votieren

Grammatik Verb · votiert, votierte, hat votiert
Aussprache 
Worttrennung vo-tie-ren
Wortzerlegung Votum-ieren
Herkunft aus votarenlat ‘seine Stimme abgeben’, vgl. gleichbedeutend voterfrz, to voteengl
Duden GWDS, 1999 und DWDS

Bedeutung

bildungssprachlich jmd. votiert (für, gegen jmdn., etw.)
1.
seine Stimme (4) für oder gegen jmdn., etw. abgeben (7); sich für oder gegen jmdn., etw. entscheiden (b); für oder gegen jmdn. stimmen (4)
Kollokationen:
mit Adverbialbestimmung: einstimmig, einmütig, geschlossen, mehrheitlich [für, gegen etw., jmdn.] votieren
hat Präpositionalgruppe/-objekt: mit Ja oder Nein votieren; für einen Antrag, einen Gesetzentwurf, einen Kandidaten votieren
Beispiele:
Bei einer Urabstimmung in der vergangenen Woche hatten 97 Prozent der Gewerkschaftsmitglieder für einen Arbeitskampf votiert. [Bild, 09.02.2004]
Das geplante Freihandelsabkommen zwischen der EU und Kanada droht am Widerstand in der belgischen Region Wallonie zu scheitern. Das dortige Regionalparlament votierte […] gegen das Abkommen. [Neue Zürcher Zeitung, 14.10.2016]
Als ich bei den letzten Präsidentschaftswahlen [in Russland] votieren wollte, gab es in der Wahlliste bereits eine andere Unterschrift neben meinem Namen. [Spiegel, 17.09.2016 (online)]
Mit drei Stimmen mehr als erforderlich wählten die Abgeordneten Schröder am Dienstag für weitere vier Jahre. In der geheimen Abstimmung votierten 305 der 599 anwesenden Parlamentarier für den Kanzler. [Die Welt, 23.10.2002]
Brandenburgs SPD‑Landesgeschäftsführer […] hat gestern die Orts‑SPD von Wittenberge kritisiert, die auf Flugblätten aufrief, beim Volksentscheid gegen die Länderfusion mit Berlin zu votieren. [Berliner Zeitung, 21.08.1995]
2.
besonders schweizerisch, österreichisch in einer Diskussion im Parlament (1), in einer Versammlung o. Ä. Stellung nehmen; sich für oder gegen jmdn., etw. aussprechen
Kollokationen:
mit Adverbialbestimmung: entschieden, nachdrücklich, vehement [für, gegen etw., jmdn.] votieren
in Koordination: sich für etw. aussprechen und votieren
Beispiele:
Die Weinviertlerin [Bewohnerin des Weinviertels, einer Region im Nordosten Österreichs] hatte sich seit 1945 in der Flüchtlingshilfe engagiert und bis zuletzt dafür votiert, Menschen auf der Flucht eine besondere Zuwendung zukommen zu lassen. [Der Standard, 04.02.2016]
Heute […] wird im Restaurant Militärkantine in Bülach die Volksinitiative »Stadt ohne Parlament« kontradiktorisch behandelt. Für die Abschaffung des Parlaments votieren Stephan Blättler und Claudio Schmid (beide svp. [= Schweizerische Volkspartei]), dagegen Fritz Münger (sp. [= Sozialdemokratische Partei der Schweiz]) und Bernhard Hecht (cvp. [= Christdemokratische Volkspartei der Schweiz]). Die vier Podiumsteilnehmer gehören dem Gemeinderat an. [Neue Zürcher Zeitung, 07.02.2005]
Danach [nach einem 150 Jahre alten, britischen Gesetz] ist es unter Androhung einer lebenslänglichen Haft verboten, in der Presse für die Abschaffung der Monarchie zu votieren. Der »Guardian« hatte laut eigenen Angaben […] eine Artikelserie zugunsten der Einführung einer britischen Republik publiziert. [Neue Zürcher Zeitung, 23.05.2003]
Der Berliner Manager [eines Basketballvereins] […] votierte entschieden für die Aufnahme des Kölner Zweitliga‑Aufsteigers Cologne 99ers in die Bundesliga. [Frankfurter Allgemeine Zeitung, 11.06.2001]
Dass der Finanzminister […] für die Aufhebung des Spielbankenverbots votierte, dürfe nicht den Schluss zulassen, allein finanzielle Überlegungen hätten Parlament und Bundesrat bewogen, dies zu befürworten. [Neue Zürcher Zeitung, 27.01.1993]

letzte Änderung:

Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Votum · votieren
Votum n. in der Kirchensprache ‘Gelübde’ der Keuschheit, der Armut, des Gehorsams (1. Hälfte 16. Jh.), in der Rechtssprache ‘Entscheidung, Meinungsäußerung, Gutachten, Stimme (bei einer Abstimmung oder Wahl)’ (Ende 16. Jh.), Übernahme von lat. vōtum ‘feierliches (religiöses) Versprechen, Gelübde, Gelöbnis bei Ehebündnissen, Wunsch, Verlangen’; zu lat. vovēre (vōtum) ‘geloben, feierlich versprechen, erflehen, wünschen’. Davon abgeleitet in der Sprache der Klöster nlat. votare ‘seine Stimme abgeben’, woraus die Entlehnung votieren Vb. ‘sich entscheiden, abstimmen’ (16. Jh.), entsprechend frz. voter und engl. to vote.

Thesaurus

Synonymgruppe
abstimmen · ↗stimmen · votieren · ↗wählen  ●  voten  ugs.
Unterbegriffe
Assoziationen
  • (seine) Stimme abgeben · (sich) an der Wahl beteiligen · an der Wahl teilnehmen · wählen gehen · zur Wahl gehen  ●  sein (aktives) Wahlrecht ausüben  fachspr., Amtsdeutsch · ↗wählen  ugs.
  • (einer Sache) die Zustimmung verweigern · ↗(etwas) ablehnen · (sich) entscheiden (gegen) · mit Nein stimmen · seine Stimme abgeben (gegen) · votieren (gegen)  ●  ↗stimmen (gegen)  Hauptform · dagegen sein  ugs. · gegen etwas sein  ugs.
  • (einer Sache) zustimmen · (sich) entscheiden (für) · mit Ja stimmen · seine Stimme abgeben (für)  ●  ↗stimmen (für)  Hauptform · dafür sein  ugs. · für etwas sein  ugs. · votieren (für)  geh.
Synonymgruppe
(einer Sache) die Zustimmung verweigern · ↗(etwas) ablehnen · (sich) entscheiden (gegen) · mit Nein stimmen · seine Stimme abgeben (gegen) · votieren (gegen)  ●  ↗stimmen (gegen)  Hauptform · dagegen sein  ugs. · gegen etwas sein  ugs.
Assoziationen
Synonymgruppe
(einer Sache) zustimmen · (sich) entscheiden (für) · mit Ja stimmen · seine Stimme abgeben (für)  ●  ↗stimmen (für)  Hauptform · dafür sein  ugs. · für etwas sein  ugs. · votieren (für)  geh.
Assoziationen

Typische Verbindungen zu ›votieren‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›votieren‹.

Zitationshilfe
„votieren“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/votieren>, abgerufen am 14.04.2021.

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