wütig

Grammatik Adjektiv
Aussprache 
Worttrennung wü-tig
Wortzerlegung Wut -ig
Wortbildung  mit ›wütig‹ als Letztglied: blindwütig · hirnwütig
Duden, GWDS, 1999

Bedeutung

veraltend voller Wut, wütend
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Wut · Wüterich · wüten · wütend · wütig
Wut f. ‘rasender Zorn’, ahd. (um 800), mhd. wuot f. ‘heftige Bewegung, heftige Gemütserregung, Raserei’, mnl. woet f. m., nl. woede f. ‘Wut, Raserei’ und aengl. wōþ f. ‘Ton, Stimme, Dichtung’, anord. ōðr m. ‘Erregtheit, Dichtkunst, Dichtung’ stehen neben dem (im Dt. untergegangenen) Adjektiv ahd. -wuot in firwuot ‘unsinnig, ohne Vernunft’ (11. Jh.), aengl. wōd, engl. (älter bzw. mundartlich) wood ‘wahnsinnig, wütend, rasend’, anord. ōðr ‘wütend, rasend’, got. *wōþs (bezeugt wōds) ‘wütend, besessen’ (germ. *wōda-). Außergerm. sind vergleichbar aind. ápivátati (aus *u̯at-) ‘bläst an, facht an, inspiriert’, lat. vātēs ‘Weissager, Seher’, air. fāith ‘Seher, Prophet’, mir. fāth (aus *u̯ātu-) ‘Prophezeiung, Ursache’, so daß ie. *u̯ā̌t-, *u̯ōt- ‘geistig angeregt sein’ angesetzt werden kann, möglicherweise eine Erweiterung der Wurzel ie. *u̯ē- ‘wehen, blasen, hauchen’ (s. wehen). Als Ausgangsbedeutung ist vielleicht ein ‘durch übermenschliche Kräfte (Dämonen, Götter?) verursachter Zustand des Außersichseins, übermächtige Erregung’ anzunehmen. In älterer Sprache bezeichnet das Substantiv unterschiedliche Gemütserregungen wie Raserei, Wahnsinn, Verzückung, zügellose Erregung, rasenden Zorn. Vor allem in der letztgenannten Verwendung ist es bis heute geläufig. Wüterich m. ‘gewalttätiger Mensch’, ahd. wuotarīh (9. Jh.), mhd. wüeterī̌ch, wuoterī̌ch ‘Tyrann, Teufel’. Vgl. ahd. wuoto m. (10. Jh.). wüten Vb. ‘vor Zorn rasen, gewalttätig vorgehen’, ahd. wuoten ‘besessen sein, im Wahnsinn rasen, in heftiger Erregung sein und Gewalt anwenden’ (8. Jh.), mhd. wüeten; dazu wütend Part.adj. besonders seit der 2. Hälfte des 18. Jhs. im Sinne von ‘heftig’ auf seelische und körperliche (wütender Hunger, Schiller) Vorgänge bezogen. wütig Adj. ‘zornig, tobend’, ahd. wuotīg (9. Jh.), mhd. wuotic, wüetec ‘tollwutkrank, tobsüchtig, wahnsinnig, aggressiv erregt’.

Verwendungsbeispiele für ›wütig‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Es war gut so, mochte das Schicksal auf sie einschlagen, je wütiger um so besser. [Feuchtwanger, Lion: Erfolg. In: ders., Gesammelte Werke in Einzelbänden, Bd. 6, Berlin: Aufbau-Verl. 1993 [1930], S. 417]
Er kämpft eiskalt, aber wütig, um den Rest zu retten. [Die Zeit, 31.01.1949, Nr. 05]
Ja, wir sind blind und wütig und wollen es sein. [Niebelschütz, Wolf von: Der blaue Kammerherr, Stuttgart u. a.: Dt. Bücherbund [1991] [1949], S. 775]
Sonst handelt man wie eine wütige Frau, die das Parkett bohnert, ohne vorher zu kehren. [Spoerl, Alexander: Mit der Kamera auf du, München: Piper 1957, S. 147]
Zwei Jahre hatte Else Lasker‑Schüler trotzig, wütig, leidenschaftlich mit dem Tode gekämpft und ihn immer wieder mit übermenschlicher Kraft fortgedrängt von ihrem Sohn. [Frankfurter Zeitung (Abend-Ausgabe), 02.01.1928]
Zitationshilfe
„wütig“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/w%C3%BCtig>.

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