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wüst

Grammatik Adjektiv
Aussprache 
Wortbildung  mit ›wüst‹ als Erstglied: Wüstling  ·  mit ›wüst‹ als Grundform: Wüste · Wüstheit

Bedeutungsübersicht+

  1. 1. öde
    1. [bildlich] ...
  2. 2. [umgangssprachlich] ungeordnet, unordentlich
    1. wirr
  3. 3. [umgangssprachlich] ungezügelt, wild
    1. heftig
    2. ausgelassen, toll
    3. ausschweifend, sittenlos
  4. 4. [landschaftlich, salopp] hässlich
eWDG

Bedeutungen

1.
öde
Beispiele:
eine wüste Gegend
ein wüstes (= unbebautes) Gelände
biblischund die Erde war wüst (= ohne Leben) und leer
Unsere Hofstelle aber lag wüst (= war nicht bewirtschaftet) bis zum Winter [ WelkGrambauer48]
bildlich
Beispiel:
sein Kopf war wüst (= leer)
2.
umgangssprachlich ungeordnet, unordentlich
Beispiele:
ein wüster Berg Schutt
ein wüstes (= unaufgeräumtes) Zimmer
ein wüster (= ungepflegter) Bart
ein wüstes (= chaotisches) Durcheinander
hier sieht es aber wüst aus!
wirr
Beispiele:
ein wüstes Gestammel
wüste Gedanken gingen ihm durch den Kopf
Wüste Träume suchten ihn heim [ Feuchtw.Nero214]
3.
umgangssprachlich ungezügelt, wild
Beispiele:
ein wüstes Treiben, wüster Tumult
eine wüste Schlägerei, Bestie
ein wüstes (= sehr lautes) Gebrüll
ein wüster Kerl
sein Blick war wüst
wüst toben, schreien
Aber dann war wüster Lärm vor ihm [ WelkHoher Befehl205]
heftig
Beispiele:
ein wüster Sturm
eine wüste Schießerei
ein wüster Schmerz durchzuckte ihn
wüste Drohungen ausstoßen
eine wüste (= wütende) Hetze entfalten
sich in wüsten Schmähungen ergehen
sich zu wüsten Ausfällen hinreißen lassen
jmdn. wüst beschimpfen
ausgelassen, toll
Beispiele:
eine wüste Zecherei
auf dem Rummelplatz ging es wüst her
Er … verbrachte in der leichtlebigen Stadt vierzehn wüste Tage [ Feuchtw.Jüd. Krieg242]
ausschweifend, sittenlos
Beispiele:
ein wüster Abenteurer
eine wüste Orgie
in den Schenken trieben sie es wüst
ich wollte … wüste, schweinische Lieder singen [ FalladaTrinker54]
4.
landschaftlich, salopp hässlich
Beispiele:
ein wüster Gestank
eine wüste Narbe
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Wust m. ‘Durcheinander, ungeordnete Menge, Unrat, Schmutz’, mhd. wuost ‘Verwüstung, Trümmer’ (in dieser Bedeutung noch nhd., jedoch selten) ist eine Rückbildung aus dem Adjektiv mhd. wüeste, wuoste ‘öde, einsam, verlassen, leer, unschön, häßlich’ bzw. aus dem davon abgeleiteten Verb mhd. wüesten ‘öde machen, ausplündern, zerstören, Raubbau treiben’ (s. wüst).

wüst · Wüste · wüsten · verwüsten · Wüstling · Wüstung · Wüstenei
wüst Adj. ‘öde, nicht bebaut oder bewohnt, verheert’. Das nur westgerm. bezeugte Adjektiv ahd. wuosti ‘öde, unbebaut, leer’ (um 800), mhd. wüeste, wuoste ‘öde, einsam, verlassen, leer, unschön, häßlich’, asächs. wōsti, mnd. wōste, mnl. woest(e), nl. woest, afries. wōst, aengl. wēste (westgerm. *wōsti-) ist verwandt mit lat. vāstus ‘öde, wüst, leer, plump, roh, ungeschlacht’, air. fās ‘leer’, fāsach ‘Wüste’ und kann vielleicht über ein to-Partizip ie. *u̯āsto- ‘öde’ an die unter Wahnwitz (s. d.) dargestellte Wurzel ie. *eu-, *euə-, *u̯ā- ‘mangeln, leer’ angeschlossen werden. Wüste f. ‘unbebauter, unbewohnter, vegetationsloser Landstrich, verheertes Gebiet’, besonders (seit frühem bibelsprachlichem Gebrauch) Bezeichnung der außereuropäischen Sand- und Steinwüsten (vom 18. Jh. an vorherrschend), ahd. wuostī (8. Jh.), mhd. wüeste, wuoste ‘öde Gegend, Wildnis’, aengl. wēste; vgl. daneben (mit dem Suffix germ. -injō, -unjō) ahd. wuostin (8. Jh.), mhd. wuostinne, wuosten, wüestene, asächs. wōstunnia, mnd. wōstine, mnl. woestine, nl. woestijn, aengl. wēsten. wüsten Vb. ‘verheeren, beschädigen, zunichte machen, vergeuden’, ahd. wuosten ‘plündern, brandschatzen, verheeren’ (9. Jh.), mhd. wüesten ‘öde machen, ausplündern, zerstören, Raubbau treiben’, asächs. wōstian, mnd. wōsten, faktitive Bildung zum Adjektiv. verwüsten Vb. ‘verheeren, vernichten’, mhd. verwüesten. Wüstling m. ‘zügelloser, ausschweifender Mensch’ (16. Jh.). Wüstung f. ‘unbebauter, unbewohnter Landstrich, verlassene Siedlung’, mhd. wüestunge, wustunge. Wüstenei f. ‘wüste Gegend, Einöde’, mhd. (md.) wüestenīe, mnd. wōstenie, mnl. woestenie, nl. woestenij, Weiterbildung von ahd. wuostin, mhd. wüestene f. ‘Wüste’.

Thesaurus

Synonymgruppe
dreist · impertinent · penetrant · unverschämt · vorlaut · wüst  ●  dummdreist  ugs. · kackendreist  derb · kackfrech  derb · nassforsch  ugs. · rotzfrech  ugs.
Synonymgruppe
geschmacklos · niveaulos · pietätlos · primitiv · pöbelhaft · stillos · taktlos · unangebracht · unfein · wüst  ●  platt  fig. · proletenhaft  derb · unterste Schublade  ugs., fig.
Assoziationen
Synonymgruppe
abenteuerlich (Spekulation o.ä.) · wild · wirr · wüst  ●  abstrus  geh. · an den Haaren herbeigezogen  ugs., fig. · konfus  geh.

Typische Verbindungen zu ›wüst‹ (berechnet)

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›wüst‹.

Verwendungsbeispiele für ›wüst‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Bei Lena zu Hause spielten sieben wüste Kinder im Hof. [Kuckart, Judith: Lenas Liebe, Köln: DuMont Literatur und Kunst Verlag 2002, S. 89]
Das ist die altenglische Bezeichnung für "wüstes Land", für unbesiedeltes Gebiet. [Die Zeit, 02.12.2013, Nr. 48]
Das jetzt grau gewordene Meer erinnerte mich an die wüsten Nächte danach. [Die Zeit, 08.03.2010, Nr. 10]
Immer wieder muss ich kräftig schlucken, um den Druck auszugleichen, und wenn wir wieder hochkommen, sieht es meistens wüst aus. [Die Zeit, 01.09.2008, Nr. 35]
Anschließend erschien dann ein wüster Artikel, der mich in die Nähe von Kommunisten gerückt hat. [Die Zeit, 17.05.2008, Nr. 21]
Zitationshilfe
„wüst“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/w%C3%BCst>.

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