wahrscheinlich

GrammatikAdjektiv
Worttrennungwahr-schein-lich
formal verwandt mitscheinen
Wortbildung mit ›wahrscheinlich‹ als Erstglied: ↗Wahrscheinlichkeit  ·  mit ›wahrscheinlich‹ als Letztglied: ↗höchstwahrscheinlich
eWDG, 1977

Bedeutung

in hohem Grade möglich, mit ziemlicher Sicherheit anzunehmen
Beispiele:
etw. als wahrscheinlich annehmen, für wahrscheinlich halten
das ist möglich, aber nicht sehr wahrscheinlich
es ist (nicht) wahrscheinlich, dass der Fall eintritt
die wahrscheinlichen Folgen einer Sache
adverbiell
vermutlich
Beispiele:
wahrscheinlich kommt er
ich hätte es wahrscheinlich genau so gemacht
der Mantel ist dir wahrscheinlich zu groß
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

scheinen · erscheinen · Erscheinung · wahrscheinlich · anscheinend · anscheinen · Schein · bescheinigen · Bescheinigung · scheinbar · unscheinbar · scheinheilig · scheintot · Scheintod · Scheinwerfer
scheinen Vb. ‘leuchten, glänzen’, übertragen ‘aussehen als ob, zu Vermutungen Anlaß geben’. Das mit Nasalformans gebildete gemeingerm. Verb ahd. skīnan (8. Jh.), mhd. schīnen ‘strahlen, glänzen, leuchten, erscheinen, sichtbar werden, dem Schein nach (aber nicht in Wirklichkeit) sein’, asächs. skīnan, mnd. schīnen, mnl. scīnen, nl. schijnen, afries. skīna, aengl. scīnan, engl. to shine, anord. skīna, schwed. skina, got. skeinan (verwandt mit ↗Schemen, ↗schier, ↗schimmern, s. d.) führen auf germ. *skīnan und stellen sich (wie Schein, s. unten) mit aind. chāyā́ ‘Schatten, Widerschein’, griech. skiá (σκιά) ‘Schatten’, aslaw. sěnь, russ. sen’ (сень) ‘Schatten’, aslaw. sịjati, russ. siját’ (сиять) ‘strahlen, glänzen’ zu einer Wurzel ie. *sk̑āi-, *sk̑i- ‘gedämpft schimmern, Schatten’. scheinen bezeichnet anfangs vor allem das Leuchten der Himmelskörper, steht dann (bereits ahd.) für ‘zum Vorschein kommen, sichtbar werden’ (im Nhd. dafür erscheinen, s. unten). Aus der Wendung mir scheint, mhd. eʒ schīnet mir ‘mich dünkt’ und aus Vergleichen ‘aussehen wie etw. (ohne Übereinstimmung mit der Wirklichkeit)’ entwickelt sich der moderne Gebrauch ‘den Eindruck erwecken, zur Vermutung Anlaß geben’. erscheinen Vb. ‘zum Vorschein kommen, sichtbar werden, hervortreten, veröffentlicht werden’, ahd. irskīnan ‘offenbar werden, sich zeigen, leuchten’ (um 800), mhd. (stark) erschīnen, daneben (schwach und kausativ) erscheinen ‘leuchten lassen, deutlich machen, zeigen’; Erscheinung f. ‘Aussehen, Aufmachung, Vision, Gespenst, Veröffentlichung, Wahrnehmung’, spätmhd. erschīnunge. wahrscheinlich Adj. ‘vermutlich’ (17. Jh.), nach nl. waarschijnlijk, einer Übersetzung von frz. vraisemblable, das seinerseits dem lat. vērī similis nachgebildet ist, wofür im Dt. zuvor der Wahrheit gleich, wahrähnlich (16. Jh.), der Wahrheit ähnlich (17. Jh.). anscheinend Adv. ‘offenbar, offensichtlich’ (18. Jh.), eigentlich Part. Präs. zu anscheinen Vb. ‘beleuchten, -strahlen’, älter ‘sichtbar werden, sich zeigen’, ahd. anaskīnan (um 1000), mhd. aneschīnen ‘bescheinen, beleuchten, sichtbar sein bzw. werden’. Schein m. ‘Lichtstrahl, Glanz, Schimmer, äußeres Aussehen, Trugbild, schriftlicher Nachweis, Bestätigung, Banknote’, ahd. skīn (9. Jh.), mhd. schīn ‘Strahl, Glanz, Helligkeit, Sichtbarkeit, sichtbarer Beweis’, woraus ‘schriftlicher Beweis, Urkunde, Dokument, schriftliche Bestätigung’ (15. Jh.), asächs. skīn ‘Licht, Glanz’, mnd. schīn, mnl. scijn, nl. schijn, aengl. scīn, engl. shine, (ablautend) anord. skin, schwed. sken. bescheinigen Vb. ‘(durch eine schriftliche Bestätigung) bezeugen’ (18. Jh.), ‘(mit Hilfe von Schriftstücken) beweisen’, mnd. beschēnigen (14. Jh.), niederrhein. bescheinigen (15. Jh.), seit dem 16. Jh. geläufig; Bescheinigung f. ‘Nachweis, Beweis’ (16. Jh.), ‘schriftliche Bestätigung’ (18. Jh.). scheinbar Adj. ‘nicht wirklich, nur vorgetäuscht’, ahd. skīnbāri ‘glänzend, leuchtend, offenbar, sichtbar’ (um 1000), mhd. schīnbære. unscheinbar Adj. ‘unauffällig’, eigentlich ‘nicht glänzend’ (15. Jh.). scheinheilig Adj. ‘sich heilig stellend, Aufrichtigkeit oder Frömmigkeit vortäuschend, heuchlerisch’ (um 1580), nl. schijnheilig (1557), nach die scheynenden heilgen (Luther 1518). scheintot Adj. ‘nur dem Schein nach, nicht wirklich tot’, Scheintod m. ‘Zustand, in dem alle Lebensäußerungen aufgehört zu haben scheinen’ (beide 19. Jh.). Scheinwerfer m. ‘einen gebündelten Lichtstrahl aussendende Lichtquelle’ (Campe 1791 für frz. réverbère ‘Reflektor, Hohlspiegel’).

Thesaurus

Synonymgruppe
aller Voraussicht nach · ↗vermutlich · ↗voraussichtlich · wahrscheinlich  ●  so, wie es aussieht  ugs.
Assoziationen
  • allem Anschein nach · ↗augenscheinlich · dem Augenschein nach · dem äußeren Anschein nach zu urteilen · nach allem Anschein · ↗offenbar · ↗offensichtlich · so wie es aussieht · wie es scheint · wie es schien · äußerlich betrachtet
  • bestimmt · ↗höchstwahrscheinlich · mit (ziemlicher) Sicherheit  ●  mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit  floskelhaft
  • (es gibt) keine andere Erklärung · aller Voraussicht nach · ↗höchstwahrscheinlich · mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit · nach menschlichem Ermessen · sehr wahrscheinlich · soweit erkennbar  ●  (es) spricht viel dafür (dass)  variabel · wenn nicht (noch) ein Wunder geschieht  variabel · (die) üblichen Verdächtigen  ugs., Redensart · vermuten lassen  geh.
  • der Wahrscheinlichkeit nach · ↗probabilistisch
  • (von etwas) ausgehen · ↗annehmen · ↗denken · ↗erwarten · ↗glauben · ↗meinen · ↗mutmaßen · ↗vermuten  ●  tippen auf  fig. · ↗schätzen  ugs. · zu wissen glauben  geh.
Synonymgruppe
als wahrscheinlich gelten(d) · angenommen werden (es) · anzunehmen sein · ↗mutmaßlich · ↗vielleicht · wahrscheinlich · wie man sagt · ↗wohl  ●  ↗vermutlich  Hauptform · es heißt (dass)  geh. · ↗präsumtiv  geh., bildungssprachlich · zu vermuten stehen (es)  geh.
Assoziationen
  • den Umständen entsprechend · ↗eventuell · für den Fall der Fälle · für den Fall, dass · im Fall der Fälle · im Falle, dass · je nachdem · ↗möglicherweise · nicht ausgeschlossen, dass (...) · ↗notfalls · ↗potentiell · ↗potenziell · unter Umständen · ↗vielleicht · ↗womöglich  ●  ↗eventualiter  schweiz. · ↗evtl.  Abkürzung · ↗gegebenenfalls  Hauptform · ↗ggf.  Abkürzung · u.U.  Abkürzung · im gegebenen Moment  geh. · kann sein, kann nicht sein  ugs. · ↗mögen (Modalverb)  geh. · sollte (z.B. 'sich dies als notwendig erweisen')  geh.
  • (getan haben) wollen · ↗behaupten (etwas getan zu haben) · nach seinen Worten · seiner Aussage nach · seiner Aussage zufolge · wie er behauptet  ●  ihm zufolge  Amtsdeutsch · nach dem, was er sagt  ugs. · so wie er sagt  ugs.
  • Berichten zufolge · ↗angeblich · wie behauptet wird · wie man sagt  ●  wie man nicht müde wird zu betonen  floskelhaft, variabel · ach so (Einschub vor Adjektiv)  ugs. · es heißt, dass  geh. · ↗sollen  geh.
  • auf einem Fehler beruhen(d) · ↗fälschlich · ↗fälschlicherweise · ↗irrigerweise · ↗irrtümlich · irrtümlich für (...) gehalten · ↗irrtümlicherweise  ●  ↗vermeintlich  Hauptform
  • (nur) auf den ersten Blick (... scheinend) · (nur) zum Schein · Schein... · in Wirklichkeit nicht · ↗vermeintlich  ●  ↗scheinbar  ugs.
  • (die) Annahme ist berechtigt · (es) spricht einiges dafür · (es) spricht einiges für die Annahme (dass) · (jemanden) zu der Annahme berechtigen (dass) · annehmen dürfen · ↗scheinen (dass) · vermutet werden dürfen  ●  zu vermuten sein  Hauptform · nicht von der Hand zu weisen sein  geh. · zu vermuten stehen  geh.
  • bislang unbestätigten Meldungen zufolge · dem Vernehmen nach · nach allem, was man weiß · nach bisher unbestätigten Meldungen · nach dem, was man weiß · soweit bekannt · soweit man weiß · wie aus gewöhnlich gut unterrichteten Kreisen verlautet(e) (in vielen Abwandlungen, Nachrichtensprache)  ●  nach allem, was man hört  ugs.
Synonymgruppe
anscheinend · aussehen nach · ↗hindeuten (auf) · ↗möglicherweise · ↗offenbar · ↗offenkundig · ↗offensichtlich · scheinen zu · ↗vermutlich · wahrscheinlich · ↗wohl · ↗womöglich  ●  (alles) spricht für  variabel · ↗scheinbar  ugs.
Assoziationen
  • allem Anschein nach · ↗augenscheinlich · dem Augenschein nach · dem äußeren Anschein nach zu urteilen · nach allem Anschein · ↗offenbar · ↗offensichtlich · so wie es aussieht · wie es scheint · wie es schien · äußerlich betrachtet
  • (nur) auf den ersten Blick (... scheinend) · (nur) zum Schein · Schein... · in Wirklichkeit nicht · ↗vermeintlich  ●  ↗scheinbar  ugs.
  • den Umständen entsprechend · ↗eventuell · für den Fall der Fälle · für den Fall, dass · im Fall der Fälle · im Falle, dass · je nachdem · ↗möglicherweise · nicht ausgeschlossen, dass (...) · ↗notfalls · ↗potentiell · ↗potenziell · unter Umständen · ↗vielleicht · ↗womöglich  ●  ↗eventualiter  schweiz. · ↗evtl.  Abkürzung · ↗gegebenenfalls  Hauptform · ↗ggf.  Abkürzung · u.U.  Abkürzung · im gegebenen Moment  geh. · kann sein, kann nicht sein  ugs. · ↗mögen (Modalverb)  geh. · sollte (z.B. 'sich dies als notwendig erweisen')  geh.
  • anscheinend · es scheint (so zu sein) dass · es scheint an dem zu sein, dass · es scheint sich so zu verhalten dass · nach allem was man hört · so scheint es · so scheint's (Einschub)
  • dabei (...) wirken · nach außen hin · ↗äußerlich
  • (die) Annahme ist berechtigt · (es) spricht einiges dafür · (es) spricht einiges für die Annahme (dass) · (jemanden) zu der Annahme berechtigen (dass) · annehmen dürfen · ↗scheinen (dass) · vermutet werden dürfen  ●  zu vermuten sein  Hauptform · nicht von der Hand zu weisen sein  geh. · zu vermuten stehen  geh.
  • auf einem Fehler beruhen(d) · ↗fälschlich · ↗fälschlicherweise · ↗irrigerweise · ↗irrtümlich · irrtümlich für (...) gehalten · ↗irrtümlicherweise  ●  ↗vermeintlich  Hauptform
  • (so) wie es aussieht (...) · scheint so · sieht (ganz) danach aus · so sieht es (jedenfalls) aus · so sieht's aus

Typische Verbindungen
computergeneriert

Nachfolger Szenario Ursache Variante aber ahnen also ausfallen daher dauern denken denn doch durchaus erscheinen es gelten handeln höchst jedoch scheinen sehr sogar stammen wenig weniger werdend wissen ziemlich zusammenhängen

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›wahrscheinlich‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Wahrscheinlich haben sie es so gemacht wie ich, später, zu Hause, in die Nacht hinein.
Stadler, Arnold: Sehnsucht, Köln: DuMont Literatur und Kunst Verlag 2002, S. 168
Und leidet wahrscheinlich genauso wie wir unter den zunehmend blockierten Leitungen.
Die Zeit, 15.03.1996, Nr. 12
Nach dem Tode seiner Frau (1640) heiratete er ein zweites Mal, wahrscheinlich 1643.
Buttrey, John: Smith of Durham. In: Die Musik in Geschichte und Gegenwart, Berlin: Directmedia Publ. 2001 [1965], S. 31257
In diesem Fall würde man wahrscheinlich eher auf die Produktion dieser zusätzlichen Einheit verzichten.
Kilger, Wolfgang: Produktions- und Kostentheorie, Wiesbaden: Betriebswirtschaftl. Verl. Gabler 1958, S. 77
Schon im Alten Reich ist diese Ordnung nachweisbar, und wahrscheinlich reicht sie in noch weit frühere Zeit hinauf.
Meyer, Eduard: Geschichte des Altertums, Bd. I,2. In: Geschichte des Altertums, Berlin: Directmedia Publ. 2001 [1884], S. 19166
Zitationshilfe
„wahrscheinlich“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/wahrscheinlich>, abgerufen am 11.12.2018.

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