vor
GrammatikPräposition (mit Dat., mit Akk.)
Aussprache
Wortbildung mit ›vor‹ als Erstglied: ↗Vorkriegsgeneration · ↗Vorkriegsintelligenz · ↗Vorkriegsjahr · ↗Vorkriegsstand · ↗Vorkriegszeit · ↗Vorkurs · ↗Vorschlussrunde · ↗voreinander · ↗voreinst · ↗vorgestern · ↗vorvorgestern
 ·  Ableitung von ›vor‹: ↗vor-  ·  formal verwandt mit: ↗vorm · ↗vors
eWDG, 1977

Bedeutung

siehe auch vorm, vors
I.
räuml.
1.
mit Dat.
bezeichnet ein Lageverhältnis   auf, an der Vorderseite, der dem Beobachter zugewandten Seite von
Gegenwort zu hinter1
Beispiele:
er stand vor dem Rathaus, wartete vor dem Bahnhof
das Auto hielt vor dem Postamt
kannst du vor dem Kino auf mich warten?
kannst du vorm Kino auf mich warten? umgangssprachlich
sie trafen sich kurz vor der Kreuzung
sie fuhren zu einem vor (= außerhalb von) der Stadt gelegenen Ausflugslokal
der Schreibtisch steht vor dem Fenster
sie steht vor dem Spiegel
wir standen vor verschlossener Tür (= trafen niemanden an)
vor dem Nebensatz muss ein Komma stehen
das Buch liegt vor mir auf dem Tisch
vor jmdm. auf den Knien liegen
eine schwarze Binde vor den Augen haben
es war so finster, dass man die Hand nicht vor (den) Augen sehen konnte
das Heft liegt ja vor deiner Nase umgangssprachlich
jmdm. die Tür vor der Nase zuschlagen umgangssprachlich
auch bei einer Bewegung in gleicher Richtung
Beispiele:
er geht vor den anderen her, trägt die Fahne vor ihnen her
der Hund rennt vor dem Fahrrad her
weit vor dem Hauptfeld der Rennfahrer liegt eine kleine Spitzengruppe
das Schiff segelt vor dem Winde
2.
mit Akk.
bezeichnet ein Richtungsverhältnis   auf, an die Vorderseite, die dem Beobachter zugewandte Seite von
Gegenwort zu hinter1
Beispiele:
er fuhr bis vor den Bahnhof, bis vor das Rathaus
er fuhr bis vors Rathaus umgangssprachlich
sie stellte sich vor den Spiegel
der Reporter holte den Sieger vor das Mikrofon
er wollte das Pferd vor den Wagen spannen
so kann ich doch nicht vor meinen Vater treten
er stellte mir den Koffer gerade vor die Füße
er setzte vorsichtig Fuß vor Fuß
sich [Dativ] beim Niesen, Husten die Hand vor den Mund halten
er bekam einen Schlag vor den Kopf, vor die Stirn
wie vor den Kopf geschlagen sein (= verblüfft, wie betäubt sein) umgangssprachlich
3.
räuml.
übertragen
a)
mit Dat.
entsprechend der Bedeutung von vor1 (Lesart I 1)
Beispiele:
vor jmdm. aufstehen, den Hut ziehen
er musste vor Gericht erscheinen
vor Gericht, vor dem Richter stehen
er hat ein bestimmtes Ziel vor Augen (= arbeitet auf ein bestimmtes Ziel hin)
vor ihm steht eine schwere Aufgabe
ich stehe vor einem Rätsel (= kann mir etw. nicht erklären)
der Winter, Weihnachten steht vor der Tür (= kommt bald)
jeder kehre vor seiner Tür (= jeder kümmere sich um seine eigenen Schwächen)
der Zug ist mir vor der Nase weggefahren umgangssprachlich
er hat ein Brett vor dem Kopf (= begreift nichts) salopp
der Ton liegt auf ›vor‹
Beispiele:
etw., jmdn. in Gedanken vor sich sehen
etw. (noch) vor sich haben
etw. noch tun müssen, noch nicht beendet haben
Beispiel:
er hat noch eine große Arbeit vor sich
b)
mit Akk.
entsprechend der Bedeutung von vor1 (Lesart I 2)
Beispiele:
eine Sache vor Gericht bringen
die Sache kommt vor Gericht, vor den Richter
sich schützend vor jmdn. stellen
jmdn. vor eine Entscheidung, vor vollendete Tatsachen, vor die Wahl stellen
(sich) [Dativ] kein Blatt vor den Mund nehmen (= ohne Scheu sprechen, geradeheraus reden)
Perlen vor die Säue werfen (= jmdm. etw. geben, was er nicht zu schätzen weiß) umgangssprachlich
jmdn. vor den Kopf stoßen (= beleidigen, kränken) umgangssprachlich
jmdn. vor seinen Karren spannen (= jmdn. für seine Interessen einsetzen, ausnutzen) umgangssprachlich
etw. vor die Hunde werfen (= etw. verkommen lassen, vergeuden) umgangssprachlich
vor die Hunde gehen (= zugrunde gehen) umgangssprachlich
er brummte, murmelte, sprach vor sich hin (= leise für sich, nicht an einen Partner gewandt)
4.
mit Dat.
losgelöst von räuml. Vorstellung; bezeichnet die Rangordnung
Gegenwort zu nach1, hinter1
Beispiele:
jmdm. vor einem andern, einer Sache vor einer andern den Vorzug geben
die Rettung von Menschenleben hat den Vorrang vor allen anderen Maßnahmen
der Größe nach kommt Dresden vor Leipzig
in diesem Wettkampf siegte A vor seinem Mannschaftskameraden B
Gnade vor Recht ergehen lassen (= von einer Bestrafung absehen)
vor allen (anderen) Dingen, vor allem (= besonders, in erster Linie)
II.
mit Dat., zeitl.
1.
bezeichnet einen Zeitpunkt, der einem anderen Zeitpunkt oder Vorgang vorausgeht
Gegenwort zu nach1
der Zeitpunkt ist bestimmt
Beispiele:
es ist fünf Minuten vor sieben Uhr
das geschah einen Tag vor seiner Abreise, sechs Wochen vor der Prüfung
Rom soll im Jahre 753 vor unserer Zeitrechnung, vor Christus gegründet worden sein
der Zeitpunkt ist nicht ganz genau, jedoch annähernd angegeben
Beispiele:
die Spiel beginnt nicht vor acht Uhr
das war noch vor dem ersten Weltkrieg, vor meiner Geburt
vor dem Fest gab es viel Arbeit
was geschah vor seiner Ankunft, kurz vor dem Unfall?
ich erledige das noch vor dem Essen, vor Tisch
er wird nicht vor Abend zu Hause sein
ich erzähle es dir vor dem Schlafengehen, morgen vor dem Unterricht
der Bescheid kann nicht vor Ablauf von vierzehn Tagen ergehen
der Bescheid kann nicht schon vor vierzehn Tagen ergehen umgangssprachlich
er kam kurz vor Toresschluss (= im letzten Augenblick)
er hat schon vor deiner Zeit (= bevor du hinkamst) in dieser Abteilung gearbeitet
vor der Zeit (= zu früh, außergewöhnlich zeitig) war sie grau geworden gehoben
man soll den Tag nicht vor dem Abend loben (= man muss erst das Ende abwarten) sprichwörtlich
2.
bezeichnet einen Zeitpunkt, der eine (bestimmte) Zeitspanne zurückliegt
Beispiele:
vor einem Jahr (= es ist ein Jahr her, dass ..., ein Jahr ist vergangen, seit ...)
vor knapp einer Stunde, vor drei Tagen, vor vier Wochen ist er angekommen
der Dichter wurde hier vor zweihundert Jahren geboren
das stand vor kurzem (= kürzlich) in der Zeitung
ich erfuhr es vor einiger, geraumer Zeit
es geschah schon vor langer Zeit, vor Jahren, vor Jahr und Tag
3.
bezeichnet eine zeitl. Reihenfolge   eher als; früher als
Gegenwort zu nach1, entsprechend der Bedeutung von vor1 (Lesart I 4)
Beispiele:
er ist vor mir an der Reihe, kommt vor mir
die anderen waren vor mir angekommen, waren vor uns da
vor den Nachrichten lief eine Musiksendung
er starb vor seinem Vater
sie hatte vor ihm schon einen anderen Freund gehabt
Hochmut kommt vor dem Fall sprichwörtlich
III.
mit Dat.
drückt eine allgemeine Beziehung aus
1.
bezeichnet die Hinwendung zu einer Person oder Personengruppe, auf deren Anwesenheit die Handlung, der Vorgang bezogen ist   in jmds. Gegenwart, Beisein, jmdm. gegenüber
Beispiele:
ein Konzert vor geladenen Gästen, vor ausverkauftem Hause
er sagte das vor den versammelten Schülern
der Politiker gab vor der Weltöffentlichkeit eine Erklärung ab
er hat das vor Zeugen erklärt, versichert
vor jmdm. Zeugnis ablegen
er wollte vor den anderen, vor sich selbst bestehen können
er tut das öffentlich vor allen Leuten, vor den Augen der Nachbarn, vor aller Welt
»Städter« nannte uns der Krämer vor den Bauern [BecherAbschied4,314]
übertragen
Beispiel:
ein großer Jäger, Angler, Gärtner vor dem Herrn (= ein guter Jäger, Angler, Gärtner) umgangssprachlich
2.
weist auf eine Sache, Person hin, die Anlass für ein bestimmtes Verhalten ist   im Hinblick auf, in Bezug auf, einer Sache, jmdm. gegenüber
die Sache, Person erfordert eine gewisse Zurückhaltung, Distanz
Beispiele:
Achtung, Respekt, Ehrfurcht vor jmdm., vor dem Gesetz, Leben haben
die Achtung vor jmdm. verlieren
er hat Scheu vor fremden Menschen
du brauchst dich vor uns nicht zu schämen
vor jmdm. ein Geheimnis haben
die Sache, Person führt eine unangenehme Empfindung, Gemütsbewegung herbei
Beispiele:
Angst, Furcht vor einem überlegenen Gegner, vor ernsten Konsequenzen haben
sie empfindet ein Grauen vor dieser Umgebung
wir fürchteten uns, zitterten vor diesem Menschen
er entsetzte sich, erschrak vor dem Bild
es war ihnen bange vor der Prüfung
ekelt sie sich vor Spinnen?
Heinrich, mir grauts vor dir [GoetheFaustI 4610]
die Sache, Person weckt das Bestreben, sie zu meiden, ihren Einfluss zu verhindern
Beispiele:
vor einer Gefahr, vor dem Regen Schutz suchen
vor dieser Krankheit kann man sich schützen
ich muss euch vor seinen Absichten warnen
jmdn. vor einer Enttäuschung bewahren
du brauchst das vor uns nicht zu verbergen, zu verstecken
das Wild war vor ihm geflohen
hüte dich vor seinem Zorn!
jetzt haben wir endlich Ruhe vor ihm, sind wir vor ihm sicher
IV.
kausal mit Dat. eines artikellosen Nomens
gibt den Grund für einen Zustand, für eine Gemütsbewegung und deren unwillkürliche Äußerung an   wegen, bewirkt durch
Beispiele:
vor Freude, Glück strahlen
vor Angst zittern, ganz außer sich sein
mein Herz stand still, stockte vor Schreck
sie weinte vor Wut, war wie gelähmt vor Entsetzen
er errötet vor Scham, ist rot vor Zorn, wird blass, bleich vor Furcht
vor Schmerzen schreien
sie wusste vor Arbeit nicht mehr aus und ein
unsere Hände waren klamm vor Kälte, schmerzten vor Frost
die Kleidung des Jungen starrte vor Schmutz
in dem Zimmer war vor Qualm nichts zu sehen
sich nicht mehr halten können vor Lachen umgangssprachlich
vor Hunger und Durst umkommen umgangssprachlich
die Zunge klebt mir vor Durst am Gaumen umgangssprachlich
es war nicht auszuhalten vor Hitze umgangssprachlich
das ganze Haus steht vor Aufregung kopf umgangssprachlich
vor Ärger, Neid, Neugierde, Einbildung platzen salopp
ein ... erblühtes Mädchen, frischfarbig und hübsch vor Gesundheit und Kraft [Th. MannBuddenbrooks1,449]
übertragen
Beispiele:
er sieht den Wald vor Bäumen nicht umgangssprachlich
ihm läuft vor Ärger die Galle über umgangssprachlich
er war grün vor Galle umgangssprachlich
gelb vor Neid werden salopp
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

vor · voran · voraus · vorauf · vorher · vorhin · vorab · vorerst · vorüber · vorbei · vorig
vor Präp. Adv. in präpositionaler Verwendung zunächst ein räumliches Verhältnis ausdrückend (ursprünglich nur mit Dat. die Ruhelage, ‘an der vorderen, sichtbaren Seite von’, im Nhd. ebenso mit Akk. die Bewegungsrichtung dorthin), dann auch (mit Dat.) zeitliche, kausale und andere Beziehungen kennzeichnend; der bis ins ältere Nhd. lebendige adverbielle Gebrauch (‘vorn, nach vorn, früher’) findet sich heute nur noch resthaft (vgl. nach wie vor ‘weiterhin, immer noch’), setzt sich aber in mit vor- trennbar zusammengesetzten Verben (daraus verkürzt Aufforderungen wie Freiwillige vor!) und sich an diese anschließenden Substantiven fort. Ahd. fora (8. Jh.), mhd. vor(e), asächs. for(a), fore, far, mnd. vȫr, mnl. vōre, voor, nl. voor, afries. aengl. fore, got. faúra beruhen auf germ. *fur(a), das wie aind. purā́ ‘vormals, früher’, griech. pára, pará (πάρα, παρά) ‘daneben, dabei, von … her, neben, bei, entlang’ auf ie. *pərā̌ bzw. *pṛ- zurückgeht. Dieses gehört ebenso wie ie. *pəri-, *pri- (germ. *furi, woraus ahd. furi, mhd. vür(e), nhd. für) zu ie. *per ‘das Hinausführen über’ (s. auch ↗ver-). Die lokalen Präpositionen ahd. fora, mhd. vor(e) und ahd. furi, mhd. vür(e) (zur Lage- bzw. Richtungsangabe) unterscheiden sich im wesentlichen nur durch die Kasusrektion. Im älteren Nhd. tritt dann Unsicherheit des Gebrauchs ein, die durch Neuregelung der Grammatiker seit dem 18. Jh. überwunden wird; s. ↗für. Adverbielles vor verbindet sich mit anderen Adverbien zu Komposita wie voran Adv. ‘vorn, an der Spitze, nach vorn, vorwärts’, älter auch ‘vorher, früher’ (16. Jh., zuvor schon füran, 15. Jh.); voraus Adv. ‘vorn, vornweg, vorwärts, vorher’, mhd. vorūʒ (substantiviert in der Wendung im voraus, 18. Jh., älter zum voraus, 17. Jh., zu voraus, 15. Jh.); vorauf Adv. ‘vorn, voraus’, auch ‘vorher’ (17. Jh.); vorher Adv. ‘vor diesem Zeitpunkt, früher’, älter auch räumlich ‘voraus, hervor’, mhd. vürher, vorher; vorhin Adv. ‘vor kurzer Zeit, eben erst’ (18. Jh.), älter ‘vorher, früher’, auch räumlich ‘voraus’, mhd. vorhin, vorhen; vorab Adv. ‘erst einmal, vorher, im voraus, vor allem’ (15. Jh.). Die Präposition ist enthalten in den Bildungen vorerst Adv. ‘erst einmal, zunächst’ (17. Jh., älter vor erst, Anfang 16. Jh., im 18./19. Jh. auch fürerst; vgl. fürs erste, frühnhd. fur das erste, 16. Jh., daneben vors erste, 18. Jh.), vorüber Adv. ‘herbei und seitlich sich entfernend, vergangen’ (16. Jh., zunächst neben fürüber; vgl. frühnhd. vor etw. über) und wohl ebenso in vorbei Adv. ‘vorüber, vergangen’ (17. Jh.), mnd. vörbī, vȫr(e)bī. vorig Adj. ‘zuletzt vergangen, unmittelbar vorausgegangen’, älter auch allgemein ‘früher, vergangen’ (15. Jh.), attributiv gebräuchliche Adjektivableitung vom Adverb vor (s. oben).

Thesaurus

Synonymgruppe
im Voraus · im Vorfeld (einer Sache) · im Vorhinein · ↗vorab · ↗vorher · ↗vorweg · ↗zuvor
Assoziationen
Zitationshilfe
„vor“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/vor#1>, abgerufen am 20.09.2017.

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vor
GrammatikAdverb
Aussprache
Wortbildung mit ›vor‹ als Erstglied: ↗vorig · ↗vorlings · ↗vorwärts
 ·  mit ›vor‹ als Letztglied: ↗bevor · ↗davor · ↗hervor · ↗hiervor · ↗wovor · ↗zuvor
eWDG, 1977

Bedeutungen

1.
drückt eine räuml. Vorwärtsbewegung aus   nach vorn
Beispiele:
Freiwillige vor!
Ablösung vor!
und nun zwei Schritte vor!
da gibt's kein Zurück und kein Vor mehr [BöllZug31]
2.
norddeutsch, umgangssprachlich
siehe auch davor, hiervor, wovor
Beispiele:
da liegt ein Stein vor
hier muss er sich vor hüten
wo hast du Angst vor?
3.
nach wie vor
siehe auch nach2 (Lesart 2)
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

vor · voran · voraus · vorauf · vorher · vorhin · vorab · vorerst · vorüber · vorbei · vorig
vor Präp. Adv. in präpositionaler Verwendung zunächst ein räumliches Verhältnis ausdrückend (ursprünglich nur mit Dat. die Ruhelage, ‘an der vorderen, sichtbaren Seite von’, im Nhd. ebenso mit Akk. die Bewegungsrichtung dorthin), dann auch (mit Dat.) zeitliche, kausale und andere Beziehungen kennzeichnend; der bis ins ältere Nhd. lebendige adverbielle Gebrauch (‘vorn, nach vorn, früher’) findet sich heute nur noch resthaft (vgl. nach wie vor ‘weiterhin, immer noch’), setzt sich aber in mit vor- trennbar zusammengesetzten Verben (daraus verkürzt Aufforderungen wie Freiwillige vor!) und sich an diese anschließenden Substantiven fort. Ahd. fora (8. Jh.), mhd. vor(e), asächs. for(a), fore, far, mnd. vȫr, mnl. vōre, voor, nl. voor, afries. aengl. fore, got. faúra beruhen auf germ. *fur(a), das wie aind. purā́ ‘vormals, früher’, griech. pára, pará (πάρα, παρά) ‘daneben, dabei, von … her, neben, bei, entlang’ auf ie. *pərā̌ bzw. *pṛ- zurückgeht. Dieses gehört ebenso wie ie. *pəri-, *pri- (germ. *furi, woraus ahd. furi, mhd. vür(e), nhd. für) zu ie. *per ‘das Hinausführen über’ (s. auch ↗ver-). Die lokalen Präpositionen ahd. fora, mhd. vor(e) und ahd. furi, mhd. vür(e) (zur Lage- bzw. Richtungsangabe) unterscheiden sich im wesentlichen nur durch die Kasusrektion. Im älteren Nhd. tritt dann Unsicherheit des Gebrauchs ein, die durch Neuregelung der Grammatiker seit dem 18. Jh. überwunden wird; s. ↗für. Adverbielles vor verbindet sich mit anderen Adverbien zu Komposita wie voran Adv. ‘vorn, an der Spitze, nach vorn, vorwärts’, älter auch ‘vorher, früher’ (16. Jh., zuvor schon füran, 15. Jh.); voraus Adv. ‘vorn, vornweg, vorwärts, vorher’, mhd. vorūʒ (substantiviert in der Wendung im voraus, 18. Jh., älter zum voraus, 17. Jh., zu voraus, 15. Jh.); vorauf Adv. ‘vorn, voraus’, auch ‘vorher’ (17. Jh.); vorher Adv. ‘vor diesem Zeitpunkt, früher’, älter auch räumlich ‘voraus, hervor’, mhd. vürher, vorher; vorhin Adv. ‘vor kurzer Zeit, eben erst’ (18. Jh.), älter ‘vorher, früher’, auch räumlich ‘voraus’, mhd. vorhin, vorhen; vorab Adv. ‘erst einmal, vorher, im voraus, vor allem’ (15. Jh.). Die Präposition ist enthalten in den Bildungen vorerst Adv. ‘erst einmal, zunächst’ (17. Jh., älter vor erst, Anfang 16. Jh., im 18./19. Jh. auch fürerst; vgl. fürs erste, frühnhd. fur das erste, 16. Jh., daneben vors erste, 18. Jh.), vorüber Adv. ‘herbei und seitlich sich entfernend, vergangen’ (16. Jh., zunächst neben fürüber; vgl. frühnhd. vor etw. über) und wohl ebenso in vorbei Adv. ‘vorüber, vergangen’ (17. Jh.), mnd. vörbī, vȫr(e)bī. vorig Adj. ‘zuletzt vergangen, unmittelbar vorausgegangen’, älter auch allgemein ‘früher, vergangen’ (15. Jh.), attributiv gebräuchliche Adjektivableitung vom Adverb vor (s. oben).

Thesaurus

Synonymgruppe
im Voraus · im Vorfeld (einer Sache) · im Vorhinein · ↗vorab · ↗vorher · ↗vorweg · ↗zuvor
Assoziationen
Zitationshilfe
„vor“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/vor#2>, abgerufen am 20.09.2017.

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