Der deutsche Wortschatz von 1600 bis heute.

vornehmen

Grammatik Verb · nimmt vor, nahm vor, hat vorgenommen
Aussprache 
Worttrennung vor-neh-men
Wortzerlegung vor- nehmen
Wortbildung  mit ›vornehmen‹ als Grundform: Vornahme

Bedeutungsübersicht+

  1. 1. [umgangssprachlich] etw., jmdn. nach vorn nehmen
    1. einen Körperteil nach vorn bewegen
  2. 2. [umgangssprachlich] ⟨etw. vornehmen⟩ sich etw. vorbinden
    1. [übertragen] ⟨eine Maske vornehmen⟩ seinen wahren Charakter verbergen
  3. 3. [umgangssprachlich] ⟨(sich) etw., jmdn. vornehmen⟩ sich mit etw., jmdm. zu beschäftigen beginnen
  4. 4. [umgangssprachlich] ⟨sich jmdn. vornehmen⟩ jmdn. zur Rede stellen, zurechtweisen
  5. 5. ⟨sich etw. vornehmen⟩ etw. beabsichtigen, planen, den Entschluss fassen, etw. zu tun
  6. 6. etw. stattfinden lassen, ausführen, machen
    1. [papierdeutsch] dient zur Umschreibung eines Verbalbegriffs
eWDG

Bedeutungen

1.
umgangssprachlich etw., jmdn. nach vorn nehmen
Beispiele:
kannst du diesen Tisch (zu dir, in dein Zimmer) vornehmen?
er nimmt den Besucher mit zum Ausgang vor
einen Körperteil nach vorn bewegen
Beispiele:
er nahm die Schultern vor
die Arme vornehmen
2.
umgangssprachlich etw. vornehmensich etw. vorbinden
Beispiele:
sie nahm eine Schürze vor
nimm doch die Serviette vor!
übertragen eine Maske vornehmenseinen wahren Charakter verbergen
Beispiel:
Wir … sehen den Dichter im Dunkeln die Maske vornehmen [ WedekindFrühlings ErwachenIII 7]
3.
umgangssprachlich (sich) [Dativ] etw., jmdn. vornehmensich mit etw., jmdm. zu beschäftigen beginnen
Beispiele:
er nahm (sich) ein Buch, die Zeitung vor
sie nimmt Wäsche zum Ausbessern, ihre Arbeit vor
der Arzt nahm (sich) einen Patienten nach dem anderen vor
Als ich … endlich vorgenommen wurde (= an der Reihe war) [ KeunMitternacht79]
4.
umgangssprachlich sich [Dativ] jmdn. vornehmenjmdn. zur Rede stellen, zurechtweisen
Beispiele:
ich habe mir den Burschen (gründlich, tüchtig, ordentlich) vorgenommen
er will sich den Jungen gleich nachher vornehmen
5.
sich [Dativ] etw. vornehmenetw. beabsichtigen, planen, den Entschluss fassen, etw. zu tun
Beispiele:
ich habe mir (im Stillen) vorgenommen, diese Arbeit noch zu Ende zu führen
er hat sich für morgen schon etw. vorgenommen
für den Abend nahm ich mir einen Theaterbesuch vor
6.
etw. stattfinden lassen, ausführen, machen
Beispiele:
eine (feierliche) Amtshandlung, Trauung, Haussuchung, Versteigerung vornehmen
der Arzt nimmt eine gründliche Untersuchung vor
die an dem Text vorgenommenen Korrekturen
regelmäßig vorzunehmende Überprüfungen
papierdeutsch dient zur Umschreibung eines Verbalbegriffs
Grammatik: in Verbindung mit einem Substantiv, das eine Tätigkeit bezeichnet
Beispiele:
der Bürgermeister nahm die Eröffnung der Ausstellung vor (= der Bürgermeister eröffnete die Ausstellung)
eine gute, sorgfältige Auswahl vornehmen (= gut, sorgfältig auswählen)
eine Abänderung vornehmen (= etw. abändern)
eine Trennung vornehmen (= etw. trennen)

Thesaurus

Synonymgruppe
ausführen · durchführen · effektuieren · in die Praxis umsetzen · ins Werk setzen · realisieren · umsetzen · verwirklichen · vornehmen
Assoziationen
Synonymgruppe
(einen) Plan fassen · (sich etwas) vornehmen · (sich) Ziele setzen · (sich) Ziele stecken · (sich) anschicken · (sich) daranmachen · planen  ●  (sich etwas) auf die Fahnen schreiben  fig. · in den Blick nehmen  fig. · Pläne schmieden  ugs. · ins Auge fassen  ugs.
Synonymgruppe
(jemandem etwas) nicht durchgehen lassen · zur Rechenschaft ziehen  ●  (sich jemanden) vornehmen  Hauptform · (sich jemanden) greifen  ugs. · (sich jemanden) kaufen  ugs., veraltend · (sich jemanden) vorknöpfen  ugs. · (sich jemanden) zum Geburtstag schenken  ugs. · (sich jemanden) zur Brust nehmen  ugs.
Assoziationen

Typische Verbindungen zu ›vornehmen‹ (berechnet)

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›vornehmen‹.

Verwendungsbeispiele für ›vornehmen‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Die bei deutschen Banken vorgenommenen Kontrollen lassen Mißbräuche in dieser Richtung kaum noch zu. [Die Zeit, 26.05.1978, Nr. 22]
Ich widerspreche nicht der von Ihnen in Ihrem Buch vorgenommenen Analyse. [Die Zeit, 17.01.1977, Nr. 03]
Nun nimmt sich der Vater die Mutter vor und dreht sie an der Nase. [Kursbuch, 1971, Bd. 24]
Ich nahm mir vor, dieses Mal auf andere Weise vorzugehen. [Hasler, Ulrich E.: Eubiotik, Heidelberg: Haug 1967, S. 41]
Die quantitative Bestimmung des Zinks nimmt man zweckmäßig kolorimetrisch vor. [Sandermann, Wilhelm: Grundlagen der Chemie und chemischen Technologie des Holzes, Leipzig: Geest & Portig 1956, S. 461]
Zitationshilfe
„vornehmen“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/vornehmen>.

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