voluntativ

Grammatik Adjektiv · ohne Steigerung
Aussprache [volʊntaˈtiːf]
Worttrennung vo-lun-ta-tiv
Herkunft aus voluntātīvuslat, Adjektiv zu voluntāslat ‘Wille’

Bedeutungsübersicht+

  1. 1. [Philosophie] den Willen betreffend
    1. ● [Jura] vorsätzlich, willentlich, absichtlich
  2. 2. [Sprachwissenschaft] den Modus des Wunsches ausdrückend
Duden, GWDS, 1999 und DWDS

Bedeutungen

1.
Philosophie den Willen betreffend
Beispiele:
Zwar dürfen dem Wertungsakt des Richters auch voluntative Elemente immanent sein. Deren Legitimität ist jedoch begrenzt; daß eine Rechtsentscheidung nicht zur Willensentscheidung werden darf, liegt auf der Hand. [Die Zeit, 08.10.2003]
Bauwerke sprechen zu uns, und ihnen zuzuhören hilft, herauszufinden, wer wir sein möchten. Die Frage nach der guten Architektur lässt sich umformulieren in die Frage nach dem guten Leben. Ein Baustil ist so sehr Bekenntnis, dass ihm ein zutiefst voluntatives Moment eignet. [Süddeutsche Zeitung, 26.04.2008]
Es geht hierbei nicht um die vegetative Todesfurcht, die die Menschen mit allen anderen Tieren teilen. Es geht vielmehr um ein voluntatives Verhältnis zu dem sicheren, wenn auch zeitlich unbestimmten Ende des Lebens. Die Frage ist, warum die meisten Menschen nicht sterben wollen. [Die Zeit, 13.01.2000]
[Der Philosoph Wilhelm Dilthey] vertritt eine »voluntative Daseinstheorie«. Dasein wird hierbei im Kantischen Sinne als Vorhandensein verstanden. Das »Sein der Gegenstände ist nur in der Trieb‑ und Willensbezogenheit unmittelbar gegeben«. [Heidegger, Martin: Sein und Zeit. Tübingen: Niemeyer 1986 [1927], S. 210]
Jura vorsätzlich, willentlich, absichtlichDWDS
Beispiele:
Für einen Vorsatz braucht man Wissen und Wollen der Tatbestandsverwirklichung. Das heißt, dass ein Täter die Tat so wollen und auch alle zur Tat gehörenden Umstände geistig erfassen muss. Man hätte den Tätern also nachweisen müssen, dass sie den Rentner töten wollten. Wenn es an diesem voluntativen Element mangelt, muss man darauf abstellen, was die Täter wissen konnten. Dass ein Tritt gegen den Kopf tödlich sein kann, dürfte den meisten Menschen bewusst sein. In der Rechtslehre ist die Frage, inwieweit das Wissen um eine Tatbestandsverwirklichung das schwerer nachweisbare voluntative Element verzichtbar macht, äußerst umstritten. [Das ist eine Hassgeste, 10.07.2008, aufgerufen am 19.08.2020]
Direkter Vorsatz liegt vor, wenn der Täter als sicher annimmt, dass seine Handlung zu dem Taterfolg führen wird, auch wenn ihm dieser Erfolg nicht wichtig ist oder er ihn sogar bedauert: A zündet ein Wohnhaus an, um die Versicherung zu betrügen; dass der Mieter B ums Leben kommt, tut ihm leid, ist aber »nicht zu vermeiden«. Kompliziert ist der »bedingte Vorsatz«: Die Rechtsdogmatik trennt zwischen »kognitivem Element« (Täter weiß, dass der Erfolg eintreten kann) und »voluntativem Element« (Täter nimmt den Erfolg »billigend in Kauf«). [Die Zeit, 07.03.2017 (online)]
Wie aber lässt sich im Nachhinein feststellen, welcher Raser den Tod eines Menschen – gar seinen eigenen – willentlich in Kauf genommen hat und welcher nicht? Das voluntative Vorsatzelement wird nicht festgestellt, sondern unterstellt bzw. zugeschrieben. [Neue Zürcher Zeitung, 10.03.2007]
2.
Sprachwissenschaft den Modus des Wunsches ausdrückend
Beispiel:
Dagegen [gegen den Ausdruck persönlichen Wunschdenkens] spricht bereits der Wortlaut des Dokuments, das nicht voluntativ formuliert ist, sondern bestehende Strukturen und Verantwortlichkeiten beschreibt […]. [Deutsche Teilorganisation eines ausländischen Vereins, 07.03.2017, aufgerufen am 01.09.2020]

letzte Änderung:

Zitationshilfe
„voluntativ“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/voluntativ>, abgerufen am 01.12.2021.

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