wähnen

GrammatikVerb
Aussprache
Worttrennungwäh-nen (computergeneriert)
eWDG, 1977

Bedeutung

gehoben, veraltend etw. irrtümlich annehmen, fälschlich meinen
Beispiel:
Es gibt immer noch ... Narren, die wähnen, sie könnten den Lauf der Welt anhalten [UnruhNike237]
jmdn., sich glücklich wähnenglauben, annehmen, dass jmd., man selbst glücklich ist
Beispiele:
ich wähnte ihn auf Reisen (= nahm an, er sei auf Reisen)
er wähnt sich wohl sehr sicher
er wähnte die Sache erledigt (= hielt die Sache für erledigt), jedoch ...
von jmdm. etw. wähnen
Beispiel:
N, von dem er wähnte, er sei schon eingetroffen
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Wahn · wähnen
Wahn m. ‘(krankhafte) Einbildung, unbegründete Meinung, Ansicht, Vorstellung’, ahd. (8. Jh.), mhd. wān ‘ungewisse, unbegründete Ansicht, Vermutung, Meinung, Hoffnung, Erwartung, Vorstellung, Scheu’, spätmhd. auch wōn (mit ō aus ā nach w, s. ↗Argwohn), asächs. mnd. wān ‘Hoffnung, Erwartung’, mnl. waen, nl. waan, afries. wēn, und (mit wohl ursprünglichem fem. Genus) aengl. wēn, anord. vān, got. wēns (germ. *wēni-) stehen dehnstufig zu der unter ↗gewinnen (s. d.) angegebenen Wurzel ie. *u̯en(ə)- ‘streben’, dann ‘wünschen, lieben, befriedigt sein’, auch ‘erarbeiten, Mühe haben’, perfektiv ‘erreichen, gewinnen’, zu der auch ↗gewöhnen, ↗wohnen, ↗Wonne, ↗Wunsch (s. d.) gehören. Als Ausgangsbedeutung ist ‘(unbegründete) Erwartung, Hoffnung’ anzusetzen, eigentlich ‘Gewünschtes, Ersehntes’. Wahn wird seit mhd. Zeit in Gegensatz zu Wissen und Wahrheit gestellt. Im Frühnhd. entwickelt sich der Sinn ‘willkürlich zurechtgemachte, nicht der Wirklichkeit entsprechende Meinung, Vorstellung’ (16. Jh.), dann ‘Selbsttäuschung, fixe Idee’ als krankhafte Erscheinung (18. Jh.), und Wahn gerät dadurch in die semantische Nähe von nicht verwandtem Wahn (in ↗Wahnsinn, ↗Wahnwitz, s. d.). wähnen Vb. ‘glauben, meinen’, ahd. wānen (8. Jh.), mhd. wæn(n)en ‘meinen, glauben, vermuten, erwarten, hoffen’, asächs. wānian, mnd. mnl. wānen, nl. wanen, aengl. wēnan, engl. (älter) to ween, anord. væna, got. wēnjan.

Thesaurus

Synonymgruppe
(fälschlicherweise) denken, dass · ↗(irrigerweise) annehmen · ↗(sich etwas) einbilden · (sich) halten für · (sich) wähnen · halten für · in dem Wahn leben, dass · wähnen  ●  ↗vermeinen  geh.
Oberbegriffe
Unterbegriffe
  • (sich) in (trügerischer) Sicherheit wiegen · (sich) in Sicherheit wähnen  ●  nichts Böses ahnen  floskelhaft · glauben, dass man in Sicherheit ist  ugs.
Assoziationen

Typische Verbindungen
computergeneriert

Abseits Aufwind Augenhöhe Besitz Paradies Sattel Schlaraffenland Seite Sicherheit Sieger Siegerstraße Sonnenseite Windschatten Ziel bereits bisweilen erhaben fälschlicherweise gefeit irgendwo längst man mitten nahe schon sicher unbeobachtet unverwundbar weg zurückversetzt

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›wähnen‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Das Vertrauen in die Stars ist groß, man wähnt das Geld gut angelegt.
Süddeutsche Zeitung, 02.10.2003
Wenn sie es schafft, wähnt sie sich auf dem richtigen Weg.
Der Tagesspiegel, 13.10.2001
Sie wähnen sich geborgen unter dem leichten Druck zwischen Kleidung und Haut.
Thelen, Albert Vigoleis: Die Insel des zweiten Gesichts, Düsseldorf: Claassen 1981 [1953], S. 244
Man wähnte sich immer noch stark, jedenfalls geborgen, und verkroch sich in seiner eigenen Welt.
Brandt, Willy: Erinnerungen, Berlin: Ullstein 1997 [1989], S. 75
Sie hatte sich furchtbar getäuscht, als sie wähnte, ohne ihn leben und glücklich sein zu können.
Ebner-Eschenbach, Marie von: Agave. In: Deutsche Literatur von Frauen, Berlin: Directmedia Publ. 2001 [1903], S. 5700
Zitationshilfe
„wähnen“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/wähnen>, abgerufen am 23.03.2019.

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