würgen

GrammatikVerb
Aussprache
Worttrennungwür-gen (computergeneriert)
Wortbildung mit ›würgen‹ als Erstglied: ↗Würgegriff · ↗Würgemal · ↗Würger · ↗Würgeschlange · ↗Würgmal
 ·  mit ›würgen‹ als Letztglied: ↗abwürgen · ↗auswürgen · ↗einwürgen · ↗herauswürgen · ↗herunterwürgen · ↗hervorwürgen · ↗hinabwürgen · ↗hineinwürgen · ↗hinunterwürgen · ↗hochwürgen · ↗reinwürgen
 ·  mit ›würgen‹ als Grundform: ↗Gewürge · ↗erwürgen
eWDG, 1977

Bedeutungen

1.
jmdn. an der Kehle fassen und zu ersticken suchen
Beispiele:
jmdn. an der Kehle, bis zur Bewusstlosigkeit würgen
der Marder würgte die Tauben (= biß ihnen die Kehle durch)
Nun kam es ... zu einer Rauferei, bei der ich gewürgt wurde und würgte [Kisch1,383]
abwertend, übertragen jmdn. erbarmungslos töten, morden
Beispiel:
der grausame Mörder würgte viele Menschen
2.
etw. würgt jmdn.etw. benimmt jmdm. den Atem, droht jmdn. zu ersticken
Beispiele:
die Krawatte, der Husten würgt ihn
der Kragen würgt mich am Halse
der große Bissen würgte ihn in der Kehle
übertragen etw. verursacht jmdm. Beklemmung
Beispiele:
der Schmerz, Ekel würgt ihn
ihn packte würgende Angst
Aber der Schreck würgte mich [NossackSpirale173]
3.
(etw.) mit Mühe, schwer schlucken
Beispiele:
umgangssprachlich er würgte, brachte aber keinen Bissen herunter
er musste würgen (= hatte Brechreiz)
der Raubvogel würgte die Nahrung aus dem Kropf
an etw. würgenetw. kaum schlucken können
Beispiel:
an einem großen Stück Brot würgen
übertragen
Beispiel:
Ich würgte an einer Antwort (= konnte nur schwer eine Antwort finden) [FühmannJudenauto113]
4.
salopp schwer arbeiten
Beispiele:
sie haben Tag und Nacht gewürgt
mit Hängen und Würgen
mit großer Mühe
Beispiel:
Jetzt können wir's selbst mit Hängen und Würgen kaum schaffen [WallraffWir brauchen Dich31]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

würgen · erwürgen
würgen Vb. ‘(jmdm.) die Kehle zudrücken, den Atem nehmen, erdrosseln, mühsam schlucken, Brechreiz haben oder erzeugen’. Das schwach flektierende kausative jan-Verb ahd. wurgen ‘ersticken machen, erdrosseln’ (8. Jh.), mhd. würgen ‘an der Kehle zusammenpressen, erdrosseln, mühevoll aussprechen’, reflexiv ‘sich abquälen’, asächs. *wurgian (erschließbar aus asächs. wurgarin ‘Würgerin’), mnd. wörgen, aengl. wyrgan ‘erwürgen, erdrosseln’, engl. to worry ‘quälen, ärgern’ hat neben sich ein gleichfalls schwach flektierendes, ursprünglich intransitives ēn-Verb mhd. (md.) wurgen, worgen ‘Atemnot haben, ersticken’, mnd. worgen ‘ersticken, mühevoll schlucken’, mnl. (intransitiv und, wohl durch Zusammenfall, transitiv) worghen, wurghen ‘ersticken machen, nach Atem ringen’, nl. worgen, wurgen. Nur auf das Hd. beschränkt ist ein starkes Part. Prät. mhd. erworgen ‘erwürgt’, das einen hochstufigen Infinitiv mhd. erwergen voraussetzt. In frühnhd. Zeit beginnt worgen zurückzutreten; der intransitive Gebrauch wird von würgen mit übernommen, das gegen Ende des 18. Jhs. in der Literatursprache allein üblich ist. Mit den genannten Verbformen sind verwandt asächs. wurgil ‘Strick’, anord. virgill, virgull ‘Strick’, urga ‘Tauende, Schleife’, asächs. warag ‘Verbrecher, Frevler’, aengl. wearg ‘Wolf’, anord. vargr ‘Wolf, Übeltäter, Geächteter’, eigentlich ‘Würger’, schwed. varg ‘Wolf’, got. gawargjan ‘ächten, verdammen’ sowie lit. ver̃žti ‘schnüren, einengen, pressen’, aslaw. otvrěsti ‘öffnen’, povrěsti ‘binden’ (povrьzǫ ‘ich binde’), russ. (älter) otverzát’ (отверзать) ‘öffnen’. Auszugehen ist von ie. *u̯erg̑h- ‘drehen, einengen, würgen, pressen’, einer Gutturalerweiterung der Wurzel ie. *u̯er- ‘drehen, biegen’ (s. ↗werfen). erwürgen Vb. ‘zu Tode würgen’, ahd. irwurgen (9. Jh.), mhd. erwürgen (md. erwurgen, -worgen).

Typische Verbindungen
computergeneriert

Bewußtlosigkeit Brechreiz Ekel Ex-Freundin Gürtel Hals Halse Kehle abwürgen auswürgen bewußtlos drosseln erdrosseln erstechen ertränken fesseln herauswürgen herumwürgen herunterwürgen hervorwürgen hinabwürgen hineinwürgen hinunterwürgen husten knebeln reinwürgen runterwürgen vergewaltigen würgen zerren

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›würgen‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Er legt sich neben seine Frau ins Bett, würgt sie.
Bild, 07.12.2005
Je drängender wir klingeln, desto stärker würgt der Mann die Frau, und irgendwann ist sie dann tot.
Die Welt, 05.08.1999
Wenn ich sie so sehe, würgt es mich, so leid tut sie mir.
Klemperer, Victor: [Tagebuch] 1924. In: ders., Leben sammeln, nicht fragen wozu und warum, Berlin: Aufbau-Taschenbuch-Verl. 2000 [1924], S. 48
Es fehlte nicht viel, da hätte mich der kleine jähzornige Herr gewürgt.
Richter, Alfred: Aus Leipzigs musikalischer Glanzzeit, Erinnerungen eines Musikers. In: Simons, Oliver (Hg.) Deutsche Autobiographien 1690-1930, Berlin: Directmedia Publ. 2004 [1913], S. 43871
Nicht diese stumme Kritik würgte mir so atemraubend den Hals zu.
Ganghofer, Ludwig: Lebenslauf eines Optimisten. In: Simons, Oliver (Hg.) Deutsche Autobiographien 1690-1930, Berlin: Directmedia Publ. 2004 [1911], S. 26380
Zitationshilfe
„würgen“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/würgen>, abgerufen am 24.05.2019.

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