Wörterbuch der deutschen Gegenwartssprache (WDG)

WDG, 1. Band, 1967

Auge, das

Auge, das; -s, -n /Verkl.: Äuglein, Äugelchen/
1. Sehorgan des Menschen, der Tiere
a) /mit Adj./ blaue, braune, graue, schwarze, große, schmale Augen; blanke, blitzende, funkelnde, glänzende, strahlende Augen; entzündete, feuchte, nasse, rote, schwimmende, umschattete, umflorte, verquollene, verweinte Augen haben; gute, kurz-, weitsichtige, schlechte Augen; ein künstliches A.; hervortretende, niedergeschlagene, tiefliegende, verschlafene, vorquellende, weit aufgerissene, zu-, zusammengekniffene Augen; geschlossene, starre, verbundene Augen; die brechenden, erlöschenden Augen des Sterbenden; ängstliche, böse, ernsthafte, erschrockene, feurige, gutmütige, sanfte, traurige, treue, verliebte Augen; /in bildl. Wendung/ große Augen machen (staunen)
b) /mit Gen.; in bildl. Wendung/ das A. des Gesetzes (die Polizei; ein Polizist)
c) /mit Vb./ das A. blitzt, flammt, funkelt, lacht, lächelt, leuchtet; die Augen beißen, brennen, schmerzen, tränen, triefen; die Augen gewöhnen sich an die Dunkelheit; jmds. Augen füllen sich mit Tränen; jmdm. fallen vor Müdigkeit die Augen zu; die Augen abwenden, auf-, niederschlagen, öffnen, rollen, zu Boden schlagen, schließen, senken, verdrehen, zukneifen; etw. strengt, greift die Augen an; dem Toten die Augen zudrücken; sich /Dat./ die Augen reiben, wischen, verderben; er hat Augen wie ein Luchs (scharfe Augen) /in bildl. Wendungen/ das A. konnte sich nicht satt daran sehen; geh. das A. bricht (der Mensch stirbt) endlich gingen ihm die Augen auf (erkannte er den wahren Sachverhalt) dicht. die Augen gingen ihm über (er mußte weinen) salopp da blieb kein A. trocken (alle waren gerührt) umg. seine Augen waren größer als der Magen (er hatte sich mehr auf den Teller getan, als er essen konnte) jmdm. die Augen öffnen (jmdm. den wahren Sachverhalt zeigen) die Augen offenhalten (aufpassen) tu, mach, sperr deine Augen auf (paß auf)! er hat seine Augen überall (beobachtet alles) umg. er hat vorn und hinten Augen (ihm entgeht nichts, er sieht alles) salopp ich könnte ihm die Augen auskratzen (etwas sehr Schlimmes antun) vier Augen sehen mehr als zwei; seine Augen gegen etw. verschließen (etw. nicht wahrhaben wollen) umg. beide Augen, ein A. zudrücken (nachsichtig sein) ich habe die ganze Nacht kein A. zugetan (nicht geschlafen) umg. sich die Augen aus dem Kopfe schämen (sich sehr schämen) sie weint sich die Augen aus (dem Kopf) (weint sehr) ich sah mir nach ihr die Augen aus (suchte angestrengt, sie zu entdecken) jmdm. (schöne) Augen, Äugelchen machen (mit jmdm. flirten) er wandte kein A. von ihr; die Farben beleidigen, entzücken das A.; /sprichw./ eine Krähe hackt der anderen kein A. aus (Spießgesellen stehen einander bei) umg. ich traute meinen Augen nicht (war höchst überrascht), als ich ihn erblickte Blick: geh. nichts als Wasser, soweit das A. reicht; aller Augen ruhten auf ihm; sie hat dafür kein A. (kein Verständnis)
d) /mit Präp./ man sieht es dir an den Augen an; er ist auf einem A. blind /in bildl. Wendungen/ der alte Name steht auf zwei Augen (es ist nur ein einziger männlicher Nachkomme da) ein wachsames A. auf jmdn. haben (jmdn. scharf beobachten) er hat ein A. auf das Mädchen (geworfen) (interessiert sich für das Mädchen) salopp das paßt wie die Faust aufs A. (paßt überhaupt nicht) berl. der hat wohl Tomaten auf den Augen (paßt nicht auf) sich den Schlaf aus den Augen reiben /in bildl. Wendungen/ jmdn. nicht aus den Augen lassen, verlieren; Sie … räumte / Ihre Geschenke aus den Augen der Welt Brecht Gedichte 130 er ist mir ganz aus den Augen gekommen (die Verbindung mit ihm ist abgerissen) geh mir aus den Augen!; /sprichw./ aus den Augen, aus dem Sinn; er ist seinem Vater wie aus den Augen geschnitten (ist ihm sehr ähnlich) der Schalk sieht ihm aus den Augen; aus ihren Augen sprechen Mitleid und Güte; umg. ich kann vor Arbeit, vor Schnupfen nicht aus den Augen gucken; die grüne Wiese ist eine Wohltat, Erholung für das A.; mir ist etwas, mir ist Staub in die Augen gekommen der Rauch beißt in die, in den Augen; ihm standen die Tränen in den Augen; jmdm. A. in A. gegenüberstehen (sich gegenseitig ansehen) /in bildl. Wendungen/ in jmds. Augen lesen; jmdm. nicht in die Augen blicken, sehen können (ein schlechtes Gewissen haben) der Schalk sitzt jmdm. in den Augen; etw. springt, fällt in die Augen (lenkt sofort das Auge, die Aufmerksamkeit auf sich) umg. etw. sticht jmdm. in die Augen (etw. gefällt jmdm., erweckt in jmdm. den Wunsch, es zu besitzen) in meinen Augen (nach meiner Ansicht) ist er ein Schuft jmdm. Sand in die Augen streuen (jmdm. etw. Falsches vorspiegeln, jmdn. täuschen) jmdn., etw. im A. behalten (bedenken, nicht vergessen) jmds. Vorteil im A. (im Sinn) haben er ist ihm ein Dorn im A. (er ist ihm ein Ärgernis, ist ihm verhaßt) etw. ins A. fassen (genau betrachten; planen) jmdn. ins A. fassen (in die engere Wahl ziehen) der Wahrheit, der Gefahr ins A. sehen; salopp das hätte ins A. gehen können (hätte schlecht ausgehen können) ; mit den Augen zwinkern, blinzeln etw. mit bloßem A. erkennen; /in bildl. Wendungen/ jmdn. mit den Augen verschlingen, durchbohren, verfolgen; jmdn. mit scheelen Augen ansehen; das muß ich mit eigenen Augen sehen (davon muß ich mich selbst überzeugen) etw. mit ganz anderen Augen ansehen (eine andere Einstellung zu etw. haben) etw. mit dem A. des Künstlers betrachten; mit einem lachenden und einem weinenden A. (sowohl heiter, wie auch betrübt) mit offenen Augen durch die Welt gehen (auf alles achten) umg. mit offenen Augen schlafen (unaufmerksam sein) ; mit sehenden Augen ins Unglück rennen; er ist mit einem blauen A. (glimpflich) davongekommen ; er hat Ringe um die Augen /in bildl. Wendung/ er tat es um ihrer schönen Augen willen; /übertr./ bibl. A. um A., Zahn um Zahn (Gleiches mit Gleichem vergelten) ; er hat Schatten unter den Augen /in bildl. Wendungen/ jmdm. etw. unter vier Augen (ohne Zeugen) sagen; er wagt es nicht, ihm unter die Augen zu treten; komm mir nicht mehr unter die Augen; es fiel ihm wie Schuppen von den Augen (er sah plötzlich klar, erkannte die Zusammenhänge) ; es war so finster, daß man die Hand nicht vor den Augen sehen konnte die Buchstaben, Zeilen tanzen, verschwimmen mir vor den Augen; geh. das Unglück geschah vor aller Augen; mir wurde schwarz vor den Augen (mir wurde übel; ich wurde ohnmächtig) /in bildl. Wendungen/ jmdm. etw. vor Augen führen, halten (ihn auf etw. aufmerksam machen) das Bild steht, schwebt mir noch (klar) vor (den) Augen (ich erinnere mich noch genau daran) etw. vor dem geistigen, inneren A. haben, sehen
2. /übertr.; Dinge, die dem menschlichen, tierischen Auge äußerlich ähnlich sind/
a) Punkt auf dem Würfel: wer hat die meisten Augen geworfen?;
b) /Zählwert der (Spiel)karte/ der König zählt beim Skat vier Augen
c) Fetttropfen auf der Fleischbrühe: die Suppe hat viele Augen;
d) Rundf. das magische A. (Elektronenröhre, die die Stärke des Empfanges sichtbar macht)
e) Bot. (Ansatz der) Knospe

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Zitationshilfe
„Auge“, in: Wörterbuch der deutschen Gegenwartssprache (1964–1977), kuratiert und bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/wdg/Auge>, abgerufen am 28.11.2020.

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