vulgär

Grammatik Adjektiv
Aussprache 
Worttrennung vul-gär
Wortbildung  mit ›vulgär‹ als Erstglied: ↗Vulgärlatein · ↗Vulgärmaterialismus · ↗Vulgärsprache · ↗Vulgärwissenschaft
 ·  mit ›vulgär‹ als Grundform: ↗Vulgarität
Herkunft zu vulgārislat ‘allgemein, alltäglich, allbekannt, öffentlich, gemein’ < volguslat, vulguslat ‘große Menge, Volk, Masse, Pöbel’, vgl. vulgairefrz ‘allgemein bekannt, gemein, gewöhnlich, alltäglich’
eWDG

Bedeutungen

1.
von abstoßender Derbheit, gewöhnlich, ordinär
Beispiele:
ein vulgärer Mensch
umgangssprachlich, abwertendsie ist eine ziemlich vulgäre Person
vulgäre Wörter, Ausdrücke, Flüche
jmd. hat ein vulgäres Gesicht, einen vulgären Zug um den Mund
jmds. Benehmen ist, wirkt vulgär, hat etw. Vulgäres
jmdn. vulgär finden
er redet recht vulgär
2.
nicht zum Wesen einer Sache vordringend, oberflächlich, unwissenschaftlich
Beispiele:
vulgärer Materialismus
ein vulgärer Irrtum, Aberglaube
darin zeigen sich die vulgäre Auffassungen dieses Autors
etw. ist zu simpel und vulgär dargestellt
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

vulgär Adj. ‘allgemein, alltäglich, allgemein üblich, Volks-’, aber auch ‘gewöhnlich, gemein’. Es handelt sich um eine Entlehnung aus lat. vulgāris ‘allgemein, alltäglich, allbekannt, öffentlich, gemein’ (zu lat. volgus, vulgus ‘große Menge, Volk, Masse, Pöbel’) bzw. aus darauf beruhendem frz. vulgaire ‘allgemein bekannt, gemein, gewöhnlich, alltäglich’. Anfangs (17. Jh., in frz. Schreibung) vulgaire, dann (dem Lat. folgend) Vulgarsprache ‘einheimische, angestammte Sprache, Sprache einer ethnischen Einheit’ (Anfang 18. Jh.), auch ‘volkstümliche Sprache, Alltags-, Umgangssprache’ (Ende 18. Jh.), entsprechend vulgare Sprache (1. Hälfte 19. Jh.). Daneben häufiger vulgär, Vulgärpoesie (2. Hälfte 18. Jh.), Vulgärlatein (19. Jh.), Vulgärliteratur, -recht, -bewußtsein (20. Jh.). vulgär bedeutet aber auch ‘gewöhnlich, unfein, grob, ordinär’ (Mitte 18. Jh.) und ‘in der Masse verbreitet, trivial’ sowie ‘(für die Masse) vereinfacht, unwissenschaftlich, oberflächlich’ (Mitte 19. Jh.).

Thesaurus

Synonymgruppe
anstößig · ↗geschmacklos · ↗ordinär · ↗unanständig · vulgär  ●  bathisch  geh. · ↗obszön  geh. · unter der Gürtellinie  ugs., fig.
Assoziationen

Typische Verbindungen zu ›vulgär‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›vulgär‹.

Verwendungsbeispiele für ›vulgär‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Reich zu sein, schlimmer noch, es zu zeigen, wäre vulgär.
Süddeutsche Zeitung, 29.09.2004
Als sie sie vor kurzem besuchte, war sie entsetzt über die „vulgäre Sprache“, die sie sich angewöhnt hatten.
Die Zeit, 19.01.1970, Nr. 03
Es gilt als äußerst vulgär, wenn es weiblicherseits getan wird, doch ist es, von Männern verübt, durchaus in der Ordnung.
Meißner, Hans-Otto: Man benimmt sich wieder, Giessen: Brühl 1950, S. 131
Immer wieder werden Gebräuche, die zuvor "fein" waren, nach einiger Zeit "vulgär".
Elias, Norbert: Über den Prozeß der Zivilisation - Soziogenetische und psychogenetische Untersuchungen Bd. 2, Frankfurt a. M.: Suhrkamp 1992 [1939], S. 414
Aber muß denn die ontologische Interpretation überhaupt mit der vulgären Auslegung übereinstimmen?
Heidegger, Martin: Sein und Zeit, Tübingen: Niemeyer 1986 [1927], S. 280
Zitationshilfe
„vulgär“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/vulg%C3%A4r>, abgerufen am 03.03.2021.

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