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volkseigen

Grammatik Adjektiv · ohne Steigerung
Aussprache  [ˈfɔlksʔaɪ̯gən]
Worttrennung volks-ei-gen
Wortzerlegung Volk -eigen
DWDS-Vollartikel

Bedeutungen

1.
in der DDR und anderen sozialistischen Ländern   im Eigentum des Staates befindlich, verstaatlicht
Kollokationen:
mit Adjektivattribut: ein volkseigener Betrieb; ein volkseigenes Kombinat; volkseigene Güter; volkseigenes Vermögen; die volkseigene Wirtschaft, Industrie
als Prädikativ: der Betrieb wurde volkseigen
Beispiele:
Der volkseigene Betrieb war laut Definition »staatlich‑sozialistisch« und sein Wirken »auf die Hebung des Wohlstands der Werktätigen gerichtet«. [die tageszeitung, 16.06.1990]
Die mit Physikern und Technologen besetzten Forschergruppen bildeten die Basis für das spätere Werk für Fernsehelektronik. 1952 ziehen sich die Sowjets aus der Führung zurück, die sowjetische Aktiengesellschaft wird volkseigener Betrieb. [Der Tagesspiegel, 19.12.2020]
Am 20. 10. 1948 wurde das staatliche Einzelhandelsunternehmen HO (Handelsorganisation) gegründet, das die volkseigenen Verkaufseinrichtungen und Gaststätten bewirtschaften und das Einzelhandelsnetz ausweiten sollte. [Tippach-Schneider, Sabine: Das große Lexikon der DDR-Werbung. Berlin: Schwarzkopf & Schwarzkopf 2002, S. 138]
Er war maßgeblich am Aufbau der volkseigenen (= auf dem Grundsatz des Staatseigentums beruhenden) Wirtschaft beteiligt, arbeitete […] später als Mitarbeiter des ZK der SED. [Baumgartner, Gabriele / Hebig, Dieter (Hg.): Biographisches Handbuch der SBZ/DDR. Berlin: Directmedia Publ. 2000 [1997], S. 13295]
Die Debatte im Posener Woiwodschafts‑Haus ist typisch für die immer härter werdende Auseinandersetzung in Polen um den Transfer einst volkseigener Betriebe in private Hand. [Der Spiegel, 04.01.1993]
Die Verpachtung volkseigener oder privater Gewässer zur Ausübung des Angelsports ist an Einzelpersonen nur zulässig, wenn die Gewässer zuvor dem DAV (= Deutscher Anglerverband) […] angeboten und von diesem abgelehnt worden sind. [Zeiske, Wolfgang: Angle richtig! Berlin: Sportverl. 1974 [1959], S. 179]
selten, spöttisch aus der Produktion der staatlichen Wirtschaft der DDR (oder anderer sozialistischer Länder) stammend; in der DDR (oder anderen sozialistischen Ländern) beheimatet; Ausstrahlung und Flair der DDR (oder anderer sozialistischer Länder) verkörpernd, verbreitend
Beispiele:
Den Tiefpunkt markieren Fernsehsendungen, die die DDR als Nummernrevue aus Trabant, volkseigenem Waschmittel und ostdeutscher Popmusik inszenieren. [Neue Zürcher Zeitung, 27.08.2003]
[…] sie tippte Bestellformulare auf ihrer treuen, wenn auch volkseigenen [Schreibmaschine] Optima. [Alle Amseln sind schwarz, 07.04.2010, aufgerufen am 21.07.2020]
Mit Kritik am volkseigenen Design wurde ebenfalls nicht hinterm Berg gehalten: »Die Schwappsicherheit des Kännchens muss erhöht werden.« [Der Standard, 18.09.2002]
Dann bogen aus der Friedrichstraße 5.000 Volkspolizisten ein. Vorweg 40 Mann Militärmusik und 193 Bannerträger. Halb rot, halb schwarz‑rot‑gold. Hinterdrein die volkseigene Generalität. [Der Spiegel, 07.05.1949]
2.
selten dem gesamten Volk als Eigentum gehörig
Beispiel:
Norwegens Erdölreserven werden als volkseigenes Familiensilber betrachtet, das in den Augen der Wähler unter keinen Umständen zu einem Schleuderpreis verhökert werden darf. [Neue Zürcher Zeitung, 27.07.2001]
3.
veraltend für ein Volk charakteristisch, zum Volk gehörig, im Volk lebendig
siehe auch Volk (1)
Beispiele:
Ich liebe das echt volkseigene Ideenleben der Deutschen und ergehe mich gern in seinen Irrgängen, aber in steter Begleitung des Lebendignatürlichen. [Mauthner, Fritz: Wörterbuch der Philosophie. In: Bertram, Mathias (Hg.): Geschichte der Philosophie. Berlin: Directmedia Publ. 2000 [1910], S. 25890]
Die Schau ist in neun chronologische Kapitel unterteilt. Das erste beleuchtet die diversen Versuche, im Zeitalter der entstehenden Nationalstaaten zwischen 1789 und 1848 »volkseigene« Charakteristika in der Architektur zu definieren. [Neue Zürcher Zeitung, 29.06.2013]
Diese volkseigene Überlieferung an Tanz und Spiel ist auch der Forschung im allgemeinen viel weniger bekannt, als etwa das Volksmärchen. [Thiele, Ernst Otto (Hg.): Das germanische Erbe in der deutschen Volkskultur. München: Hoheneichen 1939, S. 139]

letzte Änderung:

Typische Verbindungen zu ›volkseigen‹ (berechnet)

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›volkseigen‹.

Zitationshilfe
„volkseigen“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/volkseigen>.

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