Der deutsche Wortschatz von 1600 bis heute.

vorwerfen

Grammatik Verb · wirft vor, warf vor, hat vorgeworfen
Aussprache 
Worttrennung vor-wer-fen
Wortzerlegung vor- werfen
Wortbildung  mit ›vorwerfen‹ als Erstglied: vorwerfbar  ·  mit ›vorwerfen‹ als Grundform: Vorwurf

Bedeutungsübersicht+

  1. 1. [umgangssprachlich] nach vorn werfen
  2. 2. ⟨einem Tier Futter vorwerfen⟩ einem Tier Futter geben
  3. 3. ⟨jmdm. etw. vorwerfen⟩ jmdn. wegen etw. tadeln, jmdm. etw. vorhalten
eWDG

Bedeutungen

1.
umgangssprachlich nach vorn werfen
Beispiele:
den Ball vorwerfen
wer von euch hat das Papier vorgeworfen?
die Beine vorwerfen
2.
einem Tier Futter vorwerfeneinem Tier Futter geben
Beispiele:
sie wirft den Hühnern Körner vor
den Raubtieren Fleisch (als Fraß, zum Fraße) vorwerfen
3.
jmdm. etw. vorwerfenjmdn. wegen etw. tadeln, jmdm. etw. vorhalten
Beispiele:
jmdm. Rücksichtslosigkeit, Inkonsequenz, seine Vergangenheit vorwerfen
sie wollte sich [Dativ] das nicht vorwerfen lassen
umgangssprachlichsie haben einander, einer dem anderen nichts vorzuwerfen (= einer ist nicht besser als der andere)
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

werfen · abwerfen · anwerfen · Anwurf · aufwerfen · auswerfen · einwerfen · überwerfen · unterwerfen · verwerfen · vorwerfen
werfen Vb. ‘mit schwingendem Arm wegschleudern’. Das gemeingerm. stark flektierende Verb ahd. werfan ‘(hinaus)werfen, austreiben, hinwerfen, schütten, schieben, (zer)streuen, reißen, stürzen’ (8. Jh.), mhd. werfen ‘in schnelle Bewegung setzen, schleudern, stoßen, streuen, rasch wenden, zur Welt bringen’, asächs. werpan, mnd. werpen, warpen, mnl. nl. werpen, afries. hwerva, aengl. weorpan, engl. to warp ‘(sich) verziehen, krümmen’ (vom Holz), anord. verpa, auch ‘Eier legen’, schwed. värpa ‘Eier legen’, got. waírpan ‘werfen’ (germ. *hwerpan) läßt sich mit griech. rhábdos (ράβδος) ‘Rute, Gerte, Stab, Streifen’, lat. verbera (Plur.) ‘Ruten zur Züchtigung, Peitsche’, lit. vir̃bas ‘Reis, Reisig, Gerte’, aslaw. vrьba, russ. vérba (верба) ‘Weide’ auf eine Labialerweiterung der Wurzel ie. *u̯er- ‘drehen, biegen’ zurückführen. Als Grundbedeutung ist ‘mit drehend geschwungenem Arm schleudern’ anzusetzen. Die Wurzelbedeutung ‘biegen’ ist noch erhalten in anord. oldri orpinn ‘vom Alter gebeugt’, engl. to warp, nhd. sich werfen ‘krumm werden, sich biegen’ (vom Holz). S. ablautendes Wurf. abwerfen Vb. ‘hinunter-, herunterwerfen, sich einer Sache entledigen’, mhd. abewerfen, reflexiv ‘vom Pferd steigen’; dann auch ‘das Nötige zur Kostendeckung bzw. einen Gewinn einbringen’ (15. Jh.). anwerfen Vb. ‘etw. an etw. hinanwerfen, in Gang bringen’, ahd. anawerfan ‘hineinwerfen, -stoßen, bewerfen’ (8. Jh.), mhd. anewerfen ‘an einen etw. werfen, mit etw. werfen, mit etw. überziehen’; heute besonders ‘einen Motor anlassen’ (ehemals mit einer Drehbewegung durch eine Handkurbel). Anwurf m. ‘Verputz an Mauerwerk’ (16. Jh.), ‘erster, das Spiel eröffnender Ballwurf’ (Anfang 17. Jh.), übertragen ‘Vorstoß’ (vgl. einen Anwurf tun ‘einen Vorstoß, Versuch machen’, 16. Jh.), ‘Vorwurf, Beschuldigung’ (19. Jh.). aufwerfen Vb. ‘in die Höhe werfen, aufschütten’, mhd. ūfwerfen ‘in die Höhe werfen, strecken, erheben, umwenden, öffnen’, reflexiv ‘gebräuchlich werden, sich ausgeben für, machen zu, zu werfen (würfeln) beginnen’; übertragen eine Frage aufwerfen (17. Jh.). auswerfen Vb. ‘hinaus-, herausschleudern, ausspucken, ausschachten, verteilen’, ahd. ūʒwerfan ‘(her)aus-, wegwerfen, (hin)treiben, hervorbringen, hinausschicken’ (um 800), mhd. ūʒwerfen ‘hinauswerfen, austreiben, kastrieren, abtreiben, sich redend gegen jmdn. erheben.’ einwerfen Vb. ‘durch einen Wurf zerschlagen, hineinwerfen, zu einem Gespräch etw. anmerken’, ahd. inwerfan ‘hineinwerfen, -schicken’ (8. Jh.), mhd. īnwerfen ‘hineinwerfen, einschließen’. überwerfen Vb. ‘werfend bedecken’, reflexiv ‘sich mit jmdm. zerstreiten’ (16. Jh.), ahd. ubarwerfan ‘hinüberwerfen’ (um 800), mhd. überwerfen ‘das Pferd im Schwung umwenden, verschränken, kreuzen, im Werfen übertreffen’, reflexiv ‘sich schwingend um und um drehen’. unterwerfen Vb. ‘besiegen, abhängig machen’ (16. Jh.), ahd. untarwerfan ‘etw. unter etw. legen, stellen, setzen, unterordnen’ (9. Jh.), mhd. underwerfen ‘darunter werfen, unterjochen’. verwerfen Vb. ‘ablehnen, mißbilligen, eine Fehlgeburt haben, sich biegen, sich verziehen’ (vom Holz), ahd. firwerfan ‘wegwerfen, zurückweisen, preisgeben’ (8. Jh.), mhd. verwerfen ‘ab-, hin-, weg-, niederwerfen, überwinden, verschleudern, zurückweisen, verschmähen, verstoßen, sich entzweien’. vorwerfen Vb. ‘nach vorn werfen, jmdm. (Speise) vor die Füße werfen’ (16. Jh.), ‘tadeln, Vorhaltungen machen’ (15. Jh.), ahd. furiwerfan ‘verschließen, bedecken’ (9. Jh.), mhd. vürwerfen ‘mit Heftigkeit vorschieben, verschließen’. S. Vorwurf.

Thesaurus

Synonymgruppe
(jemandem etwas) vorhalten · (jemanden) beschuldigen · Vorhaltungen machen · Vorwürfe machen · anschuldigen · zum Vorwurf machen  ●  (jemandem etwas) unter die Nase reiben  fig. · (jemandem etwas) vorwerfen  Hauptform · (jemandem etwas) aufs Brot schmieren  ugs., variabel, fig.
Assoziationen

Typische Verbindungen zu ›vorwerfen‹ (berechnet)

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›vorwerfen‹.

Verwendungsbeispiele für ›vorwerfen‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Wenn er tief in sich hineinhorcht, hat er sich in der Tat etwas vorzuwerfen. [Krausser, Helmut: Eros, Köln: DuMont 2006, S. 104]
Er wirft ihr das ewig‑lange Lesen in der Nacht vor. [Strittmatter, Erwin: Der Laden, Berlin: Aufbau-Verl. 1983, S. 617]
Sie warf ihr nur vor, daß sie unfähig sei, diese Politik erfolgreich durchzuführen. [Laue, Theodor H. von: Rußland im 19. Jahrhundert. In: Propyläen Weltgeschichte, Berlin: Directmedia Publ. 2000 [1960], S. 17401]
Kritiker werfen ihm vor, ein autoritäres Regime etablieren zu wollen. [Archiv der Gegenwart, 2001 [2000]]
Daß sie seit 1992 nicht mehr überprüft worden sind, werfen ihm die Gegner vor. [Die Zeit, 25.03.1999, Nr. 13]
Zitationshilfe
„vorwerfen“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/vorwerfen>.

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