walzen

GrammatikVerb
Aussprache
Worttrennungwal-zen
Wortbildung mit ›walzen‹ als Erstglied: ↗Walzblech · ↗Walzdraht · ↗Walzeisen · ↗Walzgut · ↗Walzprofil · ↗Walzstahl · ↗Walzstraße · ↗Walzwerk · ↗Walzwerker
 ·  mit ›walzen‹ als Letztglied: ↗anwalzen · ↗aufwalzen · ↗auswalzen · ↗breitwalzen · ↗einwalzen · ↗glattwalzen · ↗niederwalzen · ↗plattwalzen · ↗zerwalzen
eWDG, 1977

Bedeutungen

1.
Metall rotierende, pressende Walzen durchlaufen lassen und so in die gewünschte Form bringen
Beispiele:
Eisen, Stahl walzen
der Betrieb hat sich die Aufgabe gestellt, 400 Blöcke Stahl zusätzlich zu walzen
dünn gewalztes Aluminium
2.
mit der Walze den Boden, Untergrund bearbeiten, glätten
Beispiele:
den Acker, das Feld walzen
den Boden für die Saat walzen
eine Straße walzen
ein gewalzter Kiesplatz
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Walze1 · walzen1
Walze1 f. ‘Rolle’, ahd. walza ‘(Fuß)schlinge, Fessel’ (10. Jh.), frühnhd. walze ‘Falle, Rolle’ (15. Jh.), mnd. walte ‘Rolle, Walze’, aengl. wealte ‘Ring’, anord. vǫlt ‘Rolle, Walze, Winde’ (germ. *waltō f.) stellt sich wie das Adjektiv anord. valtr ‘unstet, wacklig’, aengl. unwealt ‘standfest’ und das unter ↗walzen (s. d.) behandelte Verb zu einer Dentalerweiterung der unter ↗wallen (s. d.) angegebenen Wurzel ie. *u̯el(ə)-, *u̯lē- ‘drehen, winden, wälzen’. Walze ist wohl ursprünglich ein gedrehtes, gewundenes Instrument (ahd. ‘Schlinge’, s. oben). Die heutige Bedeutung ‘Rolle, zylindrischer Körper’ ist seit frühnhd. Zeit belegt. walzen1 Vb. ‘mit der Walze (be)arbeiten’ (18. Jh.).

walzen2 · Walzer
walzen2 Vb. ‘Walzer tanzen’ (18. Jh.), zuvor ‘sich drehend (hin und her) bewegen, rollen’, auch (landschaftlich) ‘schlendern, müßiggehen, sich herumtreiben’, woraus ‘(als Handwerksbursche) auf der Wanderschaft sein’ (19. Jh.). Auszugehen ist wohl von stark flektierendem (ehemals reduplizierendem) mhd. walzen ‘(sich) wälzen, rollen, drehen, wenden’, das im Frühnhd. zur schwachen Flexion überwechselt (starke Formen bis ins 16. Jh.). Dieses auf schwach flektierendes ahd. walzen ‘wälzen, wegziehen’ (mit nachträglichem Übergang zur starken Flexion) zurückzuführen, ist kaum möglich; vielmehr dürfte ahd. (bair.) walzen als umlautlose Form (infolge von l und Konsonant) von ahd. welzen (s. ↗wälzen) aufzufassen sein. Mhd. walzen ist daher am besten an eine Dentalerweiterung der unter ↗wallen (s. d.) angegebenen Wurzel ie. *u̯el(ə)-, *u̯lē- ‘drehen, winden, wälzen’ anzuschließen. Die heutigen Verwendungen gehören mehr oder weniger der Umgangssprache an. ‘Walzer tanzen’ geht zurück auf mhd. walzen ‘sich drehend hin und her bewegen’, nhd. (obd.) ‘mit drehenden Füßen über den Boden schleifen’ (18. Jh.), im Unterschied zu hopsen. Zu walzen ‘auf der Wanderschaft sein’ entsteht die (an ↗Walze, s. d., angelehnte) Umschreibung auf der Walze (‘Wanderschaft’) sein (19. Jh.). Walzer m. ‘Drehtanz im Dreivierteltakt’ (2. Hälfte 18. Jh., sich vom Obd. aus verbreitend), da im Unterschied zu älteren Tänzen mit Hopsern und Stampfschritten hier die Füße Drehbewegungen ausführen.

Thesaurus

Synonymgruppe
(etwas) platt machen · ↗glätten · ↗mangeln · ↗plätten · walzen  ●  ↗bügeln  ugs.
Oberbegriffe
Assoziationen

Typische Verbindungen
computergeneriert

Blech Bulldozer Bus Paar Panzer Piste Planierraupe Tonne auswalzen breitwalzen durchbrechen gießen heran hinweg hinwegwalzen kneten los mähen nieder niederwalzen platt pressen rammen rollen schmieden schneiden sprengen um zuwalzen

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›walzen‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Wir treten dich jetzt weg, wir walzen über dich hinweg.
Süddeutsche Zeitung, 14.12.2002
Nur ein paar Stunden dauerte es, dann war fast alles platt gewalzt.
Die Zeit, 04.12.1995, Nr. 49
Wir nähern uns einem jungen Mädchen, machen eine Verbeugung, nennen unsern Namen und walzen los.
Baudissin, Wolf von u. Baudissin, Eva von: Spemanns goldenes Buch der Sitte. In: Zillig, Werner (Hg.), Gutes Benehmen, Berlin: Directmedia Publ. 2004 [1901], S. 29731
Unsere Deerns wurden dazu eingeladen, und dann wurde gewalzt, daß die Röcke flogen und die Dielen krachten.
Rehbein, Franz: Das Leben eines Landarbeiters. In: Simons, Oliver (Hg.) Deutsche Autobiographien 1690-1930, Berlin: Directmedia Publ. 2004 [1911], S. 44870
Ein großer Teil des produzierten Stahls wird in langen Zügen in die Bundesrepublik transportiert, dort auf modernsten Anlagen gewalzt und wieder hierher gebracht.
Ketman, Per u. Wissmach, Andreas: DDR - ein Reisebuch in den Alltag, Reinbek bei Hamburg: Rowohlt 1986, S. 282
Zitationshilfe
„walzen“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/walzen#1>, abgerufen am 21.11.2019.

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walzen

GrammatikVerb · walzt, walzte, ist gewalzt
Aussprache
Worttrennungwal-zen
Wortbildung mit ›walzen‹ als Erstglied: ↗Walzbruder  ·  formal verwandt mit: ↗Walz
eWDG, 1977

Bedeutungen

1.
umgangssprachlich, veraltend wandern
Beispiel:
der berühmte Vagabund, der eben durch Mössel walzte [PenzoldtPowenzbande89]
schlendern
Beispiele:
die Familien walzen über die Alleen [WeisenbornMädchen32]
Aber auf dem nächsten Bahnsteig walzt es [das Reisevolk] um so dichter [F. HartlaubVon unten gesehen144]
2.
umgangssprachlich Walzer tanzen
durch einen Raum walzenWalzer tanzend einen Raum durchqueren
Beispiel:
die beiden sind allein durch den Saal gewalzt
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Walze1 · walzen1
Walze1 f. ‘Rolle’, ahd. walza ‘(Fuß)schlinge, Fessel’ (10. Jh.), frühnhd. walze ‘Falle, Rolle’ (15. Jh.), mnd. walte ‘Rolle, Walze’, aengl. wealte ‘Ring’, anord. vǫlt ‘Rolle, Walze, Winde’ (germ. *waltō f.) stellt sich wie das Adjektiv anord. valtr ‘unstet, wacklig’, aengl. unwealt ‘standfest’ und das unter ↗walzen (s. d.) behandelte Verb zu einer Dentalerweiterung der unter ↗wallen (s. d.) angegebenen Wurzel ie. *u̯el(ə)-, *u̯lē- ‘drehen, winden, wälzen’. Walze ist wohl ursprünglich ein gedrehtes, gewundenes Instrument (ahd. ‘Schlinge’, s. oben). Die heutige Bedeutung ‘Rolle, zylindrischer Körper’ ist seit frühnhd. Zeit belegt. walzen1 Vb. ‘mit der Walze (be)arbeiten’ (18. Jh.).

walzen2 · Walzer
walzen2 Vb. ‘Walzer tanzen’ (18. Jh.), zuvor ‘sich drehend (hin und her) bewegen, rollen’, auch (landschaftlich) ‘schlendern, müßiggehen, sich herumtreiben’, woraus ‘(als Handwerksbursche) auf der Wanderschaft sein’ (19. Jh.). Auszugehen ist wohl von stark flektierendem (ehemals reduplizierendem) mhd. walzen ‘(sich) wälzen, rollen, drehen, wenden’, das im Frühnhd. zur schwachen Flexion überwechselt (starke Formen bis ins 16. Jh.). Dieses auf schwach flektierendes ahd. walzen ‘wälzen, wegziehen’ (mit nachträglichem Übergang zur starken Flexion) zurückzuführen, ist kaum möglich; vielmehr dürfte ahd. (bair.) walzen als umlautlose Form (infolge von l und Konsonant) von ahd. welzen (s. ↗wälzen) aufzufassen sein. Mhd. walzen ist daher am besten an eine Dentalerweiterung der unter ↗wallen (s. d.) angegebenen Wurzel ie. *u̯el(ə)-, *u̯lē- ‘drehen, winden, wälzen’ anzuschließen. Die heutigen Verwendungen gehören mehr oder weniger der Umgangssprache an. ‘Walzer tanzen’ geht zurück auf mhd. walzen ‘sich drehend hin und her bewegen’, nhd. (obd.) ‘mit drehenden Füßen über den Boden schleifen’ (18. Jh.), im Unterschied zu hopsen. Zu walzen ‘auf der Wanderschaft sein’ entsteht die (an ↗Walze, s. d., angelehnte) Umschreibung auf der Walze (‘Wanderschaft’) sein (19. Jh.). Walzer m. ‘Drehtanz im Dreivierteltakt’ (2. Hälfte 18. Jh., sich vom Obd. aus verbreitend), da im Unterschied zu älteren Tänzen mit Hopsern und Stampfschritten hier die Füße Drehbewegungen ausführen.

Thesaurus

Synonymgruppe
(etwas) platt machen · ↗glätten · ↗mangeln · ↗plätten · walzen  ●  ↗bügeln  ugs.
Oberbegriffe
Assoziationen

Typische Verbindungen
computergeneriert

Blech Bulldozer Bus Paar Panzer Piste Planierraupe Tonne auswalzen breitwalzen durchbrechen gießen heran hinweg hinwegwalzen kneten los mähen nieder niederwalzen platt pressen rammen rollen schmieden schneiden sprengen um zuwalzen

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›walzen‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Wir treten dich jetzt weg, wir walzen über dich hinweg.
Süddeutsche Zeitung, 14.12.2002
Nur ein paar Stunden dauerte es, dann war fast alles platt gewalzt.
Die Zeit, 04.12.1995, Nr. 49
Wir nähern uns einem jungen Mädchen, machen eine Verbeugung, nennen unsern Namen und walzen los.
Baudissin, Wolf von u. Baudissin, Eva von: Spemanns goldenes Buch der Sitte. In: Zillig, Werner (Hg.), Gutes Benehmen, Berlin: Directmedia Publ. 2004 [1901], S. 29731
Unsere Deerns wurden dazu eingeladen, und dann wurde gewalzt, daß die Röcke flogen und die Dielen krachten.
Rehbein, Franz: Das Leben eines Landarbeiters. In: Simons, Oliver (Hg.) Deutsche Autobiographien 1690-1930, Berlin: Directmedia Publ. 2004 [1911], S. 44870
Ein großer Teil des produzierten Stahls wird in langen Zügen in die Bundesrepublik transportiert, dort auf modernsten Anlagen gewalzt und wieder hierher gebracht.
Ketman, Per u. Wissmach, Andreas: DDR - ein Reisebuch in den Alltag, Reinbek bei Hamburg: Rowohlt 1986, S. 282
Zitationshilfe
„walzen“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/walzen#2>, abgerufen am 21.11.2019.

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