltige »volatile Salbe«, mit der er gegen seine rheumatischen Schmerzen eingerieben wurde (Quecksilber wurde damals als Heilmittel gegen Syphilis benutzt). [Der Spiegel, 19.09.1956]
2.
Finanzwesen von Aktien- und Währungskursen, Preisen, Märkten o. Ä.   stark schwankend, unbeständig; von starken, sprunghaften Veränderungen geprägt
Kollokationen:
als Adjektivattribut: ein volatiler Kursverlauf, Handelsverlauf, Handelstag, Handel; eine volatile Marktentwicklung, Kursentwicklung, Kursbewegung; volatile Rohstoffpreise, Finanz-, Kapital- und Aktienmärkte, Aktienkurse, Wechselkurse
als Prädikativ: der Kursverlauf, der Markt, das [konjunkturelle] Umfeld ist volatil
mit Adverbialbestimmung: [die Preise entwickeln sich] äußerst, extrem, sehr, weiterhin, zunehmend, weniger, aktuell volatil
als Adverbialbestimmung: [die Märkte, Kurse] verhalten, entwickeln, präsentieren, zeigen sich volatil; [die Börsenkurse] verlaufen, bleiben, reagieren volatil
in Koordination: volatil, unsicher und nervös
Beispiele:
Der Cocktail aus politischen Krisen, volatilen Rohstoffmärkten und einer generellen Verlangsamung der Weltkonjunktur schafft für alle Nationen Probleme, die am globalen Handel hängen, die schwächsten trifft es allerdings besonders. [Die Welt, 11.02.2020]
In den Wochen vor Ostern hat die [isländische] Krone – eine der volatilsten Währungen der entwickelten Welt – rund einen Fünftel an Wert verloren. Sowohl die globale Kreditkrise als auch die Angst um die Entwicklung des isländischen Bankensektors trugen zur Schwächung des Wechselkurses bei. [Neue Zürcher Zeitung, 27.03.2008]
Spekulanten verdienen ihr Geld, wenn die Preise springen – je unberechenbarer, desto besser; auf die Richtung kommt es dabei gar nicht an. Nervöse, volatile Märkte erfreuen die Spieler. [Die Zeit, 14.08.1997]
Der US‑Dollar […], der oft an einem einzigen Tag mehrere Pfennig an Wert gewinnt oder verliert, hat eine hohe Volatilität. Generell sind die Finanzmärkte in den vergangenen Jahren volatiler geworden, und dies dürfte sich auch fortsetzen. [Volatilität. In: Aktuelles Lexikon 1974–2000. München: DIZ 2000 [1990]]
metonymischÜber die künftig Entwicklung an den Aktienmärkten herrscht weiter große Unsicherheit. Die Commerzbank sieht in den nächsten Wochen weiterhin sehr volatile Börsen. [Berliner Zeitung, 08.07.2002]
übertragen unbeständig, unsicher, unberechenbar
Beispiele:
Angesichts der volatilen Lage in der Region und der weltweiten Corona‑Krise war es höchste Zeit, dass Israel eine funktionsfähige Regierung bekommt. [Die Welt, 22.04.2020]
Ich glaube, dass die Zyklen, in denen eine Partei die Regierungsverantwortung erhält, kürzer werden. Die Wähler sind ungebundener und volatiler in ihrem Wahlurteil als früher. [Berliner Zeitung, 06.08.2005]
Für die Protestanten [Nordirlands] Ausdruck ihrer Identität, werden sie [die allsommerlichen Umzüge des Oranier-Ordens] von Katholiken als triumphalistische Machtdemonstration abgelehnt. Das Atmosphäre im Land ist in dieser Zeit sehr volatil, an bestimmten Brennpunkten kommt es regelmäßig zu Ausschreitungen. [Der Standard, 11.07.2005]
Dabei sind es nicht die technischen Restrisiken, die den Versicherern Sorgen bereiten. Am meisten fürchten sie den Konsumenten. Denn der verhält sich im Umgang mit neuen Techniken zum Leidwesen der Assekuranzen »volatil«. [Die Zeit, 15.04.1999]
Menschliche Neigungen sind unbeständig, besonders volatil ist die Zuneigung. [Die Zeit, 22.12.1998]

letzte Änderung:

Thesaurus

Synonymgruppe
flüchtig · nicht durchgängig (zu beobachten) · nicht in der Konstanz · nicht kalkulierbar · nicht kontinuierlich · nicht persistent · nicht vorhersehbar · schwankend · sporadisch · sprunghaft · unbeständig · unstet · volatil  ●  floatend  fachspr. · frei flottierend  ugs. · mal so, mal so  ugs.
Assoziationen
Synonymgruppe
schaukelnd · schwankend · schwenkend · wechselvoll  ●  volatil  fachspr.
Assoziationen

Typische Verbindungen zu ›volatil‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›volatil‹.

Zitationshilfe
„volatil“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/volatil>, abgerufen am 02.12.2021.

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