vorsehen

Grammatik Verb · sieht vor, sah vor, hat vorgesehen
Aussprache 
Worttrennung vor-se-hen
Wortzerlegung  vor- sehen
Wortbildung  mit ›vorsehen‹ als Erstglied: Vorsehung
eWDG

Bedeutungen

1.
etw. ins Auge fassen, planen
Beispiele:
wir haben für das Wochenende einen Theaterbesuch vorgesehen
der Plan sieht eine Verbesserung der Arbeitsorganisation vor
das Gesetz sieht solche Maßnahmen nicht vor
die vorgesehene Höhe der Kosten
etw., jmdn. für etw., jmdn. in Aussicht nehmen
Beispiele:
dieser Wissenschaftler ist für eine Professur vorgesehen
er hatte diesen Ort als Urlaubsziel, das Geschenk für mich vorgesehen
2.
sich vorsehensich in acht nehmen, aufpassen
Beispiele:
sieh dich vor, wenn du über die Straße gehst!
bei ihm muss man sich vorsehen
wir sahen uns (vor ihm) vor, da wir die Gefahr erkannt hatten
vorsehen (bitte)! (= warnender Ausruf)
3.
etw. sieht voretw. ist sichtbar, nicht völlig verdeckt
Beispiele:
der Unterrock sieht vor
das Kleid sieht unter dem Mantel vor
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

sehen · Sehe · Seher · sehenswürdig · Sehenswürdigkeit · Sehkraft · absehen · absehbar · ansehen · Ansehen · Ansicht · Ansichtskarte · angesehen · ansehnlich · aufsehen · Aufsehen · Aufseher · Aufsicht · beaufsichtigen · aussehen · Aussehen · Aussicht · nachsehen · Nachsicht · vorsehen · Vorsehung · Vorsicht · vorsichtig · versehen · Versehen · Zuversicht
sehen Vb. ‘mit dem Gesichtssinn wahrnehmen’. Mit ahd. sehan (8. Jh.), mhd. sehen, asächs. sehan, mnd. sēn, mnl. sien, nl. zien, afries. sia, aengl. sēon, engl. to see, anord. sjā, schwed. se, got. saíƕan (germ. *sehwan) sind verwandt ahd. gisiuni ‘Anblick, Erscheinung, Aussehen’ (8. Jh.), asächs. siun ‘Auge’, aengl. sīen ‘Aussehen’, anord. sjōn ‘Blick, Auge’, got. siuns ‘Gesicht, Gestalt’; s. auch die Verbalabstrakta Sicht und Gesicht. Außergerm. sind vergleichbar air. rosc (aus *prosk‐ͧo-) ‘Auge, Blick’, alban. sheh ‘sieht’, hethit. šakuwa (Plur.) ‘Augen’ sowie auch griech. hépesthai (ἕπεσθαι) ‘folgen, begleiten’, aind. sácatē ‘begleitet, steht zur Seite, geht nach, folgt’, lat. sequī ‘(nach)folgen, begleiten, verfolgen, gehorchen’, air. sechithir ‘folgt’. Man nimmt daher eine Bedeutungsentfaltung ‘folgen, mit den Augen folgen, sehen’ an, hervorgegangen aus der Wurzel ie. *seku̯- ‘wittern, spüren’ (vom Hund bei der Jagd), die sich in einem zweiten Bedeutungsstrang zu ‘zeigen, ankündigen’ (s. sagen) entwickelt hat. Sehe f. ‘Pupille, Sehvermögen, Ansicht’, ahd. seha (9. Jh.), mhd. sehe; heute noch landschaftlich. Seher m. ‘Prophet’ (16. Jh.); vgl. mhd. sternseher. sehenswürdig Adj. ‘berühmt, außergewöhnlich und daher des Ansehens wert’ (18. Jh.); Sehenswürdigkeit f. (Anfang 19. Jh.). Sehkraft f. ‘Sehvermögen des Auges’ (Anfang 18. Jh.), älter Sehenskraft (Ende 17. Jh.). absehen Vb. ‘durch Beobachtung erlernen, woraus erkennen, merken, überblicken’ (16. Jh.), ‘auf etw. abzielen’ (17. Jh., dazu s. Absicht), ‘verzichten’ (18. Jh.), mhd. abesehen ‘hinabsehen’; absehbar Adj. ‘überschaubar, erkennbar’ (18. Jh.), in absehbarer Zeit ‘bald’ (Ende 19. Jh.). ansehen Vb. ‘seinen Blick auf etw. richten, betrachten’, ahd. anasehan (8. Jh.), mhd. anesehen; Ansehen n. ‘Erscheinung’, auch (seit 16. Jh.) ‘Achtung, Wertschätzung’, mhd. anesehen ‘Anblick, Angesicht’; Ansicht f. ‘Seite, von der etw. betrachtet wird, Anblick, Bild’, auch (seit 19. Jh.) ‘Meinung’, ahd. anasiht (9. Jh.), mhd. anesiht ‘Anblick’; Ansichtskarte f. ‘Postkarte mit Landschaftsbild’ (Ende 19. Jh.); angesehen Part.adj. ‘geachtet’ (Anfang 18. Jh.); frühnhd. angesehen, (daß) … ‘in Anbetracht’. ansehnlich Adj. ‘angesehen, stattlich, wohlgefällig anzusehen’ (Ende 15. Jh.). aufsehen Vb. ‘emporschauen’, ahd. ūfsehan (um 900), mhd. ūfsehen; Aufsehen n. ‘(öffentliche) Beachtung’, spätmhd. ūfsehen; Aufseher m. ‘Aufsichtführender, Wächter’, spätmhd. ūfseher; Aufsicht f. ‘das Aufpassen, Kontrolle’ (16. Jh.); beaufsichtigen Vb. ‘(über etw.) die Aufsicht haben, kontrollieren’ (Anfang 19. Jh.). aussehen Vb. ‘einen bestimmten Anblick bieten’ (16. Jh.), vgl. mhd. ūʒsehen ‘hinaussehen’; Aussehen n. ‘äußere Erscheinung’ (17. Jh.), ‘Aussicht, Ausblick’ (16. Jh.); Aussicht f. ‘Blick in die Ferne’ (17. Jh.), ‘Zukunftsmöglichkeit, Erwartung’ (18. Jh.). nachsehen Vb. ‘hinterherschauen’, mhd. nāchsehen, auch ‘nachforschen’ (17. Jh.), ‘duldend geschehen lassen, verzeihen’ (16. Jh.); Nachsicht f. ‘verzeihende Haltung’ (18. Jh.), ‘Beaufsichtigung’ (17. Jh.). vorsehen Vb. ‘sich in acht nehmen, planen, in Aussicht nehmen’, ahd. furisehan ‘vorhersehen’ (8. Jh.), forasehan ‘vorhersehen, bedenken’ (9. Jh.), mhd. vür-, vorsehen ‘vorwärts sehen, sich in acht nehmen, wofür Sorge tragen’; Vorsehung f. ‘Schicksal’, mhd. vürsehunge ‘Obsorge, Schutz, Schicksal’; Vorsicht f. ‘Achtsamkeit, Behutsamkeit’, ahd. forasiht ‘Voraussicht, Vorsehung’ (um 1000, für lat. prōvidentia), spätmhd. vorsiht; vorsichtig Adj. ‘achtsam, behutsam’, ahd. forasihtīg ‘vorherschauend, voraussehend’ (um 1000), mhd. vür-, vorsihtic ‘voraussehend, einsichtig, verständig’. versehen Vb. ‘sich um etw. kümmern, ausstatten, ausrüsten, sich irren’, ahd. firsehan ‘verachten, verschmähen’ (8. Jh.), sih firsehan ‘bedacht sein’ (9. Jh.), mhd. versehen ‘vorhersehen, vorherbestimmen, besorgen, ausstatten, versorgen, übersehen, verachten, hoffen auf’; Versehen n. ‘Irrtum, unbeabsichtigter Fehler’ (17. Jh.), häufig aus Versehen ‘ohne Absicht’ (Anfang 19. Jh.). Zuversicht f. ‘Vertrauen in die Zukunft’, ahd. zuofirsiht ‘ehrfurchtsvolles Aufschauen, Hoffen’ (um 1000), mhd. zuoversiht.

Thesaurus

Synonymgruppe
Synonymgruppe
(Mittel) bewilligen · (einen) Haushaltstitel einrichten (erstellen / anlegen / erzeugen...) für · Ausgaben einplanen · in den Haushalt einstellen · vorsehen
Assoziationen
Synonymgruppe
einplanen · einschließen · vorsehen
Synonymgruppe
(jemandem etwas) auftragen · (jemanden) betrauen (mit) · Auftrag erteilen · beauftragen · bestimmen · designieren · in Auftrag geben · verdingen · vorsehen · zuweisen  ●  mandatieren  veraltet
Assoziationen
  • (jemandem) die Leviten lesen · (jemandem) eine harte Rückmeldung geben · (jemandem) heimleuchten · ausschelten · ausschimpfen · ermahnen · rüffeln · rügen · scharf kritisieren · schelten · verwarnen · zur Ordnung rufen · zurechtweisen  ●  (jemandem etwas) ins Stammbuch schreiben  fig. · (jemandem) einen Verweis erteilen  Amtsdeutsch · tadeln  Hauptform · (jemandem) Bescheid stoßen  ugs. · (jemandem) aufs Dach steigen  ugs., fig. · (jemandem) den Arsch aufreißen  derb · (jemandem) den Kopf waschen  ugs., fig. · (jemandem) den Marsch blasen  ugs., veraltend · (jemandem) deutlich die Meinung sagen  ugs. · (jemandem) die Flötentöne beibringen  ugs., fig. · (jemandem) die Hammelbeine langziehen  ugs., fig. · (jemandem) die Meinung geigen  ugs. · (jemandem) die Schuhe aufpumpen  ugs., fig. · (jemandem) eine (deutliche) Ansage machen  ugs. · (jemandem) eine (dicke) Zigarre verpassen (möglicherweise veraltend)  ugs. · (jemandem) eins auf den Deckel geben  ugs. · (jemandem) zeigen, wo der Frosch die Locken hat  ugs., fig. · (jemandem) zeigen, wo der Hammer hängt  ugs., fig. · (jemandem) zeigen, wo es langgeht  ugs., fig. · (jemanden) Mores lehren  geh. · (jemanden) auf Linie bringen  ugs. · (jemanden) auf Vordermann bringen  ugs., fig. · (jemanden) frisch machen  ugs., fig. · (jemanden) lang machen  ugs. · (jemanden) zusammenfalten  ugs. · (sich jemanden) vorknöpfen  ugs. · abmahnen  fachspr., juristisch · admonieren  geh., veraltet · zurechtstutzen  ugs., fig. · zusammenstauchen  ugs., fig.
  • (die) Anweisung haben · (jemandem) aufgetragen sein · (jemandem) befohlen sein · (jemandes) Auftrag sein · angewiesen sein (zu) · gehalten sein (zu) · nicht dürfen · sollen (/ müssen)
  • (jemanden) anweisen (etwas zu tun)  ●  (jemandem etwas) befehlen  Hauptform · (jemandem etwas) gebieten  geh. · (jemandem) sagen, er soll(e) ...  ugs. · (jemanden etwas tun) heißen  geh., veraltet
Synonymgruppe
(die) Augen offen haben · (die) Augen offen halten · (sehr) aufmerksam sein · (sich) vorsehen · Acht geben · aufpassen · vorsichtig sein  ●  Vorsicht walten lassen  geh.
Unterbegriffe
  • (etwas) im Blick haben · (jemandem/etwas) Beachtung schenken · (jemanden/etwas) aufmerksam mitverfolgen · (sein) Augenmerk richten (auf) · beachten · beobachten · bewachen · ein (waches) Auge haben (auf) · hüten · im Blick behalten  ●  (etwas) in Evidenz halten  österr. · (etwas) im Auge behalten  ugs. · ein Auge auf etwas werfen  ugs.
Assoziationen
Synonymgruppe
einberaumen · einplanen · vorsehen
Synonymgruppe
(auf etwas) gefasst sein · (auf etwas) vorbereitet sein · (sich) vorsehen
Synonymgruppe
(einer Sache) zuvorkommen · (etwas) vorsehen · (sich) absichern gegen · (sich) vorbereiten (auf) · Vorkehrungen treffen (gegen) · Vorsichtsmaßnahmen ergreifen (gegen) · Vorsorge treffen (gegen) · vorsorgen (für)  ●  (einer Sache) vorbeugen  Hauptform · vorbauen  fig.
Assoziationen
  • (etwas) gar nicht (erst) so weit kommen lassen · (etwas) schon im Ansatz unterdrücken · (etwas) schon im Vorfeld abblocken · (etwas) von vornherein unterbinden · (gar) nicht (erst) aufkommen lassen · (gar) nicht (erst) einreißen lassen  ●  (etwas) im Keim ersticken  fig., Hauptform · den Anfängen wehren  geh.
Synonymgruppe
(sich) vorsehen (müssen / sollen) · es kommen schwierige Zeiten (für)  ●  (sich) warm anziehen (können / müssen / sollen)  fig. · es knistert im Gebälk (des / der)  fig. · (sich) auf etwas gefasst machen (können / müssen / sollen)  ugs.
Assoziationen

Typische Verbindungen zu ›vorsehen‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›vorsehen‹.

Verwendungsbeispiele für ›vorsehen‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Er sieht vor, Freier für den Kauf von Sex zu bestrafen.
Die Zeit, 04.12.2013 (online)
Die eine sah vor, die Funktion des Einrichtens von der des Bedienens zu trennen.
Einheit, 1972, Nr. 7, Bd. 27
Das neue Gesetz sah die weitere Herabsetzung auf 18 Jahre vor.
Archiv der Gegenwart, 2001 [1969]
Im März 1940 kam er einmal einen Tag früher als vorgesehen heim.
Simmel, Johannes Mario: Es muß nicht immer Kaviar sein, Zürich: Schweizer Verl.-Haus 1984 [1960], S. 55
Der Sprachgebrauch unserer Tage sieht, glaube ich, für dergleichen die Bezeichnung "ganzheitlich" vor.
Bergengruen, Werner: Der letzte Rittmeister, Berlin: Deutsche Buch-Gemeinschaft 1956 [1952], S. 1
Zitationshilfe
„vorsehen“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/vorsehen>, abgerufen am 26.07.2021.

Weitere Informationen …

alphabetisch vorangehend alphabetisch nachfolgend
Vorsegel
vorschwindeln
vorschweben
vorschwärmen
vorschützen
Vorsehung
vorsetzen
Vorsicht
Vorsicht ist besser als Nachsicht
Vorsicht ist die Mutter der Porzellankiste