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wägen

Grammatik Verb · wägt, wog/wägte, hat gewogen
Aussprache 
Worttrennung wä-gen
Wortbildung  mit ›wägen‹ als Erstglied: Wägestück · Wägetechnik · Wägung · wägbar
 ·  mit ›wägen‹ als Letztglied: abwägen · aufwägen · auswägen · einwägen · erwägen
eWDG

Bedeutungen

1.
gehoben etw. sorgsam hinsichtlich seiner Bedeutung, seines Wertes vergleichend prüfen, etw. abwägen
Beispiele:
jmds. Verdienste wägen
das Für und Wider wägen
man soll die Stimmen wägen und nicht zählen (= man soll sie nach ihrem Wert messen)
sprichwörtlicherst wägen, dann wagen (= erst überlegen, dann handeln)
Und wie er die Worte wägte [ WelkHoher Befehl294]
mit kalter Hitze wurde Grund und Gegengrund gewogen [ Feuchtw.Narrenweisheit360]
2.
fachsprachlich, österreichisch das Gewicht von etw. mit der Waage bestimmen, etw. wiegen
Grammatik: Präsens ‘wägt’, Präteritum ‘wog’
Beispiel:
Substanzen, die er [der Radiochemiker] nicht sehen und nicht wägen […] kann [ Wissenschaft und Fortschritt1956]
3.
gehoben, veraltend das Gewicht (und die Güte) von etw. dadurch, dass man es in die Hand nimmt, schätzen
Beispiele:
einen Brief, Edelstein in der Hand wägen
er mußte offenbar gewohnt sein […] die Münzen zwischen den Fingern zu wägen [ St. ZweigNovellen2,306]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

wagen · Wagnis · Wagehals · wag(e)halsig
wagen Vb. ‘kühn unternehmen, etw. auf gut Glück riskieren, aufs Spiel setzen’, mhd. wāgen ‘in die Waagschale legen, aufs Geratewohl daransetzen oder tun, einem ungewissen Ausgang anheimgeben’, mnd. wāgen, mnl. wāghen, nl. wagen, abgeleitet von dem unter Waage (s. d.) dargestellten Substantiv. Vgl. Wendungen wie mhd. den līp ūf die wāge lān ‘sein Leben riskieren, es aufs Spiel setzen’, er gap sich in wāge ‘überließ sich dem ungewissen Ausgang’. – Wagnis n. ‘Risiko, kühnes Unterfangen’ (16. Jh.), wohl in der obd. Kanzleisprache entstanden und erst nach 1800 allgemein gebräuchlich. Wagehals m. ‘Draufgänger, kühner, mutiger Mensch’ (15. Jh.), in der Art imperativischer Satznamen gebildet nach den Hals (‘das Leben’) wagen. Älter ist der urkundlich bezeugte Name Johan Waginhals (14. Jh.). wag(e)halsig Adj. ‘sich verwegen in Gefahr begebend, tollkühn’ (18. Jh.).

wägen · abwägen · erwägen
wägen Vb. ‘vorsichtig bedenken, überlegend prüfen’, fachsprachlich (älteren Gebrauch fortsetzend) ‘auf die Waage legen und das Gewicht bestimmen’ (wofür sonst wiegen2, s. d.). Auszugehen ist von dem starken Verb ahd. wegan ‘wiegen, wägen, einschätzen, bewegen’ (8. Jh.), mhd. wegen ‘in Bewegung setzen, (sich) bewegen, wiegen, wägen, einschätzen, Gewicht, Zahl, Wert haben’, asächs. wegan ‘(er)wägen’, mnd. wēgen ‘wiegen, schwer sein, wägen’, mnl. wēghen ‘wägen, schätzen’, nl. wegen, aengl. wegan ‘wägen, messen’, anord. vega ‘schwingen, heben, wägen, schätzen’. Dazu gehört das schwache Kausativum ahd. weggen (8. Jh.), mhd. wegen ‘bewegen, schwingen, schütteln’; zu Verwandtschaft und Herkunft s. bewegen. Beide Verben fallen im Nhd. in der oben genannten verengten Bedeutung zusammen. Der Vokalismus der starken Präteritalformen mhd. wac, wāgen (Prät.), gewegen (Part. Prät.) wird vom 15. Jh. an nach -o- ausgeglichen, vgl. mhd. wuoc (neben wac), frühnhd. wug, dann wog (ab 16. Jh.) und frühnhd. gewogen (15. Jh.). Aber auch dem schwachen Verb folgende Präteritalformen (nhd. wägte, selten auch gewägt) bleiben vereinzelt erhalten. Die Schreibung mit -ä- (im 15. Jh. auftretend) wird im Hinblick auf Waage durch die Wörterbücher und Grammatiken des 17. Jhs. verbreitet. – abwägen Vb. ‘das Gewicht feststellen, abwiegen’ (15. Jh.), ‘messen’ (16. Jh.) und ‘(vergleichend) prüfen, genau überlegen, bedenken’ (15. Jh.). erwägen Vb. ‘prüfend überlegen, bedenken’, mhd. erwegen ‘emporheben, in Bewegung setzen, zu etw. bewegen, entschlossen machen, bedenken’, reflexiv auch ‘auf-, preisgeben’, vielleicht schon (unsicher) ahd. irwegan ‘bedenken, überlegen’ (9. Jh.).

Wagen · Wagner
Wagen m. ‘auf Rädern rollendes Fahrzeug’, auch ‘Auto’. Mit n-Suffix sind gebildet ahd. (8. Jh.), asächs. wagan, mhd. wagen, mnd. wāgen, mnl. wāghen, nl. wagen, aengl. wæg(e)n, wǣn, engl. (dichterisch) wain, anord. schwed. vagn, krimgot. waghen (germ. *wagna-) sowie air. fēn ‘Art Wagen’, aind. (dēva)vā́hana- ‘(Götter) fahrend’. Vergleichbar sind die anders abgeleiteten Formen aind. vāhá- ‘Zugtier’, griech. óchos (ὄχος, aus *ϝόχος) ‘Wagen’, aslaw. vozъ, russ. voz (воз) ‘Wagen’. Sie gehören mit einer Ausgangsbedeutung ‘das sich Bewegende, das Fahrende’ zu der unter bewegen (s. d.) angeführten Wurzel ie. *u̯eg̑h- ‘bewegen, ziehen, fahren’. – Wagner m. ‘Stellmacher’ (vorwiegend südd. Wort), ahd. waganāri (11. Jh.), mhd. wagener, kontrahiert (md.) wainer, weiner ‘Wagenmacher, Fuhrmann’.

Thesaurus

Synonymgruppe
wiegen · wägen

Typische Verbindungen zu ›wägen‹ (berechnet)

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›wägen‹.

Verwendungsbeispiele für ›wägen‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Langsam redete, immer noch knapp, immer noch die Worte wägend. [Doderer, Heimito von: Die Strudlhofstiege oder Melzer und die Tiefe der Jahre, Gütersloh: Bertelsmann 1996 [1951], S. 1011]
Vorsichtig wiegt er den Kopf, nachdenklich wägt er seine Worte, dann blickt er plötzlich offen in die Kamera. [konkret, 1992]
Und wenn Sie keine Macht mehr über sie haben, wird die Geschichte Ihre Taten wägen. [Archiv der Gegenwart, 2001 [1989]]
Mehr noch als bisher wird er jedes Wort wägen müssen. [Die Zeit, 07.11.2011, Nr. 45]
Aber heute, dies hat sich geändert, wägt auch der einfache Beamte seine Worte. [Die Zeit, 23.04.2001, Nr. 17]
Zitationshilfe
„wägen“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/w%C3%A4gen>.

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