Der deutsche Wortschatz von 1600 bis heute.

währen

Grammatik Verb
Aussprache 
Worttrennung wäh-ren
Wortbildung  mit ›währen‹ als Erstglied: während  ·  mit ›währen‹ als Binnenglied: fortwährend · immer während · immerwährend
eWDG

Bedeutung

gehoben dauern, andauern, anhalten
Beispiele:
sie führten stundenlang währende Gespräche
seine nun über drei Jahrzehnte währende Tätigkeit auf diesem Gebiet
sprichwörtlichwas lange währt, wird (endlich) gut (= wird gesagt, wenn eine Arbeit, Wartezeit lange dauert) (= drückt Trost, Hoffnung aus)
sprichwörtlichehrlich währt am längsten (= Ehrlichkeit ist auf die Dauer das Beste, Sicherste)
über fünf Minuten währte der Beifall [ H. KantAula70]
Mein Leben währt nun achtzig Jahre [ TollerMaschinenstürmerIII 2]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

wahren · bewahren · verwahren · Wahrzeichen
wahren Vb. ‘in acht nehmen, hüten, schützen, (einen Zustand) aufrechterhalten’, ahd. warōn (9. Jh.), mhd. war(e)n ‘aufmerken, achten, beachten’, asächs. waron ‘achthaben, beachten, behüten’, mnd. mnl. wāren, aengl. warian, auch ‘warnen’, anord. vara ‘warnen, wahren, gedenken’, norw. vare ‘aufbewahren, aufheben’ ist im Sinne von ‘unter seine Aufmerksamkeit, Obhut nehmen’ von einem in ahd. wara (in wara neman, 10. Jh., wara tuon, um 1000), mhd. war(e) f. ‘Wahrnehmung, Beobachtung, Aufmerksamkeit, Obhut’, asächs. wara ‘Schutz, Aufmerksamkeit’, mnd. wāre, wār, mnl. wāre, aengl. waru, anord. vari belegten Substantiv (germ. *warō f.) abgeleitet. Dieses ist mit den unter gewahr (s. d.) angeführten Formen verwandt, außergerm. mit griech. horā́n (ὁρᾶν, aus *ϝορᾶ-) ‘schauen, aufmerksam sein, betrachten, sehen’, (dehnstufig) ṓra (ὤρα, aus *ϝώρα) ‘Hut, Sorge’, lat. verērī ‘ängstlich beobachten, verehren, fürchten’, air. cō(a)ir ‘passend, richtig’. Zugrunde liegt eine Wurzel ie. *u̯er(e)- ‘achten, gewahren’ (s. auch wahr). Das oben genannte Substantiv ist in die Zusammensetzungen wahrnehmen und verwahrlosen (s. d.) eingegangen. Das Simplex verstärkend bewahren Vb. ‘in Obhut nehmen, erhalten, schützen, behüten’, ahd. biwarōn, mhd. bewarn; verwahren Vb. ‘für etw. sorgen, etw. sichern, behüten, in Bewachung, in Obhut nehmen’, frühnhd. verwaren (15. Jh.). Wahrzeichen n. ‘Merkmal, Kennzeichen’, mhd. warzeichen, gebildet zu ahd. wara f., mhd. war(e) ‘Wahrnehmung, Beobachtung, Aufmerksamkeit’ (s. oben), also ‘Zeichen, das Aufmerksamkeit erregt oder verlangt’. Voraus geht ahd. wortzeihhan ‘(An)zeichen, Beweis’ (um 1000), asächs. wordtēkan, mhd. wortzeichen ‘Zeichen, das ein Wort vertritt oder in Worten gegeben wird, Kennzeichen, Merkmal, Parole’, eigentlich ‘in Stäbchen geritztes Runenzeichen, Buchstabe’, dann auch ‘Merkmal’. Wahrzeichen wird vielleicht über Epiker wie Heinrich v. Veldeke oder Eilhart v. Oberge aus dem Nd. ins Hd. aufgenommen, vgl. mnd. wārtēken (woraus möglicherweise anord. jarteikn ‘Wahrzeichen, Wunder’).

währen · während
währen Vb. ‘dauern’, ahd. werēn (9. Jh.; vgl. thuruhwerēn, um 800, giwerēn ‘reichen’, 8. Jh.), mhd. wer(e)n ‘dauern, Bestand haben, verweilen’, asächs. weron, mnd. weren, aengl. werian ‘bleiben’ ist als schwach flektierendes Durativum im Sinne von ‘dauernd sein’ (mit grammatischem Wechsel von r und s) zu dem unter Wesen (s. d.) dargestellten starken Verb ahd. wesan, mhd. wesen ‘sein’ gebildet. während Präp. ‘in der Zeit, zur Zeit von, im Verlauf von’ (18. Jh.), aus dem Part. Präs. von währen entstanden; aus Konstruktionen wie in der Zeit währender Kriege und in währender Zeit (17. Jh.) ergibt sich bei anderer Aufteilung der Wortgruppe während der Kriege bzw. während der Zeit, mit abhängigem Genitiv oder Dativ. Konjunktionaler Gebrauch wird etwa um 1800 geläufig; aus während dessen oder während dem, daß (1. Hälfte 18. Jh.) entwickelt sich über verkürztes während daß (seit 1760) schließlich während (um 1800).

Thesaurus

Synonymgruppe
andauern · anhalten · aufrechterhalten werden · dauern · fortbestehen · fortdauern · fortgesetzt werden · nicht aufhören · nicht nachlassen · ungebrochen sein · von Dauer sein · währen  ●  (so) gehen  ugs. · fortwähren  geh. · weitergehen  ugs.
Assoziationen

Typische Verbindungen zu ›währen‹ (berechnet)

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›währen‹.

Verwendungsbeispiele für ›währen‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Dann brechen jene rasenden Tänze los, die Tage, Nächte lang währen. [Welt und Wissen, 1927]
Aber das Vergnügen währt nie länger als bis sechs Uhr abends. [Fries, Fritz Rudolf: Der Weg nach Oobliadooh, Frankfurt a. M.: Suhrkamp 1966, S. 82]
Fast drei Jahre währte dann der Kampf um die Stadt. [Hoffmann, Wilhelm: Roms Aufstieg zur Weltherrschaft. In: Propyläen Weltgeschichte, Berlin: Directmedia Publ. 2000 [1963], S. 8943]
Der Kampf mit den Schäden währt die ganze Nacht, doch er ist vergebens. [o. A.: Kamikaze in der Zelle. In: Bild der Wissenschaft auf CD-ROM, Stuttgart: Dt. Verl.-Anst. 1997 [1996]]
Bald 30 Jahre währt heute ihre Zusammenarbeit, kaum zu glauben. [Die Zeit, 13.04.2000, Nr. 16]
Zitationshilfe
„währen“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/w%C3%A4hren>.

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