wütend

Grammatikpartizipiales Adjektiv
Aussprache
Worttrennungwü-tend (computergeneriert)
Grundformwüten
eWDG, 1977

Bedeutung

von Wut erfüllt, sehr erregt
Beispiele:
ein wütender Mensch
sie stürzten mit wütendem (= wildem) Gebrüll auf uns zu
wütend schreien, toben
jmdn. wütend machen (= in Wut bringen)
jmdn. wütend beschimpfen
salopp er war wütend wie ein angestochener Eber
auf, über jmdn., etw. wütend seinauf, über jmdn., etw. sehr erzürnt, erbost sein
Beispiele:
er war wütend auf diesen Schurken
sie wurden immer wütender über die skandalösen Zustände
heftig
Beispiele:
ein wütender Schneesturm
ein wütender (= schneidender) Schmerz durchfuhr ihn
Scham und wütende Reue zerbissen Fernand [Feuchtw.Narrenweisheit89]
umgangssprachlich, übertrieben in sehr starkem Maße
Beispiele:
ein wütender (= sehr großer) Hunger
eine wütende Hetze
ein wütender (= fanatischer) Verfechter seiner Ideen
er stürzte sich wütend (= wie bessesen) in seine Arbeit
Auch ich ... schaufelte wie ein Wütender [Kisch1,293]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Wut · Wüterich · wüten · wütend · wütig
Wut f. ‘rasender Zorn’, ahd. (um 800), mhd. wuot f. ‘heftige Bewegung, heftige Gemütserregung, Raserei’, mnl. woet f. m., nl. woede f. ‘Wut, Raserei’ und aengl. wōþ f. ‘Ton, Stimme, Dichtung’, anord. ōðr m. ‘Erregtheit, Dichtkunst, Dichtung’ stehen neben dem (im Dt. untergegangenen) Adjektiv ahd. -wuot in firwuot ‘unsinnig, ohne Vernunft’ (11. Jh.), aengl. wōd, engl. (älter bzw. mundartlich) wood ‘wahnsinnig, wütend, rasend’, anord. ōðr ‘wütend, rasend’, got. *wōþs (bezeugt wōds) ‘wütend, besessen’ (germ. *wōda-). Außergerm. sind vergleichbar aind. ápivátati (aus *u̯at-) ‘bläst an, facht an, inspiriert’, lat. vātēs ‘Weissager, Seher’, air. fāith ‘Seher, Prophet’, mir. fāth (aus *u̯ātu-) ‘Prophezeiung, Ursache’, so daß ie. *u̯ā̌t-, *u̯ōt- ‘geistig angeregt sein’ angesetzt werden kann, möglicherweise eine Erweiterung der Wurzel ie. *u̯ē- ‘wehen, blasen, hauchen’ (s. ↗wehen). Als Ausgangsbedeutung ist vielleicht ein ‘durch übermenschliche Kräfte (Dämonen, Götter?) verursachter Zustand des Außersichseins, übermächtige Erregung’ anzunehmen. In älterer Sprache bezeichnet das Substantiv unterschiedliche Gemütserregungen wie Raserei, Wahnsinn, Verzückung, zügellose Erregung, rasenden Zorn. Vor allem in der letztgenannten Verwendung ist es bis heute geläufig. Wüterich m. ‘gewalttätiger Mensch’, ahd. wuotarīh (9. Jh.), mhd. wüeterī̌ch, wuoterī̌ch ‘Tyrann, Teufel’. Vgl. ahd. wuoto m. (10. Jh.). wüten Vb. ‘vor Zorn rasen, gewalttätig vorgehen’, ahd. wuoten ‘besessen sein, im Wahnsinn rasen, in heftiger Erregung sein und Gewalt anwenden’ (8. Jh.), mhd. wüeten; dazu wütend Part.adj. besonders seit der 2. Hälfte des 18. Jhs. im Sinne von ‘heftig’ auf seelische und körperliche (wütender Hunger, Schiller) Vorgänge bezogen. wütig Adj. ‘zornig, tobend’, ahd. wuotīg (9. Jh.), mhd. wuotic, wüetec ‘tollwutkrank, tobsüchtig, wahnsinnig, aggressiv erregt’.

Thesaurus

Synonymgruppe
(einen) Hass haben auf · ↗aggressiv · ↗aufgebracht · ↗empört · erbost · in Rage · wütend · ↗zornig  ●  (jemandem) gram sein  veraltet · ↗böse  Kindersprache · angepisst  derb · einen Hals haben  ugs. · eingeschnappt  ugs. · erzürnt  geh. · ↗fuchtig  ugs. · ↗geladen  ugs. · in Brast  ugs., regional · in heiligem Zorn  ugs. · ↗indigniert  geh. · ↗pissig  derb · sickig  ugs. · so eine Krawatte haben (+ Geste)  ugs. · so einen Hals haben (+ Geste)  ugs. · ↗stinkig  ugs.
Assoziationen
Synonymgruppe
geharnischt · ↗gepfeffert · ↗scharf · scharf formuliert · wütend  ●  hat sich gewaschen  ugs., fig.
Assoziationen
Synonymgruppe
aggressiv · aufbrausend · ↗cholerisch · ↗genervt · ↗hitzköpfig · ↗impulsiv · ↗jähzornig · leicht erregbar · ↗rasend · ↗reizbar · ↗tobsüchtig · ↗unbeherrscht · ↗ungeduldig · ↗ungezügelt · ↗unkontrolliert · ↗wutentbrannt · wütend · ↗zornig · ↗zügellos  ●  ↗exzitabel  fachspr., medizinisch, lat. · ↗fuchsteufelswild  ugs. · ↗furibund  fachspr., veraltet, lat. · ↗grantig  ugs. · ↗ungehalten  geh.
Oberbegriffe
Assoziationen

Typische Verbindungen
computergeneriert

Angriff Anruf Attacke Aufschrei Demonstrant Fan Gebrüll Geschrei Kommentar Leserbrief Menge Menschenmenge Mob Pfiff Polemik Protest Reaktion Schrei Stier Tirade Waldbrand Zwischenruf entsetzt enttäuscht frustriert hilflos schockiert stapfen traurig verzweifelt

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›wütend‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Wie konnte dieses Land so wütend werden, so frustriert, hysterisch, radikal?
Die Zeit, 01.09.2012, Nr. 35
Daß die Zeit eine gute Zeit ist, darauf beharren manche seiner neuen Geschichte beinahe wütend.
Die Welt, 04.06.2005
Du bist bestimmt sehr wütend auf deinen Vater, nicht wahr?
Funke, Cornelia: Tintenherz, Hamburg: Cecilie Dressler Verlag 2003, S. 395
So mußten wir uns damit begnügen, wütend auf sie zu sein.
Neue deutsche Literatur, 1953, Nr. 2, Bd. 1
Die Reinheit seines Charakters haben selbst seine zahlreichen wütenden Gegner nicht anzuzweifeln gewagt.
Vorländer, Karl: Geschichte der Philosophie. In: Geschichte der Philosophie, Berlin: Directmedia Publ. 2000 [1913], S. 7470
Zitationshilfe
„wütend“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/wütend>, abgerufen am 24.08.2019.

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