wallen

GrammatikVerb · wallte, hat/ist gewallt
Aussprache
Worttrennungwal-len (computergeneriert)
Wortbildung mit ›wallen‹ als Letztglied: ↗aufwallen · ↗auswallen · ↗herabwallen · ↗herauswallen · ↗hinaufwallen · ↗hinauswallen1 · ↗niederwallen · ↗umwallen · ↗überwallen
 ·  mit ›wallen‹ als Grundform: ↗entwallen
eWDG, 1977

Bedeutungen

1.
mit Hilfsverb ›hat‹, mit Hilfsverb ›ist‹
eine Flüssigkeit, ein Dampf wallteine Flüssigkeit, Dampf ist in heftiger Bewegung
a)
mit Hilfsverb ›hat‹
eine Flüssigkeit ist vom Grund auf aufgerührt und bildet heftige Wellen
Beispiele:
das kochende Wasser wallt im Kessel, im Topf
die Milch zum Wallen (= Aufwallen) bringen, wallen lassen
die Suppe muss drei Minuten wallen (= kochen)
die Flut, See wallte und brauste
Und es wallet und siedet und brauset und zischt, / Wie wenn Wasser mit Feuer sich mengt [SchillerTaucher]
b)
mit Hilfsverb ›hat‹
in sichtbaren Schwaden sich hin und her bewegen
Beispiele:
der Nebel wallte über den Wiesen
eine Wolkendecke wallte
Rauch und Feuer wallten plötzlich an der Stelle, wo vorher die eine Wand zum Nebenbau gestanden hatte [MarchwitzaJugend319]
mit Hilfsverb ›ist‹
in sichtbaren Schwaden in eine bestimmte Richtung ziehen
Beispiel:
Nebel wallten über die Wiesen
bildlich
Beispiel:
Düfte von Gebackenem, Gekochtem wallten über den Hof
c)
mit Hilfsverb ›hat‹
übertragen jmds. Blut walltjmd. ist sehr erregt, aufgeregt
Beispiele:
bei dieser Herausforderung wallte sein Blut, das Blut in seinen Adern
einmal war von etwas die Rede, was Metas Blut zum Wallen brachte [Sternheim4,81]
2.
mit Hilfsverb ›ist‹
gehoben wellig und in großer Fülle lang herabhängen
Beispiele:
das Haar wallt (ihr, ihm) bis auf die Schultern, über Schulter und Rücken
das Wallen eines Vorhangs
Gewänder, die in großartiger Stoffülle über die Füße der Frauen wallen [HamannGesch. d. Kunst2,384]
Sieh, wie rote und weiße Bänder von der großen Standarte wallen [A. ZweigEinsetzung205]
meist im Part. Präs.
scherzhaft
Beispiele:
seine wallenden Locken
sie trug ein wallendes Gewand
Ich hatte mich zwar immer mit wallendem Vollbart und Schonzeitbüchse in einem ruhigen Revier gesehen [H. KantAula357]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

wallen1 Vb. ‘sieden, wogend kochen, quellen, sich wogend bewegen, innerlich erregt sein’. Das ursprünglich stark flektierende, reduplizierende Verb ahd. wallan ‘wogen, sieden, kochen’ (um 800), mhd. wallen ‘aufkochen, sprudeln, wogen’, asächs. wallan ‘wallen, quellen’, mnd. mnl. wallen, aengl. weallan ‘sprudeln, bewegt fließen, kochen’ (germ. *wallan) und verwandtes (ablautend) ahd. wellan ‘wälzen, rollen, drehen’ (9. Jh.), mhd. wellen ‘rollen, wälzen, streichen, schmieren’, nhd. (selten) wellen ‘rollen, wälzen, runden’, asächs. wellan ‘beflecken’, anord. vella ‘wallen, brodeln’ (germ. *wellan) zeigen Nasalpräsens (ll aus ln). Daneben steht (tiefstufig) got. wulan ‘wallen, um sich greifen’. Außergerm. sind verwandt aind. valati ‘wendet sich hin zu, kehrt heim’ (zweifelnd Mayrhofer 3, 161), ūrmíḥ ‘Welle’, griech. eilé͞in (εἰλεῖν, aus *ϝελ-ν-) ‘rollen, drehen, winden, wälzen’, lat. volvere ‘rollen, kollern, wälzen, drehen, wirbeln’, lit. vélti ‘walken, wälzen, schlagen, (Haare, Fäden ineinander) verwirren’, aslaw. valiti sę ‘sich wälzen’, russ. valít’ (валить) ‘(um)werfen’. Auszugehen ist von einer Wurzel ie. *u̯el(ə)-, *u̯lē- ‘drehen, winden, wälzen’, wozu auch ↗walken, ↗Walze, ↗walzen, ↗wälzen, ↗wühlen, ↗Wulst, ↗Wurzel. In alter Sprache wird wallen vor allem auf bewegtes Wasser (sprudelnde Quellen, wogendes Meer, siedendes, brodelndes Wasser) bezogen, aber auch schon auf innere (Gemüts)bewegungen übertragen. Im 17. Jh. wird die Verwendungsweise (besonders in der Dichtersprache) auf die Bewegungen eines Kornfeldes, des Grases, der wiegenden Äste, des locker fallenden Haares (wallendes Haar) ausgedehnt.

wallen2 · Wallfahrt · wallfahren · Wallfahrer
wallen2 Vb. ‘eine Pilgerfahrt unternehmen, gemessen schreiten’, ahd. wallōn ‘wandern, umherziehen, pilgern’ (9. Jh.; vgl. wallōntī f. ‘Ausströmung’, 8. Jh.), mhd. mnd. mnl. wallen (germ. *waþlōn), aengl. weallian (germ. *wāþljōjan). Das Verb ist mit einer Ausgangsbedeutung ‘umherschweifen, unstet sein’ verwandt mit den unter ↗Wedel (s. d.) angegebenen Formen (vgl. ahd. wadal ‘schweifend, unstet’, wadalōn ‘umherschweifen’). Aus ‘von Ort zu Ort ziehen’ entwickelt sich ‘eine Pilgerfahrt unternehmen, wallfahren’ (Hauptbedeutung im 16. Jh.) sowie ‘in einer Prozession feierlich dahinschreiten’ (16. Jh.). Wallfahrt f. ‘Pilgerreise’, mhd. wal(le)vart. wallfahren Vb. ‘eine Pilgerfahrt unternehmen’ (daneben auch zu Wallfahrt gebildetes wallfahrten, beide 16. Jh.), heute gebräuchlicher als wallen. Wallfahrer m. ‘Pilger’ (17. Jh.); älter Wallbruder, mhd. wal(le)bruoder und wallære.

Thesaurus

Synonymgruppe
aufkochen (lassen) · ↗aufwallen (lassen) · ↗hochkochen (lassen) · wallen (lassen)
Religion
Synonymgruppe
ein Wallfahrt machen · ↗pilgern · wallen · ↗wallfahren
Assoziationen
Synonymgruppe
(sich) wellen · wallen · ↗wogen
Assoziationen

Typische Verbindungen
computergeneriert

Blut Emotion Fenster Gefühl Gemüt Haar Locke Mantel Meer Nebel Nebelschwaden Schulter Tuch Vorhang Wolke auf aufwallen draußen durchwallen empor entgegen heiß herabwallen herunter hin hoch nieder vorbei wabern wogen

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›wallen‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Rote Blätter fallen, graue Nebel wallen, kühler weht der Wind.
Die Zeit, 22.08.2011, Nr. 34
Auf vielen Wegen wallten indische Frauen, märchenbunt und wundersam gekleidet.
Süddeutsche Zeitung, 18.07.2000
Rote Blätter fallen, Graue Nebel wallen, Kühler weht der Wind.
Tucholsky, Kurt: Alte Schlager. In: Kurt Tucholsky, Werke - Briefe - Materialien, Berlin: Directmedia Publ. 2000 [1922]
Damen, die mit Erfolg gleiche Stellungen in ersten Häusern innehatten, wallen ausführliche Offerten einreichen.
Berliner Tageblatt (Morgen-Ausgabe), 06.03.1920
Zu ihm hätte man wallen sollen, wenn es die damaligen Verhältnisse gestattet hätten.
Lehmann, Lilli: Mein Weg. In: Simons, Oliver (Hg.) Deutsche Autobiographien 1690-1930, Berlin: Directmedia Publ. 2004 [1913], S. 23054
Zitationshilfe
„wallen“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/wallen#1>, abgerufen am 17.10.2019.

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wallen

GrammatikVerb · wallte, ist gewallt
Aussprache
Worttrennungwal-len (computergeneriert)
Wortbildung mit ›wallen‹ als Erstglied: ↗wallfahren · ↗wallfahrten  ·  mit ›wallen‹ als Letztglied: ↗entgegenwallen · ↗heranwallen · ↗hinauswallen2 · ↗vorbeiwallen · ↗vorüberwallen
 ·  formal verwandt mit: ↗Erdenwallen
eWDG, 1977

Bedeutungen

1.
gehoben, spöttisch gemessenen Schrittes gehen, dahinziehen
Beispiele:
Seine Mutter ... wallte mit einem langen schwarzen Schleier durch Vegesack [OelfkenTraum189]
Das Fräulein wallt über den Rasen: eine weiße Fahne bei lauem Winde [StrittmatterOchsenkutscher31]
2.
veraltet, Religion wallfahrten
Beispiel:
sie wallten zu den heiligen Stätten
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

wallen1 Vb. ‘sieden, wogend kochen, quellen, sich wogend bewegen, innerlich erregt sein’. Das ursprünglich stark flektierende, reduplizierende Verb ahd. wallan ‘wogen, sieden, kochen’ (um 800), mhd. wallen ‘aufkochen, sprudeln, wogen’, asächs. wallan ‘wallen, quellen’, mnd. mnl. wallen, aengl. weallan ‘sprudeln, bewegt fließen, kochen’ (germ. *wallan) und verwandtes (ablautend) ahd. wellan ‘wälzen, rollen, drehen’ (9. Jh.), mhd. wellen ‘rollen, wälzen, streichen, schmieren’, nhd. (selten) wellen ‘rollen, wälzen, runden’, asächs. wellan ‘beflecken’, anord. vella ‘wallen, brodeln’ (germ. *wellan) zeigen Nasalpräsens (ll aus ln). Daneben steht (tiefstufig) got. wulan ‘wallen, um sich greifen’. Außergerm. sind verwandt aind. valati ‘wendet sich hin zu, kehrt heim’ (zweifelnd Mayrhofer 3, 161), ūrmíḥ ‘Welle’, griech. eilé͞in (εἰλεῖν, aus *ϝελ-ν-) ‘rollen, drehen, winden, wälzen’, lat. volvere ‘rollen, kollern, wälzen, drehen, wirbeln’, lit. vélti ‘walken, wälzen, schlagen, (Haare, Fäden ineinander) verwirren’, aslaw. valiti sę ‘sich wälzen’, russ. valít’ (валить) ‘(um)werfen’. Auszugehen ist von einer Wurzel ie. *u̯el(ə)-, *u̯lē- ‘drehen, winden, wälzen’, wozu auch ↗walken, ↗Walze, ↗walzen, ↗wälzen, ↗wühlen, ↗Wulst, ↗Wurzel. In alter Sprache wird wallen vor allem auf bewegtes Wasser (sprudelnde Quellen, wogendes Meer, siedendes, brodelndes Wasser) bezogen, aber auch schon auf innere (Gemüts)bewegungen übertragen. Im 17. Jh. wird die Verwendungsweise (besonders in der Dichtersprache) auf die Bewegungen eines Kornfeldes, des Grases, der wiegenden Äste, des locker fallenden Haares (wallendes Haar) ausgedehnt.

wallen2 · Wallfahrt · wallfahren · Wallfahrer
wallen2 Vb. ‘eine Pilgerfahrt unternehmen, gemessen schreiten’, ahd. wallōn ‘wandern, umherziehen, pilgern’ (9. Jh.; vgl. wallōntī f. ‘Ausströmung’, 8. Jh.), mhd. mnd. mnl. wallen (germ. *waþlōn), aengl. weallian (germ. *wāþljōjan). Das Verb ist mit einer Ausgangsbedeutung ‘umherschweifen, unstet sein’ verwandt mit den unter ↗Wedel (s. d.) angegebenen Formen (vgl. ahd. wadal ‘schweifend, unstet’, wadalōn ‘umherschweifen’). Aus ‘von Ort zu Ort ziehen’ entwickelt sich ‘eine Pilgerfahrt unternehmen, wallfahren’ (Hauptbedeutung im 16. Jh.) sowie ‘in einer Prozession feierlich dahinschreiten’ (16. Jh.). Wallfahrt f. ‘Pilgerreise’, mhd. wal(le)vart. wallfahren Vb. ‘eine Pilgerfahrt unternehmen’ (daneben auch zu Wallfahrt gebildetes wallfahrten, beide 16. Jh.), heute gebräuchlicher als wallen. Wallfahrer m. ‘Pilger’ (17. Jh.); älter Wallbruder, mhd. wal(le)bruoder und wallære.

Thesaurus

Synonymgruppe
aufkochen (lassen) · ↗aufwallen (lassen) · ↗hochkochen (lassen) · wallen (lassen)
Religion
Synonymgruppe
ein Wallfahrt machen · ↗pilgern · wallen · ↗wallfahren
Assoziationen
Synonymgruppe
(sich) wellen · wallen · ↗wogen
Assoziationen

Typische Verbindungen
computergeneriert

Blut Emotion Fenster Gefühl Gemüt Haar Locke Mantel Meer Nebel Nebelschwaden Schulter Tuch Vorhang Wolke auf aufwallen draußen durchwallen empor entgegen heiß herabwallen herunter hin hoch nieder vorbei wabern wogen

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›wallen‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Rote Blätter fallen, graue Nebel wallen, kühler weht der Wind.
Die Zeit, 22.08.2011, Nr. 34
Auf vielen Wegen wallten indische Frauen, märchenbunt und wundersam gekleidet.
Süddeutsche Zeitung, 18.07.2000
Damen, die mit Erfolg gleiche Stellungen in ersten Häusern innehatten, wallen ausführliche Offerten einreichen.
Berliner Tageblatt (Morgen-Ausgabe), 06.03.1920
Zu ihm hätte man wallen sollen, wenn es die damaligen Verhältnisse gestattet hätten.
Lehmann, Lilli: Mein Weg. In: Simons, Oliver (Hg.) Deutsche Autobiographien 1690-1930, Berlin: Directmedia Publ. 2004 [1913], S. 23054
Von links und rechts wallten die Vorhänge auf uns zu.
Walser, Martin: Halbzeit, Frankfurt a. M.: Suhrkamp 1997 [1960], S. 364
Zitationshilfe
„wallen“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/wallen#2>, abgerufen am 17.10.2019.

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