vornehm

GrammatikAdjektiv
Aussprache
Worttrennungvor-nehm
Wortbildung mit ›vornehm‹ als Erstglied: ↗Vornehmheit · ↗Vornehmtuer  ·  mit ›vornehm‹ als Letztglied: ↗scheißvornehm · ↗stinkvornehm · ↗unvornehm
eWDG, 1977

Bedeutungen

1.
sich durch bestimmte Eigenschaften auszeichnend, von besonderer Feinheit
a)
der charakterlichen Veranlagung nach anständig, verständnisvoll und zurückhaltend
Beispiele:
man schätzte die vornehme Gesinnung, Haltung, Denkungsart dieses Mannes, lobte sein (wirklich) vornehmes Wesen
sie übten vornehme Zurückhaltung
das ist sehr vornehm gedacht
beide waren sie vornehme Menschen [HesseNarziß5,23]
b)
der äußeren Erscheinung nach vollendet, von Geschmack zeugend
Beispiele:
ihm gefiel die vornehme Ausstattung des Buches
diese Polstergarnitur, Farbkombination wirkt sehr vornehm, sieht vornehm aus
die Wohnung ist (wirklich, äußerst) vornehm eingerichtet
Seine Kleidung ist vornehm, doch verkommen [P. WeissMaratPersonenverzeichnis 7]
c)
veraltend in seinem Verhalten Anstand, Würde zeigend
Beispiele:
ein vornehmer alter Herr
das war eine vornehme Geste von ihm
ihr Auftreten hat etw. Vornehmes
in seiner weltmännisch vornehmen Art [le FortTor32]
d)
veraltend zur Oberschicht der Gesellschaft gehörend, durch Wohlhabenheit, gute Lebensverhältnisse deren Norm repräsentierend
Beispiele:
er war ein vornehmer Herr geworden, verkehrte in der vornehmen Gesellschaft, Welt
das ist eine vornehme Gegend, ein vornehmes Viertel
sie bewohnten eine vornehme Villa am Rande der Stadt
ein vornehmes (= elegantes) Hotel, Lokal
e)
abwertend eingebildet, hochmütig
Beispiele:
du bist für diese Arbeiten wohl zu vornehm?
das ist ein ganz Vornehmer!
dünkelhaft, geziert
Beispiel:
sie spricht immer sehr vornehm, tut schrecklich vornehm
2.
nur im Superlativ, attributiv
gehoben wichtigst, erstrangig
Beispiele:
wir hielten es für unsere vornehmste Aufgabe, die Ideale der Humanität zu verwirklichen
den Menschen zu helfen, ist die vornehmste Pflicht des Arztes
in etw. sein vornehmstes Ziel sehen
politische Selbständigkeit ... deren Wahrung die vornehmste Sorge der Bürgerschaft war [Natur u. Heimat1954]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

vornehm · Vornehmheit · vornehmlich
vornehm Adj. ‘sich durch Zurückhaltung und gutes Benehmen auszeichnend, Anstand, Würde zeigend, geschmackvoll, elegant’, mhd. vürnæme, (md.) vornæme, vornēme ‘vorzüglich, ausgezeichnet, vornehm’, nhd. auch fürnehm (bis ins 18. Jh.), gebildet mit der unter ↗für, ↗vor (s. d.) dargestellten Präposition zu dem unter ↗nehmen (s. d.) behandelten Verb (wie ↗angenehm, ↗genehm, s. d.), also eigentlich ‘aus einer Menge hervor-, herauszunehmen’, daher ‘hervorragend’ und ‘wichtig’, nhd. (verengt) häufig ‘von höherem Rang und Stand, von edler Herkunft, hoher gesellschaftlicher Stellung’, aber auch ‘hochherzig, anständig, nobel’. Beim Superlativ vornehmst (wie auch bei vornehmlich, s. unten) bleibt die ältere Bedeutung ‘sehr wichtig, vorrangig, hauptsächlich’ bewahrt. Vornehmheit f. ‘vornehme Art, vornehmes Wesen’ (18. Jh.), älter (vereinzelt) Fürnehmheit (Ende 15. Jh.). vornehmlich Adv. ‘vor allem, insbesondere, hauptsächlich’ (Anfang 17. Jh.), älter adjektivisch ‘sich anmaßend, vor anderen wichtig, von vornehmer Abstammung’ (15. Jh.). Daneben bis ins 18. Jh. auch fürnehmlich.

Thesaurus

Synonymgruppe
adlig · ↗distinguiert · ↗edel · ↗erhaben · ↗illuster · von gehobener Eleganz · vornehm  ●  ↗hehr  veraltet · ↗erlaucht  geh.
Assoziationen
Synonymgruppe
betont vornehm · ↗elegant · ↗fein · ↗nobel · vornehm  ●  ↗distinguiert  geh.
Oberbegriffe
Assoziationen
Antonyme
Synonymgruppe
Ehrfurcht gebietend · ↗anspruchsvoll · beeindruckend · ↗erhaben · ↗hehr (Ziel o.ä.) · ↗hoch · ↗hochfliegend · ↗hochgesteckt · vornehm · vornehmst  ●  ↗toll  ugs.
Assoziationen
Synonymgruppe
elegant · ↗exklusiv · ↗extravagant · ↗fein · ↗mondän · ↗nobel · vornehm
Assoziationen

Typische Verbindungen
computergeneriert

Abkunft Arrondissement Aufgabe Avenue Badeort Blässe Dame Eleganz Geschlecht Gesinnung Hotel Pflicht Römer Salon Schweigen Stadtteil Stadtviertel Umschreibung Understatement Villa Villenviertel Villenvorort Vorort Wohngegend Wohnviertel Zurückhaltung gekleidet umschreiben zurückhalten zurückhaltend

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›vornehm‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Ausgiebig konnten sie sich wieder an diesem vornehmen Stil delektieren.
Der Tagesspiegel, 19.01.1999
Was den Verkauf der glänzenden Scheiben angeht, vor allem bei der Zahl der Titel, halten sie sich aber noch vornehm zurück.
Süddeutsche Zeitung, 03.09.1997
Am vornehmsten ist es, nur drei Finger der Hand zu benutzen.
Elias, Norbert: Über den Prozeß der Zivilisation - Soziogenetische und psychogenetische Untersuchungen Bd. 1, Frankfurt a. M.: Suhrkamp 1992 [1939], S. 64
Und die innere Einheit dieses Reiches in dieser Stadt zu wahren, ist meine vornehmste Pflicht.
o. A.: Einsetzung des Gauleiters Karl Kaufmann als Reichsstatthalter von Hamburg sowie Vereidigung des neuen Hamburger Senats, 20.05.1933
So ehrend das für mich war, so bezeichnend war es für die vornehme Denkweise jener Herren.
Voß, Ernst: Lebenserinnerungen und Lebensarbeit des Mitbegründers der Schiffswerft von Blohm & Voß. In: Simons, Oliver (Hg.) Deutsche Autobiographien 1690-1930, Berlin: Directmedia Publ. 2004 [1924], S. 8681
Zitationshilfe
„vornehm“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/vornehm>, abgerufen am 23.03.2019.

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