Der deutsche Wortschatz von 1600 bis heute.

vulkanisieren

Grammatik Verb · vulkanisiert, vulkanisierte, hat vulkanisiert
Aussprache  [vʊlkaniˈziːʀən]
Worttrennung vul-ka-ni-sie-ren
Wortzerlegung Vulkan -isieren
Wortbildung  mit ›vulkanisieren‹ als Erstglied: Vulkanisat · Vulkanisation · Vulkanisieranstalt · Vulkanisierung
Herkunft Vulkan, vgl. gleichbedeutend to vulcanizeengl
ZDL-Vollartikel

Bedeutungen

1.
jmd. vulkanisiert etw. Kautschuk (vor allem mithilfe von Hitze, Druck und Schwefel) zu elastischem Gummi¹ (1) verarbeiten, gegen äußere Einflüsse und mechanische Beanspruchung widerstandsfähig machen
Kollokationen:
mit Akkusativobjekt: Gummi, Kautschuk vulkanisieren
Beispiele:
Am Anfang […] stand der Überzieherschuh aus Gummi. Er kam um 1830 auf die Welt, weil es Chemikern […] damals gelang, den Kautschuk, der vor allem in Südamerika aus Bäumen heraustropfte, zu vulkanisieren, das heißt: durch Erhitzen und das Hinzufügen von Schwefel haltbar zu machen. [Die Welt, 27.07.2015]
Wenn man Kautschuk statt durch Hitze und Schwefel mit radioaktiver Strahlung vulkanisiert, erhält man Autoreifen mit besseren Laufeigenschaften. [Neues Deutschland, 06.02.1960]
Das fertige Stück Schlauch […] durchläuft nun einen »Backprozess«, bei dem das Gummi vulkanisiert wird. Dabei verliert der Kautschuk seine Plastizität und wird elastisch, die Schichten verschmelzen miteinander, sie werden »laminiert«. [Die Zeit, 04.07.2013]
Eine Mischung aus Schwefel und Kautschuk fiel beim Hantieren auf eine Herdplatte und die Hitze veränderte das Material so, dass es plötzlich neue Eigenschaften aufwies. Die Oberfläche war nicht mehr klebrig, sondern vulkanisiert. Denn beim Erhitzen werden die Molekülketten des Rohkautschuks durch Schwefelbrücken miteinander vernetzt; und je mehr Schwefel beigemengt wurde, desto härter der Gummi. [Süddeutsche Zeitung, 28.06.2010]
Am Ende des Produktionsprozesses werden die wie kleine ovale Luftballons aussehenden Brustimplantate dann noch mehrere Stunden bei 120 Grad vulkanisiert und sterilisiert. [Süddeutsche Zeitung, 26.03.2005]
etw., das aus Gummi besteht, reparieren oder mit anderen Dingen verkleben
Kollokationen:
mit Akkusativobjekt: Reifen vulkanisieren
Beispiele:
Spezialisten aus Frankreich haben den Riss jetzt vulkanisiert, alles ist wieder dicht. [Bild, 31.05.2002]
Dieses [Reifen-]Modell ist bereits auf sein zweites Leben als Runderneuerter vorbereitet: Bei der Runderneuerung wird auf die Karkasse ein neuer Laufstreifen vulkanisiert. Dabei spart man gegenüber einem Neureifen 70 Prozent an Material. [Süddeutsche Zeitung, 15.11.1995]
Geblieben ist das Herzstück [des Fußballs], die Blase aus Naturlatex. Diese wird von einer Karkasse umhüllt, die aus zwölf Fünfecken besteht. […] Diese werden auf die Karkasse »vulkanisiert«, vereinfacht gesagt: unter Hitze (um die 100 Grad) aufgeklebt. [Frankfurter Allgemeine Zeitung, 13.06.2006]
Dieser sogenannte Stahlcord ist mit 0,08 Millimeter Durchmesser hauchdünn und wird zu feinen Seilen geflochten, die in den Gürtel und den Wulst vulkanisiert werden. [Frankfurter Allgemeine Zeitung, 14.02.2006]
Auf die [Aluminium-]Platte ist die sogenannte Elastomerschicht aus Naturkautschuk vulkanisiert. [Frankfurter Allgemeine Zeitung, 30.04.2002]
2.
etw. vulkanisiert(unter dem Einfluss von Hitze, Druck, Schwefel o. Ä.) feste und gleichzeitig elastische Form annehmen
Beispiele:
Unter Einfluss von Luftfeuchtigkeit vulkanisiert der Klebstoff zu einer dauerelastischen Masse. [Montagekleber, 14.07.2020, aufgerufen am 01.09.2020]
Schwefel ist die wichtigste Zutat der Gummiköche. Er sorgt mit seiner Vernetzung dafür, dass die Grundmasse vulkanisiert, also trotz ihres plastisch‑elastischen Charakters nicht fließt. [Die Welt, 27.11.2009]
Latex, so nennt man die Emulsion aus Kautschuk und Wasser, hat die Eigenschaft, bei Zimmertemperatur zu vulkanisieren. [Die Welt, 30.11.2006]
In riesigen Öfen vulkanisiert das Material nach vier Tagen und wird dann, zu 100‑Kilo‑Ballen gepreßt, versandfertig gemacht[.] [Neues Deutschland, 14.05.1983]
Diese Einkomponenten‑Pasten sind Stoffe, die unter der Einwirkung von Luftfeuchtigkeit zu echten Elastomeren, das heißt zu Stoffen mit kautschukelastischem Verhalten vulkanisieren. [Berliner Zeitung, 11.02.1978]

letzte Änderung:

Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Vulkan · vulkanisch · vulkanisieren
Vulkan m. ‘durch aus dem Erdinnern an die Oberfläche dringendes Magma entstandener, feuerspeiender Berg’. Der Name des römischen Gottes des Feuers lat. Vulcānus, Volcānus (auch personifizierend für ‘Feuer, Flamme’) gelangt als mythologische Bezeichnung schon ins Ahd. (Notker, um 1000); im Frühnhd. entwickelt er die Bedeutungen ‘Feuerelementargeist’ und ‘Feuerkünstler, Alchimist’ (beide bei Paracelsus, 1. Hälfte 16. Jh., auch verkürzt Vulcan). In der Antike gelten besonders die Liparischen Inseln nördlich von Sizilien (lat. īnsulae Vulcānī), deren südlichste noch heute ital. Vulcano heißt, wegen ihrer starken vulkanischen Aktivität als Sitz des Feuergottes. Auf eine dieser Inseln bezieht sich gleichfalls die Ortsangabe mlat. Vulcanus mons ‘der Berg Vulcanus’ (7. Jh.). Appellativischer Gebrauch des ursprünglichen Eigennamens findet sich im Mittelalter zuerst bei aus dem Lat. stammendem arab. burkān ‘Vulkan’, dann bei mfrz. vulcan, das zunächst jedoch noch auf die feuerspeienden Berge des Mittelmeerraums beschränkt bleibt. Unter dem Eindruck der neuweltlichen Entdeckungen setzt sich im Anschluß an port. (älter) volcão (heute vulcão) im 16. Jh. span. volcán, ital. vulcano, älter volcano, mfrz. frz. volcan als allgemeine Bezeichnung für feuerspeiende Berge durch. Im Dt. begegnet in diesem Sinne seit Ende 16. Jh. die latinisierende Form Vulcanus (von dem Geographen B. Varenius 1650 als nlat. vulcanus terminologisiert), im 18. Jh. wird Vulcan, Vulkan üblich. Metaphorische Verwendung (für verborgene, plötzlich ausbrechende Seelenzustände, dann für auf Veränderung drängende gesellschaftliche Kräfte) kommt Ende des 18. Jhs. auf; vgl. auf einem Vulkan tanzen ‘vor drohender Gefahr die Augen verschließen, mutwillig mit der Gefahr spielen’ (1. Hälfte 19. Jh., frz. être, marcher, danser sur un volcan). vulkanisch Adj. ‘aus einem Vulkan stammend, auf Vulkanismus beruhend, vulkanartig’, übertragen ‘leidenschaftlich, aufbrausend, explosiv, revolutionär’ (2. Hälfte 18. Jh., vielleicht unter Einfluß von ital. vulcanico, frz. volcanique ‘vulkanisch, feurig, leidenschaftlich’), zuvor ‘dem Gott Vulkan zugehörig, feurig, brennbar’ (1. Hälfte 16. Jh.). vulkanisieren Vb. ‘Rohkautschuk mit Hilfe bestimmter Chemikalien zu Gummi verarbeiten, etw. mit Kautschuk beschichten, Gegenstände aus Gummi reparieren’ (Mitte 19. Jh.), nach gleichbed. engl. to vulcanize (zum Götternamen engl. Vulcan); vorher (2. Hälfte 18. Jh.) ‘durch vulkanische Tätigkeit hervorbringen’ (vulcanisierte Steine), auch übertragen ‘in Unruhe versetzen, in Erregung geraten’.

Thesaurus

Synonymgruppe
aushärten · härten · stählen · vulkanisieren
Zitationshilfe
„vulkanisieren“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/vulkanisieren>.

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