vorsehen

GrammatikVerb · sieht vor, sah vor, hat vorgesehen
Aussprache
Worttrennungvor-se-hen
Wortzerlegungvor-sehen
eWDG, 1977

Bedeutungen

1.
etw. ins Auge fassen, planen
Beispiele:
wir haben für das Wochenende einen Theaterbesuch vorgesehen
der Plan sieht eine Verbesserung der Arbeitsorganisation vor
das Gesetz sieht solche Maßnahmen nicht vor
die vorgesehene Höhe der Kosten
etw., jmdn. für etw., jmdn. in Aussicht nehmen
Beispiele:
dieser Wissenschaftler ist für eine Professur vorgesehen
er hatte diesen Ort als Urlaubsziel, das Geschenk für mich vorgesehen
2.
sich vorsehensich in acht nehmen, aufpassen
Beispiele:
sieh dich vor, wenn du über die Straße gehst!
bei ihm muss man sich vorsehen
wir sahen uns (vor ihm) vor, da wir die Gefahr erkannt hatten
vorsehen (bitte)! (= warnender Ausruf)
3.
etw. sieht voretw. ist sichtbar, nicht völlig verdeckt
Beispiele:
der Unterrock sieht vor
das Kleid sieht unter dem Mantel vor
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

sehen · Sehe · Seher · sehenswürdig · Sehenswürdigkeit · Sehkraft · absehen · absehbar · ansehen · Ansehen · Ansicht · Ansichtskarte · angesehen · ansehnlich · aufsehen · Aufsehen · Aufseher · Aufsicht · beaufsichtigen · aussehen · Aussehen · Aussicht · nachsehen · Nachsicht · vorsehen · Vorsehung · Vorsicht · vorsichtig · versehen · Versehen · Zuversicht
sehen Vb. ‘mit dem Gesichtssinn wahrnehmen’. Mit ahd. sehan (8. Jh.), mhd. sehen, asächs. sehan, mnd. sēn, mnl. sien, nl. zien, afries. sia, aengl. sēon, engl. to see, anord. sjā, schwed. se, got. saíƕan (germ. *sehwan) sind verwandt ahd. gisiuni ‘Anblick, Erscheinung, Aussehen’ (8. Jh.), asächs. siun ‘Auge’, aengl. sīen ‘Aussehen’, anord. sjōn ‘Blick, Auge’, got. siuns ‘Gesicht, Gestalt’; s. auch die Verbalabstrakta ↗Sicht und ↗Gesicht. Außergerm. sind vergleichbar air. rosc (aus *prosk‐ͧo-) ‘Auge, Blick’, alban. sheh ‘sieht’, hethit. šakuwa (Plur.) ‘Augen’ sowie auch griech. hépesthai (ἕπεσθαι) ‘folgen, begleiten’, aind. sácatē ‘begleitet, steht zur Seite, geht nach, folgt’, lat. sequī ‘(nach)folgen, begleiten, verfolgen, gehorchen’, air. sechithir ‘folgt’. Man nimmt daher eine Bedeutungsentfaltung ‘folgen, mit den Augen folgen, sehen’ an, hervorgegangen aus der Wurzel ie. *seku̯- ‘wittern, spüren’ (vom Hund bei der Jagd), die sich in einem zweiten Bedeutungsstrang zu ‘zeigen, ankündigen’ (s. ↗sagen) entwickelt hat. Sehe f. ‘Pupille, Sehvermögen, Ansicht’, ahd. seha (9. Jh.), mhd. sehe; heute noch landschaftlich. Seher m. ‘Prophet’ (16. Jh.); vgl. mhd. sternseher. sehenswürdig Adj. ‘berühmt, außergewöhnlich und daher des Ansehens wert’ (18. Jh.); Sehenswürdigkeit f. (Anfang 19. Jh.). Sehkraft f. ‘Sehvermögen des Auges’ (Anfang 18. Jh.), älter Sehenskraft (Ende 17. Jh.). absehen Vb. ‘durch Beobachtung erlernen, woraus erkennen, merken, überblicken’ (16. Jh.), ‘auf etw. abzielen’ (17. Jh., dazu s. ↗Absicht), ‘verzichten’ (18. Jh.), mhd. abesehen ‘hinabsehen’; absehbar Adj. ‘überschaubar, erkennbar’ (18. Jh.), in absehbarer Zeit ‘bald’ (Ende 19. Jh.). ansehen Vb. ‘seinen Blick auf etw. richten, betrachten’, ahd. anasehan (8. Jh.), mhd. anesehen; Ansehen n. ‘Erscheinung’, auch (seit 16. Jh.) ‘Achtung, Wertschätzung’, mhd. anesehen ‘Anblick, Angesicht’; Ansicht f. ‘Seite, von der etw. betrachtet wird, Anblick, Bild’, auch (seit 19. Jh.) ‘Meinung’, ahd. anasiht (9. Jh.), mhd. anesiht ‘Anblick’; Ansichtskarte f. ‘Postkarte mit Landschaftsbild’ (Ende 19. Jh.); angesehen Part.adj. ‘geachtet’ (Anfang 18. Jh.); frühnhd. angesehen, (daß) … ‘in Anbetracht’. ansehnlich Adj. ‘angesehen, stattlich, wohlgefällig anzusehen’ (Ende 15. Jh.). aufsehen Vb. ‘emporschauen’, ahd. ūfsehan (um 900), mhd. ūfsehen; Aufsehen n. ‘(öffentliche) Beachtung’, spätmhd. ūfsehen; Aufseher m. ‘Aufsichtführender, Wächter’, spätmhd. ūfseher; Aufsicht f. ‘das Aufpassen, Kontrolle’ (16. Jh.); beaufsichtigen Vb. ‘(über etw.) die Aufsicht haben, kontrollieren’ (Anfang 19. Jh.). aussehen Vb. ‘einen bestimmten Anblick bieten’ (16. Jh.), vgl. mhd. ūʒsehen ‘hinaussehen’; Aussehen n. ‘äußere Erscheinung’ (17. Jh.), ‘Aussicht, Ausblick’ (16. Jh.); Aussicht f. ‘Blick in die Ferne’ (17. Jh.), ‘Zukunftsmöglichkeit, Erwartung’ (18. Jh.). nachsehen Vb. ‘hinterherschauen’, mhd. nāchsehen, auch ‘nachforschen’ (17. Jh.), ‘duldend geschehen lassen, verzeihen’ (16. Jh.); Nachsicht f. ‘verzeihende Haltung’ (18. Jh.), ‘Beaufsichtigung’ (17. Jh.). vorsehen Vb. ‘sich in acht nehmen, planen, in Aussicht nehmen’, ahd. furisehan ‘vorhersehen’ (8. Jh.), forasehan ‘vorhersehen, bedenken’ (9. Jh.), mhd. vür-, vorsehen ‘vorwärts sehen, sich in acht nehmen, wofür Sorge tragen’; Vorsehung f. ‘Schicksal’, mhd. vürsehunge ‘Obsorge, Schutz, Schicksal’; Vorsicht f. ‘Achtsamkeit, Behutsamkeit’, ahd. forasiht ‘Voraussicht, Vorsehung’ (um 1000, für lat. prōvidentia), spätmhd. vorsiht; vorsichtig Adj. ‘achtsam, behutsam’, ahd. forasihtīg ‘vorherschauend, voraussehend’ (um 1000), mhd. vür-, vorsihtic ‘voraussehend, einsichtig, verständig’. versehen Vb. ‘sich um etw. kümmern, ausstatten, ausrüsten, sich irren’, ahd. firsehan ‘verachten, verschmähen’ (8. Jh.), sih firsehan ‘bedacht sein’ (9. Jh.), mhd. versehen ‘vorhersehen, vorherbestimmen, besorgen, ausstatten, versorgen, übersehen, verachten, hoffen auf’; Versehen n. ‘Irrtum, unbeabsichtigter Fehler’ (17. Jh.), häufig aus Versehen ‘ohne Absicht’ (Anfang 19. Jh.). Zuversicht f. ‘Vertrauen in die Zukunft’, ahd. zuofirsiht ‘ehrfurchtsvolles Aufschauen, Hoffen’ (um 1000), mhd. zuoversiht.

Thesaurus

Synonymgruppe
disponieren · ↗prädisponieren · ↗vorausplanen · vorsehen
Synonymgruppe
(Mittel) bewilligen · ↗(einen) Haushaltstitel einrichten (erstellen / anlegen / erzeugen...) für · Ausgaben einplanen · in den Haushalt einstellen · vorsehen
Assoziationen
Synonymgruppe
einplanen · ↗einschließen · vorsehen
Synonymgruppe
(jemandem etwas) auftragen · (jemanden) betrauen (mit) · Auftrag erteilen · ↗beauftragen · ↗bestimmen · ↗designieren · in Auftrag geben · ins Stammbuch schreiben · ↗verdingen · vorsehen · ↗zuweisen  ●  ↗mandatieren  veraltet
Synonymgruppe
(die) Augen offen haben · (die) Augen offen halten · (sehr) aufmerksam sein · (sich) vorsehen · ↗Acht geben · Vorsicht walten lassen · ↗aufpassen · vorsichtig sein
Unterbegriffe
  • (ein) waches Auge haben (auf) · (etwas) im Blick haben · (jemandem/etwas) Beachtung schenken · (sein) Augenmerk richten (auf) · ↗beachten · ↗beobachten · ↗bewachen · ↗hüten · ↗zuschauen · ↗zusehen  ●  (etwas) in Evidenz halten  österr. · (etwas) im Auge behalten  ugs. · ein Auge auf etwas werfen  ugs.
Synonymgruppe
einberaumen · ↗einplanen · vorsehen
Synonymgruppe
(auf etwas) gefasst sein · (auf etwas) vorbereitet sein · (sich) vorsehen

Typische Verbindungen
computergeneriert

Abbau Abkommen Ausgabe DM Entwurf Erhöhung Euro Gesetz Gesetzentwurf Haushalt Höhe Investition Kompromiß Konzept Maßnahme Milliarde Million Modell Möglichkeit Plan Planung Programm Regelung Sanktion Schaffung Vereinbarung Verfassung Vertrag Vorschlag sehen

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›vorsehen‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Er sieht vor, Freier für den Kauf von Sex zu bestrafen.
Die Zeit, 04.12.2013 (online)
Die eine sah vor, die Funktion des Einrichtens von der des Bedienens zu trennen.
Einheit, 1972, Nr. 7, Bd. 27
Das neue Gesetz sah die weitere Herabsetzung auf 18 Jahre vor.
Archiv der Gegenwart, 2001 [1969]
Im März 1940 kam er einmal einen Tag früher als vorgesehen heim.
Simmel, Johannes Mario: Es muß nicht immer Kaviar sein, Zürich: Schweizer Verl.-Haus 1984 [1960], S. 55
Der Sprachgebrauch unserer Tage sieht, glaube ich, für dergleichen die Bezeichnung "ganzheitlich" vor.
Bergengruen, Werner: Der letzte Rittmeister, Berlin: Deutsche Buch-Gemeinschaft 1956 [1952], S. 1
Zitationshilfe
„vorsehen“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/vorsehen>, abgerufen am 18.11.2019.

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