Wörterbuch der deutschen Gegenwartssprache (WDG)

WDG, 4. Band, 1974

Ohr, das

Ohr, das; -(e)s, -en /Verkl.: Öhrchen/
paariges, am Kopf sitzendes Gehör- und Gleichgewichtsorgan des Menschen und der Wirbeltiere: das innere, äußere O.; sie hat gute, schlechte Ohren; die feinen Ohren des Fuchses; ein geschultes, geübtes O.; mir gellen, dröhnen noch die Ohren vom Lärm der Maschinen; mein O. hat mich nicht getäuscht, es hat geklopft; er hört schwer auf beiden Ohren, hört nur auf einem O., ist taub auf einem O.; es braust mir in den Ohren; er hatte ein ständiges, leises Sausen in den Ohren; Ohrmuschel: kleine, hübsche, rosige, rote, spitze, anliegende, abstehende Ohren; seine Ohren brannten vor Kälte, wurden rot; bei sehr großer Kälte können leicht die ungeschützten Ohren erfrieren; sich /Dat./ die Ohren zuhalten, -stopfen; der Hund spitzt die Ohren, läßt die Ohren hängen; das Pferd legt die Ohren an, zurück; das Tier richtet, stellt die Ohren auf; ich friere an den Ohren sie wurde rot bis an, über die Ohren; er nahm, packte das Kaninchen an den Ohren; jmdn. am O. ziehen, zupfen; er drückte den Hut aufs O., schob die Mütze aufs rechte O.; jmdn. bei den Ohren nehmen; sich hinterm O. kratzen er kraulte den Hund hinterm O.; die Hand hinters O. halten; umg. er bekam eins hinter die Ohren (einen Schlag an den Hinterkopf) der Pfiff der Lokomotive gellt mir in die, den Ohren jmdm. etw. ins O. sagen, flüstern, raunen; man mußte dem Schwerhörigen ins O. schreien; scherzh. kannst du mit den Ohren wackeln? ; d. Decke, Mütze über die Ohren ziehen; der Wind pfiff mir um die Ohren /bildl./ umg. jmd. ist ganz (Auge und) O. (ist sehr aufmerksam) jmd. hat kein O. (keinen Sinn) für etw. für Lyrik hat er kein O.; Neupräg. umg. er hatte sein O. ständig an der Masse (informierte sich ständig über die Meinung der Masse) umg. haben dir nicht die Ohren geklungen? (von dir ist gesprochen worden) du hast wohl keine Ohren (hörst du nicht)? er predigte tauben Ohren (mahnte vergeblich) die Wände haben Ohren (wir werden belauscht) mach die Ohren auf (höre gut zu)! die Ohren steifhalten (den Mut nicht verlieren; gesund bleiben) ; die Ohren hängenlassen (mutlos sein) jmdm. die Ohren vollheulen; sein O. verschließen (nicht zuhören) bei jmdm. ein offenes, (bereit)williges O. (Gehör, Teilnahme) finden geh. jmdm. ein geneigtes O. leihen, schenken (jmds. Anliegen wohlwollend anhören) umg. lange, spitze Ohren machen (aufmerksam lauschen) salopp wasch dir deine Ohren (höre besser zu)! ich traute meinen Ohren nicht (glaubte, ich hätte mich verhört) salopp er sitzt wohl auf seinen Ohren? (er hört nicht zu) ; umg. sich aufs O. legen (schlafen) ; das war nicht für deine Ohren (bestimmt) (solltest du nicht hören) ; für norddeutsche Ohren klingt das fremd; umg. er hat es (faustdick) hinter den Ohren (ist gerissen, durchtrieben) ; das kannst du dir hinter die Ohren schreiben (mußt du dir gut merken) ; umg. abwertend er ist noch nicht trocken, noch naß, grün hinter den Ohren (ist noch unerfahren, unreif) ; diese Bemerkung klang ihm wenig angenehm in den Ohren (er hörte sie nicht gern) ; umg. jmdm. mit etw. in den Ohren liegen (jmdm. immer wieder etw. vortragen, um es durchzusetzen) die Melodie geht einem gleich ins O. (man behält sie leicht) ich habe die Melodie, seine Worte noch im O. (kann mich genau auf sie besinnen) umg. jmdm. einen Floh ins O. setzen (in jmdm. einen schwererfüllbaren Wunsch, einen Gedanken erwecken, der ihn nicht mehr losläßt) ; mit halbem O. (nicht mit ganzer Aufmerksamkeit) hin-, zuhören; salopp mit den Ohren schlackern sehr erstaunt sein: Du schlackerst mit den Ohren, wenn ich Dir die Namen vorlese M. Walser Halbzeit 646; umg. bis über beide Ohren verliebt (sehr verliebt) sein, in Schulden stecken (sehr verschuldet sein) ; salopp jmdn. übers O. hauen (jmdn. betrügen, übervorteilen) jmdm. das Fell über die Ohren ziehen (jmdn. arg betrügen) umg. sich /Dat./ die Nacht um die Ohren schlagen (die Nacht nicht schlafen) ; sich /Dat./ den Wind um die Ohren wehen lassen (Erfahrungen sammeln) jmd. hat viel, zuviel um die Ohren (ist zu sehr belastet) ; mir ist etw. zu Ohren gekommen (ich habe etw. gehört) ; umg. die Warnung ging zum einen O. hinein und zum anderen wieder heraus (wurde nicht beachtet)

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Zitationshilfe
„Ohr“, in: Wörterbuch der deutschen Gegenwartssprache (1964–1977), kuratiert und bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/wdg/Ohr>, abgerufen am 27.11.2020.

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