Der deutsche Wortschatz von 1600 bis heute.

vorbeugen

Grammatik Verb
Aussprache 
Worttrennung vor-beu-gen
Wortzerlegung vor- beugen
Wortbildung  mit ›vorbeugen‹ als Erstglied: Vorbeugung
eWDG

Bedeutungen

1.
einen Körperteil, sich nach vorn beugen
Beispiele:
den Oberkörper vorbeugen
mit vorgebeugtem Kopf dasitzen
er beugte sich weit, plötzlich vor
um etw. sehen zu können, mussten wir uns vorbeugen
sie arbeitete vorgebeugt
2.
(einer Sache) vorbeugen(einer Sache) vorausschauend entgegenwirken, durch rechtzeitige Vorsorge etw. zu verhüten suchen
Beispiele:
einem Konflikt, möglichen Angriffen vorbeugen
durch Verhandlungen sollte der Gefahr einer militärischen Auseinandersetzung vorgebeugt werden
einer Krankheit, Seuche vorbeugen
durch eine vernünftige Lebensweise kann man Erkältungen vorbeugen
sprichwörtlich vorbeugen ist besser als heilen
vorbeugendvorsorglich, präventiv, prophylaktisch
Grammatik: oft im Partizip I
Beispiele:
vorbeugende Maßnahmen
die Aufgaben des vorbeugenden Gesundheitsschutzes, Brandschutzes
eine vorbeugende Untersuchung, Impfung, Erholungskur
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

beugen · Beugung · Beuge · verbeugen · Verbeugung · vorbeugen
beugen Vb. ‘nach unten biegen, krumm machen, neigen’, ahd. bougen ‘beugen, biegen, krümmen, neigen’ (10./11. Jh.), mhd. böugen, asächs. bōgian, aengl. bīegan, anord. beygja, schwed. böja. Das Kausativum germ. *baugjan (eigentlich ‘biegen machen’) ist gebildet zu dem unter biegen (s. d.) behandelten starken Verb, das in den germ. Sprachen weitgehend intransitive Bedeutung hat. Da im Hd. biegen aber überwiegend transitiv gebraucht wird, haben sich beugen und biegen einander so weit genähert, daß sie semantisch nicht immer klar zu scheiden sind. beugen ist vor allem ‘niederbeugen’, übertragener Gebrauch ist häufiger als bei biegen: seinen Stolz beugen (‘brechen’); sich beugen ‘nachgeben, sich fügen’; fachsprachlich das Recht beugen ‘willkürlich verdrehen’; Lichtstrahlen, Ultrakurzwellen beugen (‘brechen, ablenken’). Bei den Grammatikern steht beugen seit etwa 1400 (in dt. Donat-Ausgaben) für ‘deklinieren’ (lat. dēclīnāre), seit etwa 1700 für ‘flektieren’, vgl. noch heute Substantive beugen, schwach, stark gebeugte Verben. Beugung f. entsprechend den Bedeutungen von beugen seit Anfang des 15. Jhs. belegt; als Fachwort der Grammatik vereinzelt (um 1400, Donat) für lat. dēclīnātio, doch im Sinne von ‘Konjugation’; danach erst wieder im 17. Jh. für ‘Flexion’. Beuge f. ‘gebeugte Stellung, innere Seite des gebeugten Armes, Beines’, mhd. biuge ‘Krümmung, Biegung’. In allgemeiner Verwendung meist durch Beugung ersetzt, geläufig dagegen in Rumpf- und Kniebeuge. verbeugen Vb. in frühnhd. Zeit gleichbed. mit verbiegen ‘durch Herunterdrücken krümmen’; heute reflexiv (beim Grüßen oder als Zeichen der Ehrerbietung) ‘Kopf und Oberkörper nach vorn neigen’ (seit 18. Jh.); dazu Verbeugung f. (18. Jh.). vorbeugen Vb. ‘durch rechtzeitige Vorsorge etw. zu verhüten suchen’ (16. Jh.), ‘nach vorn, vorwärts beugen’ (18. Jh.).

Thesaurus

Synonymgruppe
(sich) bücken · (sich) vorbeugen · den Rücken beugen · den Rücken krümmen
Synonymgruppe
(einer Sache) zuvorkommen · (etwas) vorsehen · (sich) absichern gegen · (sich) vorbereiten (auf) · Vorkehrungen treffen (gegen) · Vorsichtsmaßnahmen ergreifen (gegen) · Vorsorge treffen (gegen) · vorsorgen (für)  ●  (einer Sache) vorbeugen  Hauptform · vorbauen  fig.

Typische Verbindungen zu ›vorbeugen‹ (berechnet)

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›vorbeugen‹.

Verwendungsbeispiele für ›vorbeugen‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Er hüpfte wie ein Rabe, den glänzenden schwarzen Kopf vorgebeugt. [Reimann, Brigitte: Franziska Linkerhand, Berlin: Neues Leben 1974, S. 70]
Da beugt er sich vor und greift nach ihren Händen. [Horster, Hans-Ulrich [d.i. Rhein, Eduard]: Ein Herz spielt falsch, Köln: Lingen 1991 [1950], S. 187]
Heute kann man zwar vorbeugen, ein wirkungsvolles Gegenmittel existiert aber noch nicht. [Die Zeit, 12.12.1997, Nr. 51]
Nur wenn man gezielt mit den Gruppen arbeitet, lässt sich vorbeugen. [Die Zeit, 27.02.2012, Nr. 09]
Vor allem muß der Herr stehend eine straffe Haltung, leicht vorgebeugt, einnehmen, wenn er vorgestellt wird. [Volkland, Alfred: Überall gern gesehen. In: Zillig, Werner (Hg.) Gutes Benehmen, Berlin: Directmedia Publ. 2004 [1941], S. 22897]
Zitationshilfe
„vorbeugen“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/vorbeugen>.

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