wälzen

GrammatikVerb
Aussprache
Worttrennungwäl-zen
Wortbildung mit ›wälzen‹ als Erstglied: ↗Wälzkörper · ↗Wälzlager  ·  mit ›wälzen‹ als Letztglied: ↗abwälzen · ↗dahinwälzen · ↗entgegenwälzen · ↗fortwälzen · ↗heranwälzen · ↗herumwälzen · ↗herwälzen · ↗hineinwälzen · ↗hinwälzen · ↗umwälzen · ↗wegwälzen · ↗überwälzen
eWDG, 1977

Bedeutungen

1.
etw. Großes, Schweres, jmdn. um seine eigene Achse drehend irgendwohin bewegen
Beispiele:
einen Stein zur Seite, Fässer in den Keller wälzen
er wälzte den Mann, Verletzten auf den Bauch, Rücken
übertragen
Beispiele:
jmd. wälzt sich [Dativ] seinen Kummer vom Herzen (= erzählt jmdm. von seinem Kummer)
damit ist mir eine Last vom Herzen gewälzt
auf jmdn. alle Schuld, Verantwortung, Arbeit wälzen (= schieben, abwälzen)
sich irgendwohin wälzensich schwerfällig (irgendwohin) bewegen
Beispiele:
die Menge wälzte sich durch die Straßen, ins Freie
eine Schneelawine wälzt sich ins Tal
auf den Berggipfeln wälzte sich der Nebel
Zu Hause wälzte ich mich mit den Kleidern ins Bett [BecherAbschied4,332]
Die Tür zum Offizierszimmer war aufgesprungen. Qualm wälzte sich in den Saal [StrittmatterWundertäter445]
Haushoch wälzten sich die Wellen und warfen das Schiff wie eine Nußschale umher [Roda RodaCicerone344]
2.
etw. in etw. wälzenetw. drehend in etw. hin- und herbewegen, umwenden und seine Oberfläche dadurch mit einer Schicht versehen
Beispiel:
die Bratwurst in Mehl, die Koteletts, Heringsfilets, Klößchen in geriebener Semmel, Paniermehl wälzen
3.
sich wälzensich liegend ruckartig hin- und herbewegen, wenden
Beispiele:
die beiden Kämpfenden wälzten sich am Boden
das angeschossene Tier wälzte sich auf der Erde
die Kinder wälzten sich vor Vergnügen, Übermut im Gras, Schnee
der Verletzte wälzte sich vor Schmerz
jmd. wälzt sich unruhig, stöhnend, von schweren Träumen geplagt, auf seinem Lager
[sie fand den Schlaf nicht] Sie wälzte sich im Bett [ZahnDie da kommen64]
umgangssprachlich, übertrieben, bildlich
Beispiel:
ich könnte mich wälzen vor Lachen, Vergnügen
4.
umgangssprachlich Bücher wälzenin (dicken) Büchern nachschlagen, einige zusammenhängende Stellen in Büchern lesen, studieren
Beispiele:
beim Ausarbeiten des Vortrags, der Vorlesung, für das Verfassen des Artikels musste er viele Bücher, Nachschlagewerke wälzen
Bald nach Neujahr wälzte man Reiseführer und Kursbücher [WintersteinLeben2,297]
Probleme, Pläne wälzensich mit Problemen, Plänen gründlich auseinandersetzen, um Klarheit darüber zu erlangen
Beispiele:
einen Gedanken wälzen
[ich] wälzte in meinem Kopf die Frage, was ich antworten sollte, wenn man einen Ausweis von mir forderte [DurieuxTür281]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

wälzen · Wälzer
wälzen Vb. ‘drehend (hin und her) bewegen’. Das schwach flektierende Verb ahd. welzen (9. Jh.; vgl. biwelzen ‘losreißen, zurückrollen, verdrehen’, irwelzen ‘niederreißen, wegrollen’, 8. Jh.), mhd. welzen ‘rollen, drehen’, aengl. wæltan, wyltan, anord. velta, got. waltjan ‘(sich) wälzen’ steht als Kausativum zu dem in anord. velta ‘sich wälzen’ erhaltenen stark flektierenden Verb, das sich wie ↗walzen (s. d.) zu einer Dentalerweiterung der unter ↗wallen (s. d.) behandelten Wurzel ie. *u̯el(ə)-, *u̯lē- ‘drehen, winden, wälzen’ stellt. Häufig übertragen ‘im Innern bewegen, grübeln, nachdenken’ (Anfang 16. Jh.; vgl. Gedanken wälzen, 18. Jh.); Bücher wälzen ‘in Büchern blättern, suchen’ (18. Jh.), vielleicht nach der gelehrten Entlehnung evolvieren (aus lat. ēvolvere ‘aufschlagen, lesen, studieren’, eigentlich ‘hervorwälzen, -rollen’, wozu auch lat. volūmen ‘Schriftrolle, Buch’, s. ↗Volumen); dazu Wälzer m. ‘(altes) dickes, schweres Buch’ (18. Jh.), scherzhafte Übersetzung von lat. volūmen (s. oben).

Typische Verbindungen
computergeneriert

Akte Bett Blechlawine Boden Dreck Fachliteratur Lavastrom Lawine Mehl Menschenmaß Schlamm Tal abwälzen fortwälzen her heranwälzen herumwälzen herwälzen hin hinab hinaufwälzen hinunter hinwälzen ruhelos schlaflos träge umwälzen unruhig weiterzuwälzen zuwälzen

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›wälzen‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Nacht für Nacht wälzt er sich unruhig im Bette: die Zeichen sind zu groß, zu groß, zu groß!
Bild, 02.12.2000
Aber nicht jeder hat die Zeit, große Werke zu wälzen.
Der Tagesspiegel, 10.12.1999
Die Frau wälzt sich im Sand, das Tier schmeißt sie herum.
Heym, Georg: Der Dieb. In: Deutsche Literatur, Berlin: Directmedia Publ. 1998 [1911], S. 10703
Daraufhin hatten die beiden eine große Show abgezogen und sich auf meinem superbreiten Bett gewälzt, stöhnend, ächzend und übertrieben.
Simmel, Johannes Mario: Der Stoff, aus dem die Träume sind, Güterlsoh: Bertelsmann u. a. [1973] [1971], S. 148
Er verfärbte sich, trat in das Dunkel zurück und wälzte sich in Staub.
Langgässer, Elisabeth: Das unauslöschliche Siegel, Hamburg: Claassen 1959 [1946], S. 284
Zitationshilfe
„wälzen“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/wälzen>, abgerufen am 14.10.2019.

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