wägen

GrammatikVerb · wog/wägte, hat gewogen
Aussprache
Worttrennungwä-gen
Wortbildung mit ›wägen‹ als Erstglied: ↗Wägestück · ↗Wägetechnik · ↗Wägung · ↗wägbar
 ·  mit ›wägen‹ als Letztglied: ↗abwägen · ↗aufwägen · ↗auswägen · ↗einwägen
 ·  mit ›wägen‹ als Grundform: ↗erwägen
eWDG, 1977

Bedeutungen

1.
gehoben etw. sorgsam hinsichtlich seiner Bedeutung, seines Wertes vergleichend prüfen, etw. abwägen
Beispiele:
jmds. Verdienste wägen
das Für und Wider wägen
man soll die Stimmen wägen und nicht zählen (= man soll sie nach ihrem Wert messen)
sprichwörtlich erst wägen, dann wagen (= erst überlegen, dann handeln)
Und wie er die Worte wägte [WelkHoher Befehl294]
mit kalter Hitze wurde Grund und Gegengrund gewogen [Feuchtw.Narrenweisheit360]
2.
wog
fachsprachlich, österreichisch das Gewicht von etw. mit der Waage bestimmen, etw. wiegen
Beispiel:
Substanzen, die er [der Radiochemiker] nicht sehen und nicht wägen ... kann [Wissenschaft und Fortschritt1956]
3.
gehoben, veraltend das Gewicht (und die Güte) von etw. dadurch, dass man es in die Hand nimmt, schätzen
Beispiele:
einen Brief, Edelstein in der Hand wägen
er mußte offenbar gewohnt sein ... die Münzen zwischen den Fingern zu wägen [St. ZweigNovellen2,306]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

wägen · abwägen · erwägen
wägen Vb. ‘vorsichtig bedenken, überlegend prüfen’, fachsprachlich (älteren Gebrauch fortsetzend) ‘auf die Waage legen und das Gewicht bestimmen’ (wofür sonst ↗wiegen, s. d.). Auszugehen ist von dem starken Verb ahd. wegan ‘wiegen, wägen, einschätzen, bewegen’ (8. Jh.), mhd. wegen ‘in Bewegung setzen, (sich) bewegen, wiegen, wägen, einschätzen, Gewicht, Zahl, Wert haben’, asächs. wegan ‘(er)wägen’, mnd. wēgen ‘wiegen, schwer sein, wägen’, mnl. wēghen ‘wägen, schätzen’, nl. wegen, aengl. wegan ‘wägen, messen’, anord. vega ‘schwingen, heben, wägen, schätzen’. Dazu gehört das schwache Kausativum ahd. weggen (8. Jh.), mhd. wegen ‘bewegen, schwingen, schütteln’; zu Verwandtschaft und Herkunft s. ↗bewegen. Beide Verben fallen im Nhd. in der oben genannten verengten Bedeutung zusammen. Der Vokalismus der starken Präteritalformen mhd. wac, wāgen (Prät.), gewegen (Part. Prät.) wird vom 15. Jh. an nach -o- ausgeglichen, vgl. mhd. wuoc (neben wac), frühnhd. wug, dann wog (ab 16. Jh.) und frühnhd. gewogen (15. Jh.). Aber auch dem schwachen Verb folgende Präteritalformen (nhd. wägte, selten auch gewägt) bleiben vereinzelt erhalten. Die Schreibung mit -ä- (im 15. Jh. auftretend) wird im Hinblick auf Waage durch die Wörterbücher und Grammatiken des 17. Jhs. verbreitet. abwägen Vb. ‘das Gewicht feststellen, abwiegen’ (15. Jh.), ‘messen’ (16. Jh.) und ‘(vergleichend) prüfen, genau überlegen, bedenken’ (15. Jh.). erwägen Vb. ‘prüfend überlegen, bedenken’, mhd. erwegen ‘emporheben, in Bewegung setzen, zu etw. bewegen, entschlossen machen, bedenken’, reflexiv auch ‘auf-, preisgeben’, vielleicht schon (unsicher) ahd. irwegan ‘bedenken, überlegen’ (9. Jh.).

Thesaurus

Synonymgruppe
wiegen · wägen

Typische Verbindungen
computergeneriert

Argument Baby Geburt Goldwaage Gramm Kg Kilo Kilogramm Körpergröße Schwere Tonne Waag Waage Wort Zentner Zweijährige ab abwägen aufwägen auswägen her hin messen schwer sorgfältig sorgsam soviel vermessen weniger zuviel

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›wägen‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Mehr noch als bisher wird er jedes Wort wägen müssen.
Die Zeit, 07.11.2011, Nr. 45
Vorsichtig wiegt er den Kopf, nachdenklich wägt er seine Worte, dann blickt er plötzlich offen in die Kamera.
konkret, 1992
Und wenn Sie keine Macht mehr über sie haben, wird die Geschichte Ihre Taten wägen.
Archiv der Gegenwart, 2001 [1989]
Langsam redete, immer noch knapp, immer noch die Worte wägend.
Doderer, Heimito von: Die Strudlhofstiege oder Melzer und die Tiefe der Jahre, Gütersloh: Bertelsmann 1996 [1951], S. 1011
Wir wägen, ehe wir opfern, unseren Einsatz und den möglichen Gewinn.
Haluschka, Helene: Noch guter Ton? In: Zillig, Werner (Hg.) Gutes Benehmen, Berlin: Directmedia Publ. 2004 [1938], S. 3018
Zitationshilfe
„wägen“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/wägen>, abgerufen am 19.02.2019.

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