vorsokratisch

Grammatik Adjektiv · ohne Steigerung
Aussprache [ˈfoːɐ̯zoˌkʀaːtɪʃ]
Worttrennung vor-so-kra-tisch · vor-sok-ra-tisch
Wortzerlegung  vor- sokratisch
DWDS-Vollartikel

Bedeutung

die älteste Periode der griechischen Philosophie, die von den Vorsokratikern geprägt wurde, betreffend; auf der Philosophie der Vorsokratiker beruhend
Kollokationen:
als Adjektivattribut: der vorsokratische Denker, Philosoph; die vorsokratische Philosophie
Beispiele:
Schon die vorsokratische Philosophie, besonders Empedokles, suchte die in A.n (= Analogien) sich zeigende Gesetzmäßigkeit im Geschehen genauer zu erfassen. Das den analogen Fällen Gemeinsame wurde verallgemeinernd formuliert und als Gesetz auf weitere Fälle angewendet. [Pannenberg, W.: Analogie. In: Die Religion in Geschichte und Gegenwart. Berlin: Directmedia Publ. 2000 [1957], S. 1276]
[Der Kulturanthropologe Marcel Hénaff] situiert das Urbild des Philosophen in einem Kreuzungspunkt zweier Traditionen: Die eine sei die der sophoi, die Tradition der Wahrheits‑ und Weisheitslehrer, die – Schamanen nicht unähnlich – ihre Schüler in Geheimlehren einweihen. In den vorsokratischen Denkern wie Pythagoras, Parmenides, Empedokles hätten Züge dieser »sehr alten« geistesgeschichtlichen Strömung überlebt. Die andere, jüngere Denktradition, die das Kraftfeld mitbestimmt, in dem Sokrates sich bewegt, verdankt sich laut Hénaff einer gegenläufigen Idee: derjenigen eines Wissens, das nicht auf Initiation, sondern auf öffentlichem Gedankenaustausch, auf dem Streitgespräch und der Prüfung von Argumenten beruhe. [Neue Zürcher Zeitung, 02.05.2009]
Wenn tatsächlich alles auf das Christentum rückführbar ist [wie ein Literaturkritiker behauptet], so haben wir logisch eine Monokausalität. Schon seit den Anfängen der abendländischen Philosophie, bei den vorsokratischen Philosophen, setzte sich die Erkenntnis durch, dass eine Ursache, die alles erklärt, eigentlich nichts erklärt. Sie ist schlicht überflüssig. [Die Zeit, 05.01.2006]
Heraklit, dem wohl bedeutendsten vorsokratischen Denker der Antike[,] verdanken wir den Hinweis, dass der Krieg »der Vater von allem« ist. In moderner Auslegung könnte das heißen, dass nur der ständige Widerstreit des Entgegengesetzten den Wandel der Welt hervorbringt. Das gilt auch für den Streit, den man den Vater des Fortschritts nennen kann. Wo es keinen Streit gibt, da herrscht Grabesruhe, da geht nichts mehr voran. [Die Welt, 11.09.2004]
Der Grundsatz: Gleiches könne nur von Gleichem wahrgenommen, gar erkannt werden, geht schon rein erkenntnistheoretisch […] durch das sogenannte vorsokratische Denken. [Bloch, Ernst: Das Prinzip Hoffnung. Bd. 2. Berlin: Aufbau-Verl. 1955, S. 421]

letzte Änderung:

Typische Verbindungen zu ›vorsokratisch‹

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Zitationshilfe
„vorsokratisch“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/vorsokratisch>, abgerufen am 03.12.2021.

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